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Der Israelit · 1894-02-19 · Heft 15 (19.2.1894) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 15 (19.2.1894)
Date
1894-02-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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m WWW!WWWWWW>.>^, ' »-* 1#*. «-jP»i.^ J 265 Marmscripte, kostbareSchätze jüdi sch-liturgtscken Gesanges, fertig abgeschlossen in schönster Vollkommenheit hinterlassen hat. Als Musiklehrer an der jüdischen Lehrerbildungsanstalt hat der Heimgegangene mit der Freudigkeit des Meisters bis am Abend seines mühevollen Lebens gewirkt. Allein gegen 300 in hervorragenden Stellungen wirksame Cantorcn verdanken ihm ihre vollständige musikalische Ausbildung. In seiner Kunst war er zugleich für das Kindesalter schöpferisch. Zahlreiche Schüler und Schülerinnen, denen er als Lehrer der Knaben- und Mädchenschule der jüdischen Gemeinde die Sangeslust geweckt, den ästhetischen Sinn gebildet und das Gemüth veredelt hat, bewahren dem unvergleichlichen Lehrer ein unverlöschliches Andenken. Lewandowski zeigte sich stets als begeisterter Jude. Wo es galt nach außen, wie nach innen das Judenthum zu fördern und zu vertheidigen, stand er mit Rath und That in erster Reihe. Und er blieb dem Glauben seiner Väter in unwandelbarer Treue ergeben, bis an sein Lebensende. Er war ein geistvoller, um seines unverwüstlichen Temperaments und seines echt männlichen Freimuthes wegen gleich hochgeschätzter Mensch. Wer je mit ihm in Berührung gekommen, der hatte vom ersten Augenblick an das erhebende Bewußtsein, einer groß angelegten, eigenartigen Persönlichkeit gegenüber zu stehen. Der sittliche Ernst, der sich als die Seele seiner ganzen Thättgkeit herausstellte, war nicht jener griesgrämige schroffe Tugendstolz, der uns so oft begegnet; er war die heitere freie Macht seines Geistes. Noch kurz vor seinem Tode begann Lewandowski die reichen Erfahrungen, die ihn seme glückliche Laufbahn und seine vielseitigen Beziehungen zu hervorragenden Zeitgenossen sammeln ließen, zu dauernder Erinnerung ntederzuschreiben. Mancher fesselnde Zug aus dem Leben bekannter Geistesgrößen, manche charakteristische Episode zur Zeitgeschichte der angesehensten und einflußreichsten Gemeinden in Israel ist damit der Vergessenheit entrissen worden. Nunmehr ist er von uns gegangen. Der Gedanke, was uns mit ihm entrissen wurde, beugt uns um so gewisser zu Boden, als der Gedanke, was uns übrig geblieben ist, leider keine aufrichtmde Kraft hat. Die Geschichte wird die hohen Verdienste Lewandowski's, mit dessen Leistungen ei e neue Aera jüdisch-liturgischer Musik aufgegangen ist, sorgfältig den späteren Geschlechtern überliefern. S. Exin er. Berlin, 17. Febr. Der „Bund der Landwirthe" hat heute seine Generalversammlung hier abgehalten. Ihrer äußeren Erscheinung nach war die Mehrzahl der Erschienenen wirkliche Landwirthe; die Großgrundbesitzer traten mehr zurück und auch die Betheiligung der Berliner Antisemiten machte sich nicht so stark bemerkbar. Abgeordnete der konservativen und antisemitischen Parthei waren in nicht großer Zahl vertreten. Gar oft im Laufe der vierstündigen Versammlung war Gelegenheit geboten, sich an dem elementaren Ausbruch agrarischer Begeisterung zu erfreuen, denn jedes Kraftwort, das aus dem Munde der Redner gegen den Reichskanzler Grafen Coprivi und seine Politik, sowie gegen die Juden fiel, fand ein donnerndes Echo. Die eigentlichen Verhandlungen eröffnete Herr Rösike mit einem Vortraae über die vorgenommenen Statutenänderungen. Welcher Art sie waren, ging aus dem Vortrag nicht hervor, zur Abstimmung gelangte nur der Antrag, wonach nur Angehörige einer christlichen Konfession Mitglieder des Bundes sein dürfen. Der Antrag fand stürmischen Beifall. Herr Hahn erhielt das Wort zu einem Vortrage über die Thätigkeit und Reform der Börse. Dieselbe kam dabei selbstverständlich übel weg und nicht minder die Juden und die verjudete Preffe. „Schlägst du meinen „Bund der Landwirthe", „so hau' ich deine Börse und Juden," so rief er in die ihm zujubelnde Versammlung hinein und leerte im Bewußtsein seiner ganzen Würde unter dem lauten Bravo der Zuhörer ein Glas schäumenden Bieres mit kräftigem Zuge. Berlin, 13. Febr. Gegen die den Kaufleuten Samuel und Emil Schmul in Schneidemühl erlhetlte Genehmigung zur Führung des Namens Götze beabsichtigen die Herren Dr. med. Rudolf Götze in Würzburg, Göthestraße 10, Buchhändler Hugo Göze in Stuttgart, Rothebühlstr. 17. Kaufmann Gottfried Göze in Hamburg und Kaufmann Emil Götze in Dresden, sich in einer Eingabe an den Kaiser zu wenden. In einem Rundschreiben werden, der „Täglichen Rundschau" zufolge, sämmtliche Träger der Namen Goetze, Götze, Götz, Goeze, Goez u. s. w. gebeten, sich zur Unterschrift bei einem der Genannten zu melden. In der Eingabe, worin zunächst Klage darüber geführt wird, daß frühere Eingaben an den Regierungspräsidenten und den Minister keine genügend erscheinende Begründung der Maßregel zur Folge gehabt hätten, wird darauf hingemiesen, daß gerade die Angehörigen des jüdischen Volkes von jeher die auffällige Neigung gezeigt haben, ihre Herkunft durch Ablegung oder Verhüllung besonders ihrer ursprünglichen hebräischen Vor- und Zunamen zu verbergen.*) Zum Schluß wird dann an den Kaiser die Bitte gerichtet, daß die den Herren Schmul gewährte Erlaubniß, den Namen Götze zu führen, zurückgezogen und ihnen auferlegt werde, entweder bei ihrem alten Namen *) Wenn dies wahr wäre, gäbe eß heute wohl kaum noch „SchmulS'. Red. d. ,JSr."

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