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Der Israelit · 1894-02-19 · Heft 15 (19.2.1894) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 15 (19.2.1894)
Date
1894-02-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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'■'* >k-1.1:4.4J. Ei4' 'DWWWM!SWWWW 264 das Glück, sich dem Thorastudium zu widmen, in seinem Amte jedoch war es ihm vergönnt, hochbedeutende Gesctzeslehrer, wie Rabbi Jacob Levt, Rabbi Samuel Bondi, Rabbi M/ir L hmann y'ir zu Vorgesetzten zu haben und in regem Verkehr mir ihnen zu leben. Welchen Schatz von Kenntnissen in Bezug auf o»n für die verschiedenartigsten Verhältnisse des Lebens der Entschlafene sich hierdurch angeeignet hatte, war ganz erstaunlich. „So hat es Rabbi Schmul gemach!", „so hat es Dr. Lehmann gethan" waren seine ständigen Redensarten. In feiner tiesergreifenden, meisterhaften Trauerrede schilderte ihn unser verehrter Herr Rabbiner Dr. Bondi »m als einen lro^oa thd t^’w, als einen pflichttreuen, rastlosen Arbeiter in Bezug auf n*jiyn. Den in der Halle des Friedhofes dicht gedrängt stehenden Leidtragenden sah man es an, daß die Lobesworte des Redners ihnen Allen aus der Seele gesprochen waren. Ein weiteres überaus ehrendes Zeugnlß für den Dahingegangenen giebt der schöne Nachruf, den der Vorstand unserer Reltgionsgesellschaft in den hiesigen Tagesblättern ihm widmete. Derselbe lautet: An der Nacht zum 13. Februar wurde Herr Moses Marx durch den Tod seiner rastlosen, gesegneten Thätigkeit entrückt. 38 Jahre hindurch diente er mit seltenem Pflichteifer und bewundernswerther Arbeitskraft unserer Religions- Gesellschaft als Kultusbeamter. Sein Verlust bedeutet für uns eine schmerzliche Lücke, die schwer auszufüllen sein wird. Umlunserem Dankgefühl zu genügen, drängt es uns dies hier öffentlich auszusprechen. Sein Andenken wird uns unvergeßlich sein. Ja es ist eine Lücke, die schwer auszufüllen sein wird. Wie innig verwachsen Herr Marx mit unserer Religionsgesellschaft war, wie er das Interesse der Gesellschaft ganz zu dem seinigen gemacht hat, das können nur die beurtheilen, die ihn in seiner Amtsrhätigkeit gesehen und denen jetzt der treue Beamte allenthalben fehlt. In wetteren Kreisen war der Heimgegangene durch seine in Bezug auf Kaschruth musterhaft geleitete Restauration bekannt und beliebt. .rrasjn Berlin, 14. Februar. Ein schwerer Verlust hat unsere Glaubensgemeinde durch den Tod deS Königlichen Musikdirektors Herrn Professor Lewandowski betroffen. Mit diesem ungewöhnlich veranlagten Manne ist ein Meister der Tonkunst von uns geschieden, dem die Bedeutung einer kulturhistorischen Erscheinung zuerkannt werden muß. Zweiundfünfzig Jahre lang hat er sich im Dienste der hiesigen jüdischen Gemeinde unter Anspannung aller geistigen Kräfte gemüht, getragen von der Bewunderung und innigsten Sympathie seiner Glaubensgenossen, allverehrt von seinen Berufscollegen, aufrichtig geliebt von der Legion seiner Freunde und einer stattlichen Anzahl von Schülergeschlechtern. Nunmehr ist dieses Leben harmonisch zu Ende gegangen. Es war reich an Mühe und Arbeit, aber auch reich an Segen und Erfolgen, ein Lebensgang voll Lebenslust und Lebensfreude. Eine ausführlich abwägende Darlegung seines Wirkens könnte nur in einer weitausgedehnten Biographie geboten werden. Hier sollen nur die Hauptzüge dieses vielgestaltigen Schaffens gegeben werden. Lewandowski war der Reformator und Schöpfer des modernen Synagogengesanges. Mit Treue und Hingebung hat er mehr als ein halbes Jahrhundert in stetig fruchtbarer Arbeit die Veredlung und ästhetische Gestaltung unseres Gottesdienstes gefördert. Die altehrwürdigen traditionellen Tempelweisen hatten im Laufe der Jahrhunderte durch die mündliche Ueberlieferunggeschmacklose Veränderungen und Verzerrungen erdulden müssen. Sie waren bis zur Unkenntlichkeit entstellt und dem inneren Verständniß der Synagogenbesucher entfremdet. Damit erlitt zugleich der gottesdienstliche Zweck selber bedeutende Einbuße; das religiöse Gefühl war nicht weniger wie die Würde der Kunst verletzt und mit dem veredelnden Einflüsse, den die Musik auf das Gemüth üben sollte, schwanden Ordnung, Dtsc-pltn und zuweilen selbst die Andacht aus vielen Synagogen. Lewandowski gebührt das unsterbliche Verdienst, die Entwirrung und Neuschöpfung der synagogalen Musik erfolgreich durchgeführt zu haben. Sein Lol Rinnah und Todah W’simrah fanden daher schnellen Eingang in die alte wie in die neue Welt. In den Synagogen beider Hemisphären erklangen seine Touschöpfungen in edler Einfachheit und hoheitsvoller Schönheit, ergreifend wahr, tief religiös und in erhabener Kraft gesungen. Denn er verstand es, das eigenthümliche Wesen des heiligen Zionsliedes mit den Errungenschaften der modernen Kunst zu vereinen; er erfaßte den heiligen Text nach seiner ganzen Tiefe und die technische Kunst des Meisters verlieh dann dem Gedanken in seiner idealen Reinheit die Weihe des Religiösen in stets neu anmuthendem musikalischen Gewände. Nicht nur die gesammte Liturgie des Jahres hat er in solcher Weise mit seinen Compositionen ausgestattet; auch bei den wechselnden Lcbenseretgnissen begleiten seine Klänge unsere Andacht; öffentlichen, wie häuslichen Festen gibt seine Musik die Weihe. Bet der kritisch behutsamen Art seines Schaffens, bei seiner künstlerischen Gewissensstrenge, die sich nie genug thun konnte und noch immer Lücken und Unferligkeiten im eigenen Wcrke zu finden bemüht war, kann es mcht verwundern. daß er zahlreiche

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