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Der Israelit · 1894-02-22 · Heft 16 (22.2.1894) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 16 (22.2.1894)
Date
1894-02-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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272 wollen, als vollgiltige Türken angesehen und behandelt zu werden: was würden die Christen darauf erwiedern? Wir überlaffen die Antwort den uns wohlgesinnten Männern. Was man gegen uns einwendet, müßte man doch auch für sich gelten lassen. Nun find bekanntlich Sabbat- und Speisegesetz Fundamentalgesetze des Judenthums. Ein einziges Mal wurde am Anfänge dieses Jahrhunderts in Berlin von einer Anzahl Juden der Versuch gemacht, eine jüdische Geweinde zu bilden, die den Sabbat auf den Sonntag verlegt hat; aber gerade dieser Versuch war ein warnendes Beispiel für alle Juden gerade des 19. Jahrhunderts von diesem Vorgehen abzustehen. Auch die „gebildeten" Juden Berlins haben nichts davon wissen wollen. Und wenn heutzutage wiederum einige „Gebildete" aus Antisemitenfurcht zu dieser letzten und doch vergeblichen Aushilfe ihre Zuflucht nehmen wollen, nachdem sie sich vollständig von dem jüdischen Religionsgesetz losgesagt haben und dadurch bei unseren nichtjüdischen Verthetdigern die falsche Ansicht aufkommen lassen, als könnte man Jude sein ohne jüdische Gesetze oder als läge dem Juden der Neuzeit nichts mehr an seiner Religion und an seinem jüdischen Glaubensbekenntnisse und man dürfe ihm den guten Rath ertheilen, seine „Abgeschlossenheit" auszugeben, als wäre er bereit, leichten Herzens sich verschmelzen zu lassen: so würde darauf von der großen Mehrzahl der Juden — und unsere Vertheidiger und jene „Gebildeten" selbst würden staunen von welche überwältigender Mehrzahl — der lebhafteste Protest erhoben werden. Selbst in Amerika, wo doch unter den verschiedensten Confessionen gar oft ein zu bereitwilliges Entgegenkommen in religiöser Hinsicht geübt wird, wo christliche Prediger in Synagogen und Rabbiner in christlichen Gotteshäusern fungtren, hat der Vorschlag eines Rabbinen, der eifrig dafür warb und eintrat, die Verlegung des Sabbat auf den Sonntag keinen Anklang gefunden. Einen Selb stmord wollen die Juden auch des 19. Jahrhunderts nicht begehen. Und wollen unsere Vertheidiger von uns einen solchen verlangen? Dann würden sie aus Verthetdigern Ankläger werden und unabsichtlich den Antisemiten, die sie bekämpfen wollen, immer mehr Stoff bieten. Die Schuld daran fällt aber nur auf diejenigen, welche sich mit stolzer Ueberhebung die „gtbildeten Juden" nennen, die da meinen, wenn sie das jüdische Gesetz für sich abgethan, sei auch das Judenthum abgethan; die da meinen, sich und ihrem Volke und ihrer Religion damit einen Dienst zu erweisen und den Antisemitismus dadurch zu beseitigen. Wie die Angriffe gegen die jüdische Schächtmethode gerade die ganze Welt schließlich überzeugen, daß diese jüdische Schlachtweife wahrscheinlich die beste und humanste ist, so wird auch das Sabbatgesetz mit seiner von gesetzestreuen Juden geübten absoluten Enthaltung von jeder Arbeit sicherlich auch noch als die richtigste, beste und humanste Sabbatfeier und Sabbatheiligung anerkannt werden. Schaden kann unsere Sabbatruhe Niemandem. Koneurrenz, beklagenswerthe Koneurrenz, die gerade der jüdischen Geschäftswelt, die keinen Sabbat hält, zum Vorwurf gemacht wird, kann die echte Sabbatfeier Niemandem machen. Würden wir nur in der That den Sabbat heiligen, dann würde der verbissenste Antisemit ihn uns nicht zum Vorwurf machen, wie auch wohl schwer nachzuweisen sein wird, daß man uns Juden das rituelle Schlachten verbieten wollte in Zeiten, wo das Tresa-essen nicht so an der Tagesordnung war, wie heute. Fällt es denn Niemanden von all Jenen, die das jüdische Spetsegesetz nicht mehr kennen, als sonderbar auf, daß sie angegriffen werden wegen der Schechita, daß die heutige Generation, die sich so vielfach dagegen aufgelehnt, die jüdische Schlachtmethode zu verthetdigen gezwungen ist?! Vielleicht denkt doch Mancher über die sonderbaren Erscheinungen der Neuzeit, des fla de si&cle, und deren Ursachen nach! — Sprechsaal. (Für alle unter dieser Rubrik erscheinenden Artikel übernimmt die Redaction dem Leserkreise gegenüber keine andere als die preßgesetzliche Verantwortung.) Aus um lsrael. KkyMvmln i» Kayern. 17. W. Wollte man das bekannte Wort, daß jene Frau die beste ist, von welcher am seltensten gesprochen wird, auch auf unseren Verein anwenden, so müßte unser Verein das Urbild aller Vollkommenheit, ein über alle Mängel erhabenes Werk sein. Außer dem Bericht über die Jahresversammlung dringt über denselben weiter gar nichts in die Oeffentlichkeit; selbst die Mitglieder können sich nicht rühmen, jemals eine andere Zusendung als Rechenschaftsbericht und — Einladungskarte zur Generalversammlung erhalten zu haben. Kein Wunder, wenn in den meisten Mitgliedern das Gefühl der Zugehörigkeit das ganze Jahr über in seligem Schlummer ruht, um erst am Tage der Generalversammlung für einige Stunden zu erwachen. Und doch wäre die eifrigste Thättgkeit aller Mitglieder für den Verein dringend nöthtg. Denn, was sind 25,000 M. Vermögen für einen Verein, der seinen ca. 150 aktiven Mitgliedern nicht blos Wittwen- und Waisenversorgung, sondern

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