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Der Israelit · 1894-02-12 · Heft 13 (12.2.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 13 (12.2.1894)
Date
1894-02-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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219 Allmählich erst vermochten ste sich so weit zu fassen, daß ste ihr nächstes Ziel überlegen konnten. „Zu Graf von Plauen" hatte Feodora gesagt, in ihrer Erregung dem Nächstliegenden Gedanken Ausdruck verleihend. Bei näherer Ueberlegung aber sahen ste die Unmöglichkeit dieses Vorhabens ein. Allerdings, sie wollten sich dem Grasen nähern, sie wollten ihm sagen, daß seinen heißen Wünschen nun Nichts mehr entgegenstand. Doch so plötzlich konnte das nicht geschehen. Es war vollständig unzulässig, daß das junge Mädchen den Grafen in seiner Wohnung aufsuchte. Was war nun zu thun? Sie betraten ein Kaffeehaus in der Vorstadt und dort flüsterten ste nun lange und leise miteinander. Endlich faßten sie einen Plan. Feodora war als hervorragende Schönheit zu bekannt in Frankfurt, als daß nicht jeder Schritt, den sie dort unternommen, ausgefallen wäre und willkommene Gelegenheit zu Klatsch gegeben hätte. So beschloß sie denn, wenn es Abend geworden, nach Mainz hinüber zu fahren, sich dort in einem von Frankfurtern wenig frequentiten Hotel einzulogiren und da den weiteren Verlauf der Dinge abzuwarten. Fräulein Pinne aber sollte sogleich den Grafen aufsuchen und ihm Alles mittheilen, was vorgefallen. Während also Feodora im Englischen Hof in Mainz Wohnung nahm, gelang es der Gouvernante noch desselben Abends des Grafen habhaft zu werden. Der Herr Gras war erstaunt über ihren Bericht, er schien die Sache als Scherz zu behandeln, denn er konnte nicht begreifen, daß es ein so großes Verbrechen sein sollte, am Samstag eine Cigarette zu rauchen. Er versprach in der Frühe des nächsten Tages sich zu dem Banquier zu begeben, um die Hand seiner jüngsten Tochter anzuhalten und Alles wieder ins richtige Geleise zu bringen. Sodann sollte er hinüber fahren und persönlich mittheilen, was er bei dem Vater erreicht habe. Fräulein Pinne war naiv genug zu meinen, daß der Grafentitel über alle Schwierigkeiten hinweghelfe und reiste mit diesem Bescheide hoffnungsfroh nach Mainz zu Feodora. Inzwischen verbrachten Berkheim, dessen Frau und Helene Stunden der furchtbarsten Aufregung. Was war.hier zu beginnen?! Wie konnte man die Spur der Entlaufenen wieder finden, ohne einen Skandal zu erregen?! Helene meinte, daß Feodora doch zu wohl erzogen wäre, um sich in die Wohnung des Grafen zu begeben. So beschloß denn Berkheim selbst dorthin zu gehen, um auf geschickte Weise zu erkunden, ob dieser bereits etwas von den Vorgängen in seinem Hause erfahren habe. Der Sabbat war mittlerweile zu Ende gegangen. Berkheim fuhr in die Wohnung des Grafen, doch er fand diesen nicht zu Hause. Wenigstens erhielt er durch geschicktes AuSfragen, ohne daß er sich etwas vergab, von dem Diener die beruhigende Auskunft, daß noch Niemand bei dem Grafen war. Durch reichliches Trinkgeld vermochte er den Diener zu bewegen, daß er den Wagen des Banguiers nahm und darin sich auf die Suche nach seinem Herrn begab; Berkheim ließe diesen bitten, sich sogleich zu ihm zu begeben. Dann fuhr er nach Hause. In höchster Spannung hatte man ihn erwartet und war enttäuscht, ihn ohne Resultat wiederkommen zu sehen. Die Familie verbrachte wiederum eine Stunde quälenden Wartens. Da kam Berkheim ein Gedanke, den er längst zuvor schon hätte haben müffen. Dieser Kaufmann, der sich über Jeden, mit dem er in geschäftliche Beziehungen trat, genauestens informirte, hatte es nicht der Mühe werth gehalten, sich über einen Mann näher zu erkundigen, der in seinem Hause verkehrte. Er war ein Graf; von vorzüglichen Manieren und anscheinend reich; das genügte. Berkheim hatte ja niemals auch nur im Entferntesten daran gedacht, daß jener Herr ihm näher treten könnte. „Wenn der Graf käme, solle er warten; er werde bald wiederkommen." Noch war es nicht 8 Uhr, die Stunde des Geschäftsschlusses. Berkheim fuhr zu AuskunftSbureaus und zu verschiedenen Bekannten, die über die Persönlichkeiten in Frankfurt sonst wohlerfahren waren. Doch seine Nachforschungen hatten nur geringes Resultat. Soviel wenigstens konnte man ihm sagen, daß der Herr Graf sich in recht gedrückten Vermögensumständen befand; überall hatte er Schulden und wurde von allen Seiten zur Bezahlung gedrängt. In dem Hotel, in dem er speiste, hatte er feit Monaten nicht bezahlt. Das war schon eine Basis, auf der sich ein Plan gründen ließ. Nachhause gekommen, erfuhr er, daß der Diener des Grafen dagewesen; er hatte seinen Herrn im Club gefunden, als sich gerade eine ältere

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