Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-02-15 · Heft 14 (15.2.1894) · page 33

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 14 (15.2.1894)
Date
1894-02-15
Page
– (sequence 33)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448425--38002-2486092
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

WWMWWDWWMWWWWM 55 man nennt sie kolkas. Dieselben kommen wahrscheinlich von Syrien, eine sonderbare Frucht von fadem Geschmack, die indessen an Fasttagen doch manchmal Aushilfe leisten muss. An getrockneten Feigen und Trauben ist grosser Vorrath; erstere kommen vom Gebirge Ephraim, letztere von Hebron; diese heissen die Araber sbib1 jene kotten. Die unter dem Namen aschui bekannten eingemachten Datteln, die im ganzen Orient verbreitet sind, kommen von Bagdad. Dibs oder Traubenzucker liefert Hebron; ebendaher kommt auch ein Melbel genanntes Ding; wenn ich nicht irre, bereitet man dasselbe, indem man dibs mit Mehl vermischt abkocht, eine spröde Frucht darin streut, deren Namen mir unbekannt ist, und dann den Brei ausbreitet und trocknen lässt. Aehnlicher Art ist der aus Aprikosen und Mehl erzeugte kamardin, der von Damaskus kommt; derselbe hat rothe Farbe und lässt sich zusammen wickeln wie Leder. Eine halane genannte süsse Speise kommt von Beirut; von deren Zubereitun g habe ich jedoch gar keine Idee. In Jerusalem bereitet man auch dergleichen, aber geringerer Qualität. Wer Granatäpfel, arabisch rumman genannt, wünscht, kann sich dergleichen hier auch im Januar verschaffen, sogar Aepfel sind noch vorräthig, allerdings schlechte Waare; die Araber nennen sie tufach. Wer etwas Pikantes wünscht, kann sich grünen Pfeffer kaufen, süssen und bitteren, erhält aber nur schlechte Waare, denn seine Zeit ist vorüber. Die Araber nennen ihn filfil. Liebhaber von Leckerbissen können sich im Januar auch wilden Spargel kaufen, der in den Cactus-Hecken wächst und arabisch hcilajon heisst. An Grünzeug und Früchten und dergleichen fehlt es demnach in Gaza auch im Januar nicht, abgesehen von den eigentlichen Lebensmitteln, welche bei keiner Jahreszeit fehlen. Man kann demnach in Gaza schon leben, und zwar sehr billig, weshalb der Bettel in dieser Stadt nicht gedeihen will. Die Bettler von Profession kann man an den Fingern zählen in einer Stadt von 2 0,00 0 Einwohnern. Darum giebt es hier weder bei den Christen noch bei den Mohammedanern eine eigentliche Armenpflege. Wer im Januar etwa Blumen wünscht, kann hier sich solche in den Blüthen eines Zwiebelgewächses verschaffen, welches die Araber rundsches nennen. Auch die blauen Veilchen blühen um diese Zeit schon. Die Vegetation von Jaffa hält mit der von Gaza fast gleichen Schritt, während die Vegetation von Jerusa- 1 e m fast einen ganzen Monat dagegen im Rückstände ist, und zwar das ganze Jahr hindurch. So stehen z. B. die Mandelbäume in Gaza Ende Januar in voller Blüthe, was in Jer usalem erst Ende Februar der Fall ist. Alliance Israelite Universelle. Elementarschulen and Lehrlingswerk. Veränderungen. Mit Beginn des neuen Schuljahres haben ziemlich zahlreiche Veränderungen bei dem Lehrerpersonal der Alliance- Schulen stattgefunden. Als Ausgangspunkt ist die Demission des Herrn D. Cazes, des ausgezeichneten Directors der Schule zu Tunis, zu bezeichnen. Herr Cazös ist neben Herrn Samuel Hirsch, ehemaligem Director der Ackerbauschule zu Jaffa, mit der Leitung der Ackerbau - Kolonien betraut worden, die Herr Baron von Hirsch in der argentinischen Republik gegründet hat. Herr Cazes wird sehr vermisst werden wegen der grossen Dienste, die er dem Werke der Alliance geleistet, sowie durch die bedeutende Stellung, die er sich in Tunesien zu verschaffen gewusst hat. Indessen wird er Gelegenheit finden, sich dem Judenthume nützlich zu erweisen, durch die wichtige Mission, die ihm anvertraut worden; das von Herrn Baron Hirsch zu Gunsten der russischen Juden unternommene Werk wird von allen Glaubensgenossen mit warmer und sympathischer Aufmerksamkeit verfolgt. Herr Cazes ist durch Herrn 8. Pariente, Director der Schule zu Smyrna, ersetzt worden; Herr G. Arie, Director der Schule zu Sofia, kommt au Stelle des Herrn Pariente in Smyrna Bassorah. Vor mehreren Jahren wurde in dieser Stadt eine Schule gegründet, der das Central-Comite wiederholt Subventionen gewährt hat. Als Herr Joseph Danon, ehemaliger Director der Schule zu Susa, an der Schule von Bagdad ernannt, auf dem Wege dorthin in Bassorah Aufenthalt nehmen musste, benutzte er diese Gelegenheit, um die Schule der Gemeinde zu besuchen. Er richtete einen eingehenden Bericht über diese Anstalt an das Central-Comite, und folgen anbei einige Auszüge daraus: Das Central-Comite beauftragte mich, die Schule von Bassorah bei meiner Durchreise aufzusuchen; ehe ich Ihnen von dieser Anstalt spreche, gestatten Sie mir wohl, Einiges über die Gemeinde selbst zu sagen. Dieselbe besteht erst seit wenigen Jahren, da früher die Israeliten in Bassorah nur wenig zahlreich waren. Allmählich liess sich eine ziemlich grosse Anzahl unserer Glaubensgenossen aus Bagdad in Bassorah nieder; es waren zumeist junge Leute mit liberalen Ideen und Anhänger des Fortschritts. Man darf aber nicht glauben, dass diese jungen Leute aus diesem Lande sind; die meisten derselben stammen aus unserer Schule zu Bagdad, und da unsere ehemaligen Schüler leider nichts in Bagdad selbst durchsetzen können, so ent-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.