Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-02-22 · Heft 16 (22.2.1894) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 16 (22.2.1894)
Date
1894-02-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448427--38022-2486114
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XXXV. Sahraang. Der Israelit. M 16. Ein Kentrak-Argan für das orthodoxe ZudentHum. Begründet von Vr. Lehman« in Mainz. Donnerstag, den SS Februar 5654 (1894). Leitender Artikel. Unsere Wertyeidiger. -Von Rabbiner vr. H. Sänger. Daß wir in dem schweren, gegen unsere Person unv gegen unsere Religion und Religionsgesitze so erbittert geführten Kampfe von edlen Männern nichtjüdischer Confession unterstützt und vertheidigt werden, muß uns nach verschiedener Richtung hin werthvoll sein, und mit dankbarem Herzen erkennen wir es an, daß bei einer mit solcher Gehässigkeit, mit so viel Hinterlist und steter Entstellung und Verdrehung der Thatsachen und mit so berechneter Lüge unternommenen Kampfesweise, wo es dem gerade und ehrlich denkenden Manne so äußerst schwer gemacht wird, sich mit dem Gegner zu besoffen, doch immer aufs Neue Männer eintreten und auf einem ihnen bis jetzt fremden Gebiete sich zu orientkren versuchen, um der „Schmach des 19. Jahrhunderts" nachdrücklich begegnen zu können. Das ermuthigt uns nicht nur selbst auch für uns einznstehen bet einem scheinbar aussichtslosen Kampfe, der seit anderthalb Jahrzehnten an Jntensivnät nur zugenommen, sondern dies läßt in uns auch keine Erbitterung aufkommen, gibt uns die nölhize Ruhe und Klarheit, um uns nicht zu unüberlegten Schritten Hinreißen zu lassen. Aber bet vielen dieser edlen, vornehmen Männer finden wir etwas, was wohl zu entschuldigen, aber doch eine volle Verkennung der Thatsache ist, wodurch ihre Vertheivtgung des Judenrhums und der Juden bei einem großen Theil der Juden nicht den Beifall finden kann, welchen sie andernfalls mit Recht verdiente. Wir meinen nämlich den uns allseitig ertheilten „guten Rath", unsere Abgeschlossenheit aufzugeben. So ist namentlich bet der Verhandlung in der Ersten Badischen Kammer am 3. Februar dieser Rath von mehreren hochgestellten Herren, welche gegen die Petition des deutschsoeialen Vereins in Mannheim Stellung nahmen, auf den Vorwurf der Antisemiten, daß die Juden in ihrer Abgeschloffenbeit verharren, und als Beispiel die Heiligung des Sabbat an einem andern Tag, als dem Ruhetag der christlichen Mehrheit anführten, der Wunsch ausgesprochen worden, die Juden möchten doch nur mehr Entgegenkommen zeigen, dadurch würde das Verhältniß der verschiedenen Bevölkerungsklaffen ein besseres sein, ohne daß darunter die jüdische Religion zu leiden habe. So drückte auch ein anderer V'rtheidiger des Judenthums sich aus, daß er „für Verlegung der Sabbatfeier auf den Sonntag und Abschaffung der Speisegesetze" sei. „Eine Verschmelzung des Judenthums m t dem Deutschthum werde gerade durch den Antisemitismus erschwert." Wie gesagt, zu entschuldigen ist diese Ansicht, dieser gute Rath, weil er einer gewiß guten Absicht entspringt, uns den Angriffen der Antisemiten, wie sich jene Herren denken, ein für allemal zu entziehen. Auch das ist nicht so ausgemacht. Denn wenn wir dabei doch Juden bleiben, wenn die jüdische Religion, nach der Ansicht des Einen, doch nicht darunter leidet und demnach fortlnstehr, dann verharrten wir ja doch immer noch in einer Abgeschlossenheit, die man ja allseitig als eine, ich will Mich milde ausdrücken, unberechtigte betrachtet. Wir wollen einmal diesen Männern, die es ja gut meinen, aber aus Unkenntniß des Judcnthums und irregeführt durch sogenannte „gebildete" Juden, sich diese ihre Ansicht gebildet haben, entgegenhalten: Setzen w*r den Fall, die Türken stellten an die Christen des türkischen Reiches das Ansinnen, ihre „Abgeschlossenheit" aufzugeben und den Freitag, den türkischen Sabbat, zu feiern und kein Schweinefleisch zu essen, keinen Wein zu trinken rc., wenn sie Anspruch erheben

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.