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Der Israelit · 1894-02-12 · Heft 13 (12.2.1894) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 13 (12.2.1894)
Date
1894-02-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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F [ 218 .'*. »f»r •■ "■~~"Ti*-.TV!rn'7*.Tt! I i! Genüge geleistet, daß auch hierin unsere jungen Rabbiner denen anderer Länder nicht nachstehen. Allein, die pensionsarttge Einrichtung dieser Anstalt und ihre völlige Abgeschlossenheit erschweren jedeUeberwachung, namentlich auch die Fürsorge dafür, daß auch die körperliche Kost die den zukünftigen (itnp ntus) Männern eines heiligen Berufes verabreicht wird, nicht nur zweifelhaft neo ist und daß die jungen Leute nicht nur dem no^, sondern auch dem nwyb Rechnung tragen. — Daß streng religiöse Männer es vorziehen, ihren Kindern nur einen winzig spärlichen Privatunterricht in min wvbn zukommen zu lassen, hat rheilweise diese mangelhafte Ueberwachung der strengen Beobachtung unserer Speisegesetze zum Grunde, sowie die zügellose Selbstüberlassenheit der jungen Seminaristen. — Sagen ja unsere Weisen: iv2' vbv ^vnv 'in ysaa n"i ivn'o ^vnv nmv ny •TVdd DniDN nnm DaS Gebot, selbst unwissentlich keine Verletzung der Speifegesetze zu begehen, muß demjenigen der Erlangung der Thorakenntniß vorangehen. (Vgl. Rascht Tehtllim 40 IX.) Es wird hoffentlich nur einer wohlwollenden Anregung bedürfen, um in maßgebenden Kreisen eine Verbesserung der Sachlage zu bewirken. S. K. Vermischtes. Berlin. Am 28. d. M. fand unter zahlreicher Betheiligung die feierliche Enthüllung des Grabsteins für den verewigten Sigismund Simmel auf dem Friedhof der Schönhauser Allee statt. Herr Dr. Hirsch Hildesheimer hielt eine ergreifende Gedenkrede. Königsberg i. Pr., 21. Januar. An die hiesige Universität ist von der Universität Bonn der außerordentliche Professor der philosophischen Fakultät Minkowski berufen worden. Der jugendliche Gelehrte, ein Bruder des Vorsitzenden des hiesigen .Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur", Max Minkowski, löste im Alter von 21 Jahren eine mathematische Preisaufgabe der Akademie in Paris und wurde damals viel in den Tagesblättern genannt. An unserer Albertus-Universttät wirkte bereits vor einem Dezennium ein GlaubenSgenosie als Profesior der mathemathischen Wissenschaften, Namens Hurwitz, der sich durch gleiche Frühreife auszeichnete, da er im Alter von 24 Jahren Professor wurde. Die Albertina tritt in Bezug auf konfessionelle VorurtheilSlosigkeit in gleiche Reihe wie die Schweizer Universitäten, ja übertrifft dieselben vielleicht noch in dieser Hinsicht. Juden, nicht nur dem Namen nach, sondern mit vollem, thatkräftigen Eintreten, auch an der Spitze unserer Gemeindeinstitutionen und wohlthätigen Stiftungen, sind als ordentliche Professoren der hiesigen Universität zu nennen: der Pharmakologe Jaffö, auch mit der Centralleitung des Reichsgesundheitsamtes betraut, Professor Samuel, zugleich erster Vorsteher der hiesigen Hauptgemeinde, desgleichen Professor Schreiber. Wenn wir die Privatdozenten hinzurechnen und um den Rassenantisemiten in ihren statistischen Bestrebungen zu Hilfe zu kommen, die getauften Juden mit- «inrechnen, zählt die Albertina etwa 2b „Semiten" als Universitätslehrer, ist also nach antisemitischer Doktrin durch und durch „verludet", um so mehr als Männer, von gelehrtem Weltruf, wie der Archäologe Gustav Hirschfeld, bei der jüngsten Ordensverleihung besonders ausgezeichnet worden sind; der an der Spitze des hiesigen israelitischen StudienbeförderungSvereinS stehende Professor Jaff6 hat bereits früher den rothen Adlerorden erhalten. Der obenerwähnte Professor Minkowski muß zudem die Freunde des Antrags Hammerstein besonders interesstren, denn er ist feinem Nationale nach ursprünglich nicht einmal Inländer, — seine Eltern sind aus dem russisch-jüdischen Anstedlungsrayon hierhergezogen — er wie sein in Straßburg als Assistent Naunyn'S für innere Medizin dozirender Bruder sind Urenkel des in Rußland als gelehrter Talmudist bekannt gewesenen Rabbiner Aron Karliner aus dem Kownoschen Gouvernement. Nürnberg, 13. Januar. Der kürzlich verstorbene Hofantiquar Siegmund Pickert dahier bestimmte 50,000 Mark zu einer Stipendienstiftung, bei welcher Maler, Architekten und Bildhauer in erster Reihe berücksichtigt werden sollen, sowie weitere 50,000 Mark zu einer Handwerkerstiftung. Beide Stiftungen sollen nach dem Willen des Stifters durch den Stadtmagistrat Nürnberg verwaltet werden. Ferner wurden der Künstler-Unterstützungsverein, der Feuerwehrverein zum Besten der im Dienste verunglückten Feuerwehrmänner und deren Hinterbliebenen, der Verein für öffentliche Gesundheitspflege zum Zwecke der Ferienkolonien und für diese, die Poliklinik, dar Nürnberger Kinderspital, der Verein für Krankenpflege, die Blinden-Erziehungsanstalt, die Taubstummenanstalt, der Verein Jugendhort und der Verein für die Restauration der Kirche zu St. Sebald seitens des hochherzigen Stifters mit Vermächtnissen zu je 2000 Mark bedacht. Mr. Gresham, der Staatssekretär, hat den Gesandten der Bereinigten Staaten in Petersburg beauftragt, in den Protokollen nachzuschauen, ob vielen Juden aus den Grenzbezirken Geld gegeben wurde, um ihnen die Auswanderung in die Vereinigten Staaten zu ermöglichen. In diesem Falle möge er der russischen Regierung zu wissen thun, daß diesen Leuten das Landen in den Vereinigten Staaten verboten werden würde. Timbukt«. Aus Paris kommt jetzt die Meldung, daß die Franzosen die berühmte Negerstadt Timbuktu am Niger, die noch heute den Christen bei Todesstrafe verboten ist, besetzt haben. In Timbuktu leben einige marokkanische Juden, die der bekannte Rabbi Mordechai dorthin geführt hat. Als vor einigen Jahren der jetzige Professor der Geographie an der Prager Universität, Dr. Oscar Lenz,, als türkischer Arzt verkleidet, Timbuktu besuchte, da wechselte er bei einem dieser marokkanischen Juden Francsstücke gegen Kaurimuscheln, die in der Sahara die Scheidemünze ersetzen, um. In Timbuktu existirt auch eine sonderbare Secte, die viel jüdische Gebräuche besitzt, und muthmaßt man, daß deren Mitglieder von Juden abstammen. Der Einmarsch der Franzosen in Timbuktu wird auch unseren Glaubensgenossen in Marokko zugute kommen, die sich jetzt nun in größerer Anzahl in dieser Negerstadt werden ansiedeln können. Timbuktu ist eine freie Stadt, da sie von einem selbstgewählten Bürgermeister (Kahia) regiert wird. Sie besitzt einen großen und ausgebreiteten Land- und Flußhandel. Feuilleton. Im Wahne des Glücks. (13. Fortsetzung.) Die beiden Damen liefen dieStraßen hindurch; ziellos eine lange Zeit.

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