Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 14 (15.2.1894)
- Date
- 1894-02-15
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
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56 gegengesetzt i»t die Richtung ihres Kreises und so stark die zu überwältigenden Widersetzlichkeiten, so versuchen sie es mit Glück in den Städten, wo sie sich niederlassen. Geberall dringt der Einfluss der Schule nur langsam durch, aber überall trägt er Früchte, und kein Samenkorn geht verloren. Das Samenkorn keimt und entwickelt sich, aber inmitten der Dunkelheit ist es nicht gleich zu bemerken. Dennoch ist es dieses Samenkorn, was seinen Weg macht und das einstmals die Dunkelheit durchbrechen wird. Die junge israelitische Behörde von Bassorah beschäftigte sich zuvörderst mit den zahlreichen Kindern, die in den Strassen umherlungerten und wie die Wilden autwuchsen. Sie hatte nicht einen Augenblick die Absicht, sie in eine jener Spelunken von Unterrichtsanstalten zu sperren, die noch die Schmach einiger Gemeinden im Orient sind; sie dachte gleich daran, eine Schule zu gründen, und brachte wenn man die Bedeutung der Gemeinde Bassorah berücksichtigt (1000 Seelen), riesige, Opfer um dieses Ziel zu erreichen. Es gehörten einige Grundstücke zur Synagoge; der Ertrag dieser Grundstücke wurde für die Schule verwendet. Das koschere Fleisch wurde besteuert. Obwohl auch diese Mittel durch die Entwickelung der Schule ungenügend wurden, Hess sich das Comitö nicht zurückschrecken. Es suchte nach neuen Quellen. Wenn die eingefügten Steuern auch ein wenig an das Mittelalter erinnern, so zeigen sie andererseits wiederum, wie gross das Interesse ist, welches die israelitische Gemeinde von Bassorah für ihre Schule hegt. Man setzte eine 12% Steuer auf die Mitgaben bei Eheschliessungen, 10% auf die Curtagen der israelitischen Kaufleute; da jedoch auch diese Steuern die Einnahmen nicht wesentlich erhöhten, wandte man sich an die reichsten Mitglieder der Gemeinde, von denen ein jeder sich zu einer bestimmten jährlichen Summe verpflichtete. Diese Anstrengungen verdienen unterstützt zu werden. Sie sind ja selbst dieser Ansicht, da die Alliance diese Schule beschützt und ihr bereits Subventionen gewährt hat. Die Schule ist untergebracht in einem grossen Lokal von baufälligem Aeusseren, wie übrigens alle Häuser dieser Gegend. Dasselbe besteht aus einer Etage und dem Unterbau, der hier Serdab genannt wird, und in den man sich während der brennenden Hitze des Sommers rettet. Ich stattete des Morgens der Schule meinen Besuch ab. Dieselbe zählt 130 Kinder, worunter 50 zahlende, indessen waren nur 80 zugegen; die Cholera, die zur Zeit in der Stadt herrschte, hatte die übrigen fern gehalten. Die Schüler, die auf Bänken sassen, waren alle sauber und ordentlich gekleidet; sie sahen intelligent und disciplinirt aus. Alle diese Kinder, die vor wenigen Jahren noch auf der Strasse herumliefen, lernen heute Englisch, Hebräisch, Türkisch und Arabisch. Ihre Lehrer, der Lehrer der englischen Sprache und die Rabbinen, die ich beschäftigt fand, geben sich viel Mühe, um sie gründlich zu unterrichten. Sie sind voller Eifer und haben guten Willen. Doch muss ich Sie auf eine grosse Lücke aufmerksam machen, die sich täglich erweitert und die, wenn nicht Abhilfe geschaffen wird, die Lage der Schule gefährden muss. Es ist dort kein Director, der auf Alle durch seinen Einfluss und seine Energie wirkt, der eine Methode durchführt, der sich alle seine Untergebenen anpassen müssen. Die Lehrer sind unabhängig von einander; sie halten gewissenhaft ihren eigenen Unterricht ab, kümmern sich aber um nichts Anderes und wollen es auch nicht thun, da sie sich keine Verantwortlichkeit aufladen wollen. Dies ist vielleicht auch der Grund, weshalb die augenblickliche Entwickelung der Schule zu wünschen übrig lässt. Bei der ersten Gelegenheit kann ein Missverständnis unter den Lehrern entstehen, und es ist kein Mensch da, um die Dinge in Ordnung zu bringen. Vor allen Dingen wäre ein aus einer Normalschule hervorgegaugener Director nöthig, der die Schule organisirt und im Programm die nöthigen Verbesserungen einführte; aber wo findet sich dieser Director? Es ist nicht wahrscheinlich, dass er sich in hiesiger Gegend findet. Er wird aus Europa beschafft werden müssen, wozu wieder grosse Opfer erforderlich sein werden. Die Frage verdient vom Central-Comite erwogen zu werden. Sofia. Auf Ansuchen des Vorstehers der jüdischen Gemeinde hat die Regierung beschlossen, die höheren Klassen der israelitischen Schulen zu Sofia mit den bulgarischen Schulen zu verschmelzen; da infolge dessen das Personal der Alliance in Sofia überflüssig wird, hat das Central-Comitfc den Lehrern in jener Stadt eine andere Thätigkeit angewiesen. An die wohllöbl. Vorstände der israelitischen Cnltnsgemeindenl Ist der Nothstand unserer Bruder im heiligen Lande das ganze Jahr hindurch ein sehr beklagenswerther, so steigert sich derselbe noch bedeutend beim Herannahen des Pessach-Festes« lim Veranstalten von besonderen Sammlungen zum Beschaffen von niSD und anderer Lebensmittel zur unnn p für dieNothleidenden im Lande der Väter bittet darum innigst Dr. A. Salvendi. Druck der Joh. Wirt h’schen Hotbachdruckerei, Aetien-Qesellsch&ft, Hains.