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Der Israelit · 1894-02-19 · Heft 15 (19.2.1894) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 15 (19.2.1894)
Date
1894-02-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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260 griffen; die Ausgaben beliefen sich auf Doll. 2612, wozu die „United Hebrew Charities" Doll. 1500 beitrugen. Die Gesellschaft zählt jetzt ungefähr 250 Mitglieder. Die herrschende Arbeitslosigkeit mit der weit verbreiteten Armutb und Brodlosigkeit hat seitens der Beamten und Vorsteher der jüdischen Wohlthättgkeits-Jnstitute zu den äußersten Anstrengungen geführt, um nur einigermaßen der ärgsten Noth zu steuern. Die „United Hebrew Charities" werden natürlich am meisten in Anspruch genommen, so daß die Kaffen dieser Gesellschaft geleert sind, während die freiwilligen Beiträge spärlicher als je fließen, da der Mittelstand, welcher immer die Hauptstütze aller mildthätigen Institute bildet, mit am schwersten von dem Darniederliegen der Industrie betroffen ist. Bei einer im Laufe der vergangenen Woche abgehaltenen Versammlung, welcher die Vorneher sämmtlicher öffentlichen Anstalten und die Präsidenten zahlreicher Gemeinden beiwohnten, wurde beschlossen, eine bedeutende Summe aufzubringen, und es wurden zu diesem Zwecke Kommttes ernannt, die verschiedenen Geschäftsbräuchen vertretend, welche die nöthigen Subskriptionen veranlassen sollen. > Vermischtes. Amsterdam, 3. Febr. Am 27. Januar hatte der bekannte Maler Josef Israels im Haag sein 70. Lebensjahr vollendet. Großartige Vorbeitungen waren seitens seiner Kollegen und seiner Verehrer getroffen worden, um eine der hohen Bedeutung des Jubilars entsprechende Feier zu veranstalten, als der wenige Tage vor seinem Geburtsfest erfolgte plötzliche Tod seiner Gattin dem Festjubel Schweigen auferlegte. Dennoch aber wurden ihm an diesem Tage Huldigungen dargebracht, wie sie hier zu Lande wohl schwerlich jemals ein Künstler empfangen hat. Einer Einladung des Kanstlervcreins aus dem Haag folgend hatten auch auswärtige Künstler und Bewunderer dem Jubilar ihre Glückwünsche gesindt; von den deutschen mögen hier nur Menzel, Gabriel Max, Defregger und Uhde genannt werden, während sich auch Männer wie Zola, Rubinstein und Verdi der Reihe der Gratulirenden anschloffen. Israels ist am 27. Januar 1824 in Groningen geboren, studirte zuerst an der Akademie in Amsterdam, dann 1846 bis 1847 in Paris, ließ sich dann in Amsterdam nieder und siedelte 1874 nach der Residenzstadt Haag über. Zuerst trat er als Historienmaler auf, und sein Erstlingswerk „Aaron mit seinen Söhnen Elesar und Jthamar im Allerheiligsten", wie verschiedene Darstellungen aus der niederländischen Geschichte fanden eine günstige Aufnahme. Aber bald wandte er sich einem ganz anderen Gebiete zu, er fand im Leben und Treiben der Fischerbevölkerung der holländischen Küste den unerschöpflichen Stoff, deffen Darstellung den Inhalt seiner künstlerischen Thätigkeit erfüllte. Seine bekann-esten Gemälde sind: „Erste Liebe", „Die kleine Strickerin", Häusliches Leid", „Die Wi-'ge", „Der Schiffbrüchige" (die beiden letzteren wurden 1862 in London ausgestellt und begründeten den Ruf des Künstlers im Ausland), „Der Tag vor dem Scheiden", „Pom Dunkel zum Licht", „DaS genesende Kind", „Zukunft", „Müllers Hilfe" „Die Rähschule", „Ein holländisches HauSmütterchen", „Gebet vor dem Mittagessen", „Hauswarts", „Die Kuchenbäckerei", „Das Blümchen", „Netzflickende Frauen", „Die Armen des Dorfes", „Die Schusterfamilie", „Die Spieler", „Allein auf der Welt". Am ergreifendsten sind seine Darstellungen, wenn er uns in die Fischerbütten führt, in denen Krankheit oder Tod eingekehrt sind, oder wenn er Svenen malt, bei denen Kinder ei»e Rolle spielen. Man weiß, daß es Israels ist, der die jüngere holländische Schule im Ausland zu Ehre und Geltung gebracht hat, die, was Meisterschaft im Kolorit betrifft, auf sehr hoher, wenn nicht unbetroffener Stufe, steht. Wie sehr Israels es verstanden hat, in der Seele dieser Schichten der unteren Volksklaffe zu lesen, und wie vollkommen und ungezwungen er den häufig unschönen Realismus mit einer packenden poetischen und idealen Auffassung zu durchdringen wußte, beweisen vor Allem die ungemein zahlreichen Vervielfältigungen seiner Schöpfungen durch Stahlstiche oder Radirungen, die ihren Weg in alle Klassen der Gesellschaft gefunden haben. Nach der bisherigen Thätigkeit und Schaffensfreudigkeit des Meisters darf man hoffen, daß die Kunst seinem Pinsel noch manche herrliche Schöpfung zu verdanken haben wird. Feuilleton. Im Wahne des Glücks. (15. Fortsetzung.) „Das Gesetz gibt Ihnen gar keine Mittel in Händen, mich vier fest zu halten", entgegnete der Graf, der vollständig in die Falle gegangen war, die ihm der kluge Geschäftsmann gelegt hatte. „Sie irren, Herr Graf, allerdings durch Ihr Heirathsverlprechen wird es mir nicht möglich sein, Sie hier fest zu halten, aber Sie erinnern sich villleicht, daß Sie während einer Reihe von Monaten in dem Hotel, das Ihrer Wohnung gegenüber liegt, sehr oft und sehr theuer gespeist haben, denn der Herr Graf schonten den Champagner nicht, ist dem so?" „Was wollen Sie damit sagen?" stteß Graf Plauen hervor. „Nun, vielleicht dürfte Ihnen der Begriff „Zechprellerei" bekannt flin und es Ihnen nun begreifllch erscheinen, auf welche Weise ich Sie hier festzuhalten gedenke." „Mir wollen Sie dies thun?" brachte der Graf mühsam heraus; er hatte vollstä ldig seine Ruhe und Besonnenheit verloren, er zappelte wie ohnmächtig in dem Netze, in das ihn der Bang iter verstrickt. „Aber ich will Ihnen einen Vorschlag machen, Herr Graf. Sie heiralhen innerhalb acht Tagen meine Tochter und ich will die paar hundert Mark, die Sie hier schulden, gerne bezahlen." „Warum Sie nur Ihre Tochter durchaus an mich wegwerfen wollen," höhnte der junge Mann, „geben Sie mir das Geld und seien Sie glücklich, wenn ich mich nicht mehr um die Hand Ihres Kindes bewerbe."

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