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Der Israelit · 1894-02-15 · Heft 14 (15.2.1894) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 14 (15.2.1894)
Date
1894-02-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1LWWWWWWWWWWDWWW8 Ss6 „Was Sie mir da erzählen, Herr Graf, ist mir nicht neu; kennen Sie vielleicht einen — Herrn Uebermann?" Der Graf wurde bleich. „Woher wissen Sie?" stotterte er. „Lassen Sie die Maske fallen, Herr Graf, ich kann Sie versichern, daß ich Ihre gesammten Verhältnisse genau kenne, und wenn ich Ihnen dennoch die Hand meiner Tochter nicht verweigere, so ersehen Sie daraus, wie wenig Liebe ich für dieses, mein ehemaliges Kind, besitze; ich sage, mein ehemaliges Kind, Herr Graf, das wird Ihnen genügen!" „Ja, das genügt mir," schrie Graf Plauen, „ich hätte nicht gedacht, daß es so herzlose Menschen gibt, aber Sie sind ein Jude, und das sagt alles. Ich sehe jetzt ein, daß die Antisemiten mit allen ihren schwersten und heftigsten Anklagen gegen die Juden völlig im Rechte sind, es gibt überhaupt nichts Schlimmeres, als die Juden." „Und doch haben Sie sich kein Gewissen daraus gemacht, einem jüdischen Mädchen den Kopf zu verdrehen, Herr Graf", sagte der Banquier mit eisiger Ruhe, er schien überhaupt unerschütterlich zu sein, denn je erregter der Graf wurde, desto mehr Freude schien die Sache dem Banquier zu machen. Er schwieg einige Augenblicke. Es entstand eine kalte, höchst peinliche Stille in dem Gemache. Der Graf suchte nach einer Begründung dafür, daß er so plötzlich seine Ansichten vollständig geändert habe. Es schwirrte ihm Allerlei durch den Kopf, was er indessen nicht recht in Worte zu fassen vermochte. Endlich sagte er das Thörichste, was er überhaupt in dieser Lage nur Vorbringen konnte. „Ich bin ein Anhänger der Äererbungstheörie," rief er plötzlich, „deßhalb bin ich überzeugt, daß die Tochter eines solchen Mannes ebenso schlimm und herzlos sein muß, wie ihr Vater. Ich hatte längst schon dergleichen vermuthet und deßhalb werde ich mit ihr brechen." Berkheim, der ihn durchschaute, unterdrückte mit Mühe das Lachen. ,,Ja, ich habe einst gedacht, daß ich dieses Mädchen liebe," fuhr Graf Plauen fort, „aber ich sehe ein, daß ich mich getäuscht habe. Die Tochter eines solchen Mannes kann nie die Meine werden. Ich gehe!" „Bleiben Sie!" schrie Berkheim. „Sie wollen zurücktreten," rief er, und jetzt schien er zum ersten Male in Erregung zu kommen, denn er blickte mit funkelnden Augen den Grafen an, „Sie haben es gewagt, um die Liebe meiner Tochter zu werben und wollen sie jetzt schnöde verlassen! Nein, Herr Graf, das wird nie geschehen, Sie haben ihr ein Heirathsversprechen gemacht und ich, als Vater, werde dafür sorgen, daß Sie Ihrem Versprechen Nachkommen müssen. Ich habe mächtige Verbindungen hier in der Stadt und wenn Sie entfliehen wollen, um Ihr Versprechen nicht zu halten, so werde ich schon die nöthigen Maßregeln ergreifen, ein solches Benehmen Ihrerseits zu verhindern. Sie haben meiner Tochter versprochen, sie zu heirathen und Sie werden dies ausführen, wenn ich Sie auch mit Gewalt zu der Civiltrauung schleppen müßte, das kann ich Sie versichern!" Berkheim stand hoch aufgertchtet vor dem Grafen, seine rechte Faust war geballt und er schien in heftiger Erregung zu sein. (Fortsetzung folgt.) Der „I 8 r a c 1 i t'’ erscheint wöchentlich zweimal, MoutagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonntrt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel ju bestehe» bei E. F. §> t r t u a ck e r, Leipzig, Nsßpiah 16. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redactton eiugesandteu Manuskripten findet nicht statt, man bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Copie znrückzubehalteu. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Zar Rabdiner-Wahl^in^Districts-Rabbinat Ansbach. — Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: AuS Westpreußen. Hall. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Aus Galizien. AuS Tet. — Schweiz: Bern. — England: London. — Bulgarien: Sophia. — Italien: Neapel. — Marocco: Mogador. — Vermischtes. — Feuilleton: Im Wahne des Glücks (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Arische Stammesvorzüge uud Semitische Racenfehler. Von Rabbiner Heinrich Galandauer in Soborten (Böhmen). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Bingen. — Rußland: Petersburg. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Gutachten über die Schächtfrage. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen : Deutschland: Hürben. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Lemberg. — Italien: Rom. — Rußland: Warschau. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition deS „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilage«.

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