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Der Israelit · 1894-02-19 · Heft 15 (19.2.1894) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 15 (19.2.1894)
Date
1894-02-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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262 Sie sprangen auf und gingen dem eben' eingetretenen jungen Manne entgegen. Feodora streckte ihm die Hand entgegen, der Herr aber nahm ste nicht. „Ich bin nur auf einen Augenblick hierhergekommen", sagte er, „um Ihnen mitzuthetlen, mein Fräulein, daß von einer Verbindung zwischen uns Beiden niemals die Rede sein kann. Ich hätte Ihnen dies erst in einigen Tagen geschrieben, wenn nicht die Botschaft, die mir Ihre Gesellschafterin überbrachte, mich veranlaßt hätte hierher zu fahren, um Ihnen persönlich dies alles kund zu geben. Sie werden erkennen, daß ich noch sehr liebevoll gegen Sie handele, wenn ich verhindere, daß Ste einen thörichten Stretch gegen Ihre Eltern begehen; empfangen Sie also die Versicherung, daß ein Graf Plauen wohl mit einer Jüdin tändeln kann, sich aber niemals so weit herablassen wird, dieselbe zu seinem Weibe zu erheben. Leben Sie wohl, mein Fräulein, ich verlasse schon Morgen früh Frankfurt, um Ihnen nicht weiter lästig zu fallen." Er verbeugte sich kühl und mit spöttischemLächeln. Es that ihm wohl, wenigstens an der Tochter einen Thetl des Haffes auszulaffen, den er gegen den Vater hatte. Nachdem er die niederschmetternden Worte zu ihr gesagt, verließ er mit schnellem Schritt den Saal. Feodora stand da, wie im Traume befangen; ohne einen Laut von sich zu geben, faßte sie nach dem Arm ihrer Gesellschafterin und diese führte ste hinauf in das den beiden Damen angewiesene Zimmer. Erst dort brach der ungeheure Schmerz des jungen Mädchens in einer Fluth von Thränen und Jammerrufen aus. Ste, der von Kindheit auf alles zu Füßen gelegen, der jeder geschmeichelt hatte, für die jeder nur freundliche Redensarten, Komplimente und Liebenswürdigkeiten zu besitzen schien, sie mußte eine solche ungeheure Täuschung erfahren. Auch Fräulein Pinne hatte kein tröstliches Wort. Ein solches Benehmen, wie der Graf es an den Tag gelegt, ging ihr über alle Möglichkeit des Begreifens; stumm vor sich htnbrütend, saß ste da, und jetzt erst kam es ihr zu Bewußtsein, welche Thorheit ste begangen hatte. Früher hatte ste darauf gerechnet, daß ste im Hause des Grafen und Feodoras ein lauschiges Plätzchen staden würde, auf dem ste es sich wohl sein lassen könnte. Jetzt war diese Hoffnung geschwunden und jetzt überkam eS ste sehr schwer, daß ste nun ihre Position in dem Hause des Banqaiers verscherzt hatte, und daß sie wieder hinausgeftoßen war in das grausame Leben. Aber auch Feodora dachte an die Zukunft. Sie hatte den Grafen niemals ernstlich geliebt; sein Titel war es und seine Manieren, die ste für ihn eingenommen, sie hatte sich glücklich gefühlt in dem Gedanken, dereinst eine Gräfin zu werden; für den Mann selbst aber empfand sie nicht tief. So war denn ihr Schmerz weniger der, der zurückgewiesenen Liebe, als der verletzten Eitelkeit und bald konnte ste daran denken, was denn nun aus ihr werden sollte. (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Freitag, 23. Februar, 17. Adar I. Sabbat-Anfang in Mainz 5 Uhr 45 Min. (11. E. E.) 24. Februar, 18. Adar I. neti Sabbat-Ausgang in Mainz 6 Uhr 40 Min. (M. E. Z.) Der „3 8 r ö e U t'- erscheint wöchentlich zweimal, MoutagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel;« bestehe» bei C. F. Kteinacker, Leipstg, Noßplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Fraucozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 ReichS-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redaetion eingesandte« Maunscripte« findet nicht statt, man bittet deshalb fich von alle« Einsendungen eine Copie zurückzubehalten. Inhalt (Hanptblatt): Leitender Artikel: Arische SiammeSvorzüge und Semitische Racenfehler. Von Rabbiner Heinrich Galandauer in Soborlen (Böhmen). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. St. Pölten. — Rußland: Petersburg. — Amerika: New--2)ork. — Vermischtes. — Feuilleton: Im Wahne deS Glücks (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Sprechsaal. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Breslau. Zanten. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaktion: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition deS „Israelit", Schottstrahe Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu zwei Beilage«.

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