Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 13 (12.2.1894)
- Date
- 1894-02-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXV. Jahrgang. Beilage zu M 13 des „Israelit". Leitende Artikel- Arische Slammesvorzüge und Semitische Racenfehler. Von Rabbiner Heinrich Gtalandauer in Soborten (Böhmen). (Fortsetzung aus Nr. 12.) Die Handlungsweise eines andern „T a l m u dj ud e n" beweist dieselbe strenge Gerechtigkeit einem Nichtjuden gegenüber: Raw Safra hatte einen Gegenstand zum Verkaufe ausgeboten. Ein heidnischer Käufer kam und wollte dafür 8 Gold-Denare geben. Raw Safra aber wollte den Preis von 10 Denaren haben, als dies aber der Heide nicht geben wollte, ging der Rabbi mit seiner Waare nach Hause. Bald darauf entschloß sich jedoch Raf Sawra dieselbe um 8 Denare zu verkaufen, wenn der Käufer wiederkommen sollte. Wirklich kam derselbe wieder, da ihm die Sache gefiel und zahlte dafür 10 Denare. Was that aber der Talmudgelehrte? Er gab dem Heiden 2 Denare zurück uud sprach Ich hatte in meinen Gedanken den Entschluß gefaßt, den Gegenstand um 8 Denare hinzugeben und mein Gewissen verbietet es mir, mehr zu nehmen (Mackoth 25). Daraus geht doch deutlich genug hervor, daß das jüdische Religionsgesetz jeden Betrug, jede Hintergehung oder Uebervortheilung nicht blos dem Juden, sondern auch dem Nichtjuden, ja selbst dem Heiden gegenüber aufs Strengste verbietet. Das ist „semitische" Moral. Der Endzweck der Herren „Antisemiten" ist jedem Klardenkenden bekannt, und da sie die Juden als vogelfrei erklären, so machen sie sich gar kein Gewissen daraus und erklären es als eine rühmenswerthe That, ihm auf jede mögliche Weise Schaden zuzufügen und seinen Besitz anzutasten. 4) „Aber die Juden wirken zerstörend, zersetzend im Staate, sie verderben die Geschäfte, gefährden die Wohlfahrt des Volkes und drücken die Volkswirthschaft herab", behaupten die Ankläger. Wer die Augen nicht vom Haß geblendet hat, muß eingestehen, daß der Jude überall sein redlichstes Bestreben hatte, um an dem Aufschwung seines Vaterlandes, an dem Wohlstand seiner Gemeinde nach Möglichkeit mitzuwirken. Was wären der Feldbau, die Industrie, das Handwerk, wenn der regsame commercielle Geist der Juden, deren Produkte nicht durch den Handel in Bewegung, inCirculation bringen würde? Sie hätten den Werth des Goldes in der Wüste, wofür man nicht einmal einen labenden Trunk Wassers haben kann. Die Inden haben also durch ihren Handel die Volkswirthschaft gehoben, indem sie der Volksthätigkeit einen höhern Werth zu verschaffen bestrebt sind. Das beweisen auch die Judenausweisungen in Rußland, wo viele Gegenden wirthschaftlich daniederliegen und thatsächlich die Bauern und Vertreter der Landwirthschaft in vielen Gegenden des Czarenreiches bei der Regierung angesucht haben, den vertriebenen Inden wieder den Aufenthalt in ihrer Mitte zu gestatten, um die Volkswirthschaft wieder zum neuen Leben zu erwecken. Nicht zersetzend, sondern erhaltend und festigend ist überall die Wirksamkeit des jüdischen Stammes. Wenn es gilt, dem Staat aus finanziellen Nöthen, aus wirthschaftlichen Verlegenheiten aufzuhelfen, wessen Mitwirkung wird da gewöhnlich in Anspruch genommen? Nicht die des Juden?! Wer weiß nicht aus der Geschichte, was Spanien zur Zeit als die Juden dort die höchsten Staatsämter und Würden inne hatten, war, und wie es seit der Vertreibung derselben im stetigen Niedergange begriffen ist? Wer aber die jüdische Concurrenzfähkgkeit anklagt, ist erst recht auf irrigem Pfade. Denn erstens liegt es in der Natur der Sache, daß die Concurrenz im Geschäftsleben nicht zu vermeiden ist, und dann stellen sich diejenigen, die solche Vorwürfe erheben, selbst ein Armuthszeugniß aus, indem sie zugestehen, daß die überwiegende Mehrzahl der „Arier" einer verschwindend kleinen Anzahl von „Semiten" im Geiste und im entschlossenen mannhaften Unternehmungsmuth nicht gleichzukommen vermag. Ueberall, wo es dem Juden gegönnt ist, seine Fähigkeiten, seine Geistesschwingen, seine regsame Unternehmungslust ungebunden und frei zu entfalten, dort wirkt er segensreich und heilbringend. Daran wird kein vernünftiger Mensch zweifeln, und alle Staatsmänner desjenigen Reiches, welches den Welthandel beherrscht und welches an commercieilen Sinn allenVölkern derErde weitüberlegen ist, alle Machtfactoren Großbritaniens sind darin einig, daß die jüdische Bevölkerung in seiner Mitte ein nützliches Element bildet. So urtheilt der Helle, praktische Blick des Engländers über den Werth des Judenthums auf staatswirthschaftlichem Gebiete, manche unserer Arier begreifen das nicht, weil ihnen nicht das Volkswohl am Herzen liegt, sondern der Eigennutz, die Hab-