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Der Israelit · 1894-02-15 · Heft 14 (15.2.1894) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 14 (15.2.1894)
Date
1894-02-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXV. Jahrgang. Erste Beilage iu M 14 des „Israelis". Leitender Artikel. Arische Stammesvorzüge und Semitische Racenfehler. Von Rabbiner Heinrich Gtalandauer in Soborten (Böhmen). (Fortsetzung aus Nr. 13.) Wie sehr jede Ueberhetung, jeder Dünkel und jede Selbstüberschätzung selbst bei den Größten und Gelehrtesten als verwerfliches Laster im Talmud gilt, beweist folgende Erzählung: Der Gelehrte Elieser ben Schimeon, als er von der talmudischen Hochschule zurückkehrte, ritt vor einem fremden Mann vorbei, der durch seine ungewöhnliche Häßlichkeit ausfiel. Dieser grüßte höflich. Der junge Rabbi aber in seinem stolzen Selbstbewußtsein achtete nicht darauf, sondern rief überrascht aus: „Welche Häßlichkeit! Sind vielleicht alle deine Ortsbewohner so häßlich wie du?!" Der so gekränkte Mann antwortete: „Was kann ich da für? Meinen Schöpfer kannst Du darüber interpelliren, warum er in mir eine solche Mißgestalt geschaffen." Der Gelehrte wurde durch diese Antwort nachdenklich und er begann sein Unrecht einzusehen. Bald stieg er von seinem Esel herab, warf sich dem tief Beleidigten zu Füßen und bat ihn um Verzeihung. Dieser aber wirs ihn entrüstet zurück, indem er sprach: „Hole Dir nur auf Deine Frage zuerst Bescheid vou meinem Schöpfer." Der Gelehrte aber wollte nicht von ihm lassen und ging ihm bis zu seinem Heimathsort nach. Als dort Rabbi Elieser erkannt worden war, wurde er von einer großen Volksmenge enthusiastisch empfangen und ob seiner großen Gelehrsamkeit gefeiert und gehuldigt. Der Häßliche war darüber ganz erstaunt und sprach: „Wem gilt denn eigentlich dieser allgemeine Jubel?" „Dem Rabbi, der neben dir reitet", gab man ihm zur Antwort. „Dem huldigt man, das ist ein Gelehrter?" gab der Häßliche zurück. „Gäbe Gott, daß es nicht viele solche Gelehrte in Israel gebe." Als die Versammelten endlich erfuhren, weßhalb der Mann sich so tief verletzt fühlte, baten sie ihn alle um Verzeihung für den Rabbi. „Ich will ihm verzeihen", sprach er endlich, aber Rabbi Elu ser möge sich in Zukunft vor so hochmütigen Worten hüten. Bald darauf predigte derselbe in seiner Hetmathstadt und wählte zum Thema den Ausspruch: „Stets sei der Mensch biegsam wie ein Rohr, nicht aber hart wie ein Zeder". (Taanith 20.) Wer stolz ist, gleicht dem Gottesleugner (Sota 4) und der Hochmüthige wird erniedrigt. Das lehrt die jüdische Moral und dennoch wird dem Judenthum Aufdringlichkeit und lästige Borntrtheit als Stammesfehler zum Vorwurf gemacht. Der Jude mag thun wie immer, so ist es manchen „Ariern" niemals Recht. Ist er demüthig und bescheiden, so heißt es: Der Jude ist ein Kriecher, ein Geizhals, ein Knicker; trachtet er sich hervorzuthun, sich Geltung zu verschaffen, oder Luxuriös zu leben, so wird er als arrogant, vorlaut und als Protze verschrieen; wie er auch rhun mag, thut er nicht recht. Recht, moralisch und edel handeln nur die „Antisemiten." Sie mögen noch so sehr von der Haltlosigkeit ihrer Anklagen gegen das Judenthum überwiesen werden, sie werden wahrlich nicht, wie der vorerwähnte Talmudjude Rabbi Elieser ben Schimeon ihr Unrecht einsehen und für die absichtlich verursachte Kränkung Israel um Verzeihung bitten, sondern fortfahren, es zu lästern und zu verleumden. Wir aber werden an dem talmudischen erhabenen Grundsatz festhalten, welcher lautet: Es ist besser und edler zu den Gekränkten und Beschimpften zu gehören, als zu den Kränkenden und Schimpfenden (Gitttn 7) oder wie der Midrasch lehrt: „Set lieber von den Verfolgten als von den Verfolgern" (Midrasch Rabbah zu Wajikrah 27.) 6) „Sind aber die Juden nicht ein Staat im Staate, nehmen sie nicht in demselben eine absonderliche Stellung ein, gravitiren sie nicht alle nach Palästina, das sie für ihr eigentliches V aterland halten, hängt nicht ihr ganzes Herz an Jerusalem, dessen Wiedererlangung sie so sehnlichst wünschen? Warum assimilireu sie sich nicht mit ihren christlichen Brüdern? Warum geben sie nicht ihre aussichtslosenSchwarmereien über die Wiederherstellung Zions auf?" Was diese Anklage betrifft, so glauben wir, daß es Augesichts der Tha tsachen, die in Bezug auf den jüdischen Patriotismus und dessen glühende Vaterlandsliebe laut genug sprechen, ganz überflüssig erscheinen müßte, derartige Anwürfe zu widerlegen, aber es zeigt sich hier wieder deutlich die Richtigkeit unserer Anschauung, daß das, was dem jüdischen Volke als Stammesfehler vorgehalten wird, eigentltcht den „Antisemiten" zur Last gelegt werden muß. Sie behaupten, der Jude nehme eine absonderliche Stellung im Staate

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