Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 16 (22.2.1894)
- Date
- 1894-02-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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späterhin auch Pension gewähren will? Ein Tropfen auf heißem Stein! Bei einiger Wirksamkeit aber könnten die Jahreseinnahmen ganz beträchtlich gesteigert werden. So beliefen sich in 1892 die zufälligen Einnahmen auf 1069 Mark, es treffen mithin auf 1 Mitglied 7 M. Dieser Betrag könnte auf die doppelte, ja dreifache Höhe gebracht werden; denn an allen, auch den kleinsten Or:en ist es möglich, im Laufe eines Jahres, bet Wahrnehmung sich darbietender Gelegenheit, 15 bis 20 M. zu erzielen. Ebenso ist die Zahl der außerordentlichen Mitglieder noch eine viel zu geringe. Bisher sind solche nur in 40 Gemeinden gewonnen und */8 der Gesammtzahl entfallen auf die Städte Augs bürg, Bamberg und Nürnberg, während mehr als die Hälfte der übrigen 37 Orte — darunter sogar München — nur je ein einziges Mitglied zählt! Blicken wir auf den allgemeinen bayr. Lebrerverein und seine wahrhaft glänzenden Erfolge. Diese sind gewiß nicht das Resultat des laiseer faire, laisser aller. Jede Nummer des Organs bringt vielmehr eine direkte oder indirekte Ermunterung, die Zwecke des Vereins zu fördern. Möchte daher auch die Leitung des israel. bayer. Lehrervereins, mehr als bisher geschehen, die Mitglieder zu kräftiger, nachhaltiger Thätigkeit anspornen; der Erfolg wird nicht ausbletben. Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Berlin, 16. Februar. Unsere Feinde haben das Mommsensche Schlagwort, der Jude sei das Ferment der Dekomposition, weidlich ausgenutzt. Sie bemühen sich, überall den Nachweis zu führen, daß der Untergang blühender Kulturen und Stände nur der Maulwurfsarbett der Juden zuzuschreiben sei. Und doch beweist die Geschichte, daß das menschliche Elend an den „judenreinen" Orten (Spanten, S'.ctlien rc.) nicht um das Geringste kleiner ist, als an Orten, in denen die Juden einen beträchtlichen Theil der Bevölkerung ausmachen. Dieser Einsicht können sich auch die stark antisemitisch gefärbten „Grenzboten" nicht verschließen. In einer ihrer letzten Nummer schreiben sie: „Wenn in großen Kulturstaaten, die sich eines kräftigen Bürger- und Bauernstandes erfreuten, dieser zerstört worden ist, so können dieser Leistung nicht die Juden, sondern „andere mächtigere Leute" sich rühmen." „Nicht Juden sind es gewesen, sondern hochkirchliche Lords normannischen und angelsächsischen Blutes, die den englischen Bauernstand vernichtet haben. Nicht Juden, sondern Vollblutttaliener sind es, die das italienische Landvolk in einen Zustand bejammernswerther Armuth und Sklaverei herabgedrückt haben, und weder ihr politisches noch ihr relig'öses Glaubensbekenntniß hat auf ihre Handlungsweise Einfluß geübt; ehemals waren sie fromme, konservative Räuber und besuchten die Messe, heute sind sie liberale Räuber und beten mit ihrem Earducci zum Satan, aber Räuber sind sie nach wie vor. N.cht Juden, sondern orthodoxe Bauern sind in Rußland die Mtrfreffer. Nicht Juden, sondern Irnkees sind es gewesen, die, um fabelhafte Reichryümer aufzuhäufen, die natürliche gesunde Entwicklung Nordamerikas gewaltsam unterbrochen und durch Landdiebstahl. Schutzzölle, Ringe und Silbergesetze in jenem geräumigen, reichen und dünnbevölkerten Lande die sozialen Nöthe jetzt schon erzeugt haben, die sich bet natürlicher Entwickelung erst nach einigen hundert Jahren eingestellt haben würden." Wer kann angesichts dieser Thalsache noch vom Mittelstände sprechen, den die Juden aufgerieben haben sollen? Wer nicht weiß, daß der großkapitalistische Zug der Zeit, das Maschinenalter den Mittelstand einengt, und daß keineswegs die Juden es thun, der sollte das Mitsprechen in der „Judenfrage" sein lassen. Marburg, 16. Febr. Es scheint flau zu stehen in der alltisemitischen — Geldkister In einem Artikel mit der Überschrift: „Lamenttren Hilst nichts", hält der Böckel'sche „Reichsherold" den „treuen Bauern" folgende Standrede: „Seit Jahren hört man schon die Klagen über Nothläge der Landwirthschaft, Klagen, nichts als Klagen ohne Ende. Aber kein Bauer erhebt sich, dem Elende zu steuern. In Bayern gabs einmal einen Sturm, bei uns in Mitteldeutschland regt Niemand eine Hand. Als Dr. Bocket s. Zt. aufrief, da gab es großen Jubel und ungeheure Begeisterung, als aber die Bewegung auch einmal Geldopf^r forderte, da zog sich Mancher zurück, auS Angst, Dr. Böckel reich zu machen mit der 1 Mark Jahresbeitrag zum Bauernvereine, oder mit den 2 pCt, die gar nicht existiren. Geiz am unrechten Orte ist eben ein bei vielen Bauern verbreitete» Laster. Für kostspielige Prozesse und Gemeindekrakehl haben sie Geld, für große Volksintereffen ist ihnen jeder Pfennig zu viel . . Der Bauer kann eben niemals einsehen, daß jeder Groschen, den er für Vertretung seiner Interessen hergibt, ihm hundertfältige Frucht bringt, er kommt unS in seiner verkehrten Sparsamkeit vor, wie der Mann, der angebrannte Schwefelhölzer sammelt und seine Pfeife mit Markscheinen ansteckt." Das läßt tief blicken, kann aber den Kundigen nicht überraschen. München, 16. Febr. Der Herr Abz. Pfarrer Dr. Frank von Wiesen in Unterfranken, der bekanntlich von Dr. Sigl jahrelang als Abkömmling einer Judenfamilie bezeichnet wurde, hat sich nun selbst zur der Frage hören lassen und zwar gestern Abend in einer vom hiesigen Anti-