Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 14 (15.2.1894)
- Date
- 1894-02-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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WWW 284 der Väter zu gewinnen. Leider war es dem Redner nicht möglich seinen Worten eine größere Ausdehnung zu geben, da er ersucht worden war sich möglichst kurz zu fassen. Zur Feierlichkeit des ganzen Aktes trug ferner das von unserem verdienten Cantor Herrn Goldberg, in rührender Weise vorgetragene „81 male ruedamim" nicht wenig bei, worauf Herr Dr. Salikowitz das Grabgebet sprach und die Feierlichkeit durch das Kaddischgebet von Herrn Goldberg beendigt wurde. ElSdorf im Februar. Den 25. Januar dfs. Jahres starb in Kemple (Rheinl.) Frau Jsaac Kaunen geb. Esther Mendel. Letztwillig schenkte sie der Spezial-Synagogen- Gemeinde Elsdorf, ihrem Geburtsort, Mk. 2250 mit bet Bestimmung, daß dieser Betrag rentbar angelegt und die Zinsen für die jüdische Schule daselbst verwendet werden sollen. Wir werden Frau K., die kinderlos starb, stets ein dankbares Andenken bewahren D^y de? rruDDi d\dd did. Diese?TI nt£W handelte im Sinne ihres längst verstorbenen Galten, Herr Kaunen n"y, der auch nur für mny min lebte, rnrnp oiro!. Wien. Der Mädchen-Unterstützungs-Verein hielt am 30. Januar d. I. seine General-Versammlung ab. Die Präsidentin, Frau Paula Frankl v. Hochwart, begrüßte die Anwesenden und widmete den im letzten Jahre dahingeschiedenen Ehrenmitgliedern, Ober-Rabbiner Dr. Adolph Jellinek und Freiherrn Moriz v. KönigSwarter, einen warmen Nachruf, proponirte der Versammlung die Wahl zweier neuer Ehrenmitglieder, des um den Verein hochverdienten Herrn Redacteur Adolph Loewe und deS Chef-RedacteurS Edgar, Spigel Edlen v. Thurnsee, zur Bestätigung, welche einstimmig ertheilt wurde. Dem von der Schriftführerin, Frau Anna Feinberg, verlesenen Rechenschaftsberichte entnehmen wir, daß die Vereinsschulen im Jahre 1893 von 280 armen Mädchen besucht waren, die zum Theile auch beköstigt und bekleidet wurden. Der Kassenverwalter, Herr Sigmund Ritter v. Bauer, erstattete den Kassenbericht, demzufolge die Einnahmen des Vereins 14,241 fl. 77 kr., die Ausgaben 9886 fl. 1 kr. betrugen. Das Vereinsvermögen beläuft sich auf 6901 fl. 6 kr. in Baren und 17,392 fl. in Effecten. Der Antrag der Frau Feinberg, den lanjährigen Gönner und Förderer der Vereins, Herrn Dr. L. A. Frankl Ritter v. Hochwart, zum Ehrenmitgliede zu ernennen, wurde einstimmig angenommen. Lemberg, im Januar. Director Lazarus ist vom Präsidium und von der Mitgliedergesellschaft des Exekutivcomiter der Baron Hirsch-Stiftung freiwillig zurückgetreten. lieber die galizifcheu Jude» berichtet eine Korrespondenz der „Kölnischen Zeituug" in einem Reisebriefe unter anderem: „Ich hatte oft Gelegenheit die hohe Intelligenz und schnelle Auffassungsgabe selbst des ärmlichsten Juden zu bewundern. Auch die Arbeitsamkeit und Handfertigkeit der Juden, z. B. im Fabrikbetrieb, die bei uns weniger bekannt sind, nöthigte mir Bewunderung ab, da die israelitischen Arbeiter die eingeborene Bevölkerung im gewerblichen Arbeiten fast stets übertreffen. So sah ich eine Parquetfußbodenfabrik, in welcher alle Angestellten, vom Handlanger bis zum Direktor jüdisch waren und welche Vorzügliches leisten. Am meisten überraschen die Juden den Fremden durch ihre Sprachkenntnisse, die hier Deutsch, Polnisch, Ruthenisch und natürlich Hebräisch umfassen, tmzu an der nahen Grenze noch Ungarisch kommt. Ob die galizischen Israeliten diese Sprachen vollständig beherschen, das mag zu bezweifeln sein. Jedenfalls aber können sie sich überall verständigen. Auffallend ist ferner die große Veranlagung zur Musik. Triest, 8. Januar. Fräulein Jda Finzi, Tochter eines unserer geachtelten Gemeindemitglieder, die unter dem Pseudonym „Haydee" die italienische Literatur schon um manche kostbare Arbeit bereichert, hat soeben vam Jnstituto Lombards in Mailand den Preis von 500 Lire für ihre Novelle „Guintetto" erhalten. In Avignon wollte vor Kurzem der Antisemitenhäuptling Drumont die Wahl des Herrn Gustav Naquet, eines Juden, zum Präsidenten des dortigen Handelsgerichtes verhindern und stellte sich selbst als Gegencandidaten auf. Allein Herr Eduard Drumont erlangte kaum 50 Stimmen, während Herr Gustav Naquet mit mehr als 750 Stimmen gewählt wurde. Feuilleton. Am Wahne des Gtücks. (14. Fortsetzung.) Der Graf blickte erstaunt auf den Bankier, diese Bereitwilligkeit hatte er nicht erwartet und er wußte nicht, wie er sie aufzufaffen habe; vielleicht, daß sein Titel die Ursache derselben war. „Enterbend!" fragte er endlich, „Sie wollen Ihr eignes Kind enterbend" „Ja, ich bin dazu entschlossen, ich muß es thun, und Sie, Herr Graf, haben ja sich als einen jungen Mann von so idealen Ansichten bewährt, daß dieser materielle Gegenstand bei Ihnen keinen Hinderungsgrund bilden wird; sicherlich überwindet die Liebe alle Hinderniffe und Sie werden mit meiner Tochter jedenfalls glücklich sein, auch wenn ich Ihnen keinerlei Mittel für Ihre Ehe zu Gebote stellen kann." Dem Grafen wurde außerordentlich unbehaglich. „Verzeihen Sie, Herr Berkheim, wenn ich einwenden muß, daß es rechtlich ganz unmöglich ist, daß Sie Ihr eignes Kind enterben. Allerdings könnten Sie ihr einen großen Theil dessen, was ihr gebührte, entziehen, mehr aber gestattet das Gesetz nicht. Man weiß es allgemein, daß Sie ein sehr reicher Mann sind, ich darf wohl sagen, vielfacher Millionär." Mit lächelnder Miene wehrte der Bankier durch eine Handbewegung diese Meinungsäußerung deS Grafen ab. „Ich bin nicht so reich wie Sie meinen", entgegnete er, „ich war es vielleicht früher, aber bedeutende Verluste im Geschäft haben auch mein Vermögen etwas herunter gedrückt." „Sie setzen mich in der That in Erstaunen", sagte der Graf mit schlecht verhehlter Verlegenheit. Dann aber beruhigte er sich wieder und fuhr fort: „Nun, jedenfalls ist es sicher, Herr Berkheim, daß Sie noch sehr wohlhabend sind, und da Sie nur. zwei Kinder besitzen, so fällt nach allgemeinen Begriffen die Hälfte Ihres Vermögens Ihrer jüngsten Tochter zu. Sie können allerdings zwei Dritttheile dieses Ihres rechtmäßigen Vermögens Ihrem Kinde entziehen, mehr aber erlaubt das Gesetz nicht.