Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 13 (12.2.1894)
- Date
- 1894-02-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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220 Dame, die ihn in ein Seitenzimmer hatte bitten lasten, von ihm verabschiedete. Das konnte Feodora nicht sein. Der Graf hatte zugesagt, in kurzer Zeit zu erscheinen und er kam diesem Versprechen balo nach. Berkheim aber hatte seine Aufregung bezwungen; es handelte sich hier gleichsam um ein Geschäft, um den Preis, den er dem Grafen bieten mußte, um ihn auf seine Seite zu bringen. Im Vollbewußtsein der Macht, die das Geld besitzt, zweifelte Berkheim nicht, daß ihm dies gelingen werde. Welche Summe aber würde es kosten, diesen Mann zu erkaufen?! Als gewiegter Geschäftsmann hatte er einen Plan entworfen, durch den er seine Zwecke zu billigem Preise zu erreichen hoffte. Er empfing den Grafen in dem Privatkabinctte seines Comptoirs und war ihm gegenüber nun der kühle, ruhige, besonnene Kaufmann. In seiner gewöhnlichen, höflichen Art hatte er ihn empfangen, nicht anders als sonst. „Sie verzeihen, daß ich Sie zu mir bitten ließ. Können Sie den Grund errathen?" Der Graf bejahte; er erzählte, was Fräulein Pinne ihm mitgetheilt und sprach zugleich die Vermuthung aus, daß er irgendwie von der Gesellschafterin düpiert worden sei, denn das wäre doch wohl nicht möglich, daß ein Vater seine Tochter verstoße, weil diese Cigaretten rauche. Es sei ja gewiß nicht schön und er liebe es auch nicht bei feinen Damen, aber ein Grund des Verstoßens sei dies doch gewiß nicht. Offenbar müßte ihm die Gesellschafterin den wahren Grund verheimlicht haben uud diesen ihm mitzutheilen, bitte er den Banquier. Berkheim hörte ihn mit einem schwermüthigen, bittern Lächeln zu. Was wußte der Graf von den Vorschriften der jüdischen Religion. „Lieber Herr Graf", erwiderte er endlich, „es mögen da in der That noch andere Dinge mitspielen, aber auch ich bin leider nicht in der Lage, sie Ihnen zu nennen. Sie werden einsehen, daß Familienrücksichten mir dieses verbieten." Der Graf nickte zustimmend. Berkheim schaute ihn lange und prüfend an, als suche er nach einem Gedanken; endlich sagte er mit feierlichem Ernste: „Haben Sie mir e^was zu sagen, Herr Graf?!" Der Graf nahm diese Aufforderung für das, was sie war. Er erhob sich, verneigte sich leicht vor dem Banquter und entgegnete in ebenso feierlichem Tone: „Ja wohl, Herr Berkheim, ich bitte um die Hand Ihrer jüngsten Tochter, Feodora!" „Behalten Sie Platz, mein lieber Herr Graf!" entgegnete der Banguier. Und ohne Ironie im Tone fuhr er fort: „Sie sind ein braver, junger Mann. Sie verlangen die Hand meiner Tochter, obgleich Sie wissen, daß ich sie gänzlich enterben werde und trotzdem Sie den Grund nicht kennen, der mich zu diesem Schritte unfehlbar zwingt. Wohlan, ich nehme Ihren Antrag an!" (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Freitag, iß. Februar, 10. Adar I. Sabbat-Anfang in Mainz 5 Uhr 80 Min. (M. E. Z.) Samstag, 17. Februar, 11. 2lbar I. niün Sabbat-Ausgang in Mainz 6 Uhr 30 Min. (dl. E. Z.) Dienstag, 20. Februar, 14. Adar I. pp nnis Mittwoch, 21. Febrnar, 15. Adar I. pp □’“)'£ pW Der „Israelit^ erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, fih'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abomnrt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen uud Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel M bestehen bei G. $. Sleinacker, Leipzig, Doßplah 18. — nferate 25 Pfennig die vlergcspaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Eours. — Directe Francozusendung unter Streifband p^o Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Nedaction eingefandten Manuscripte« findet nicht statt, man bittet deshalb sich von allen Eiuscudnugeu eine Copic zuriickzubehalteu. Inhalt <Hauptblatt) : Leitender Artikel: Die hkssischen Jtlden itt der badischen Kammer. Bon Provinzialrabbiner Dr. Munk in Marburg. — Literarische Berichte. — Zeitungsnachrichten uud Eoriespoudenzcil: Deutschland: Berlin. Stettin. Aus Sachsen. Müddersheim. Troppau. — Oesterr.-Uugar. Monarchie: Kien. Lemberg, Rviregyhaza.— Schweiz. — Rußland: Petersburg. — Frankreich: Paris. — Bermischtes. — Feuilleton: Im Wahne des Glücks (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitende Artikel: Arische Slammesvorzüge und Semitische Racenfehler. Bon Rabbiner Heinrich Galandauer in Soborten (Böhmen). — Lages-Erscheinnugeu. Bon De. H. Sänger. — Zütuugsrrachrtchten und Eoreespondenzen: Deutschland: Berlin. München. — Vermischtes. Berantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. Expedition dcS „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Drttck und Berlag der Joh. Wirth'schen Hofbnchdruckerei-Ackien-Gesellschast in Mainz. Hierzu eine Beilage.