Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 13 (12.2.1894)
- Date
- 1894-02-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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216 da durch dieselbe alle die Nachtheile, welche vor dem Schlachten im Interesse der Humanität von manchen Seiten bemängelt worden sind, vollständig beseitigt sind. Etwaige Einwendungen gegen diese Schlachtmethode resp. gegen das rituelle Schächten, halte ich für ungerechtfertigt und ungerecht." Dies wird der hiesigen jüd. Gemeindevertretung nach bester Ueberzeugung atteftirt. Ans Sachsen, 6. Febr. Wie Dresdner Blätter zu melden wissen, beabsichtigt der antisemitische Reichstagsabgeorduete, Rittergutsbesitzer Lieber- Stroga, demnächst sein Mandat niederzuleqen. Derselbe ist Vertreter des 7. sächsischen Wahlkreises (Meißen-Rtesa-Großenhain), wo er bei der letzten Reichstagswahl den konservativen Hofrath Dr. Mehnert verdrängte. Müddersheim, 30. Jan. Am Sonntag, den 28. dieses Mts., veranstaltete der bekannte Antisemit früherer Lehrer Wilms aus Zülpich Hierselbst eine antisemitische Versammlung, (eine antisemitische Festversammlung, anläßlich des Allerhöchsten Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers, wie es in den Ankündigungen, antisemitisch geschmack- und pietätvoll hieß), wozu im Ganzen aus hiesigem Orte 4 Personen und einige aus den umliegenden Orten erschienen waren. Die Reden des Wilms und des ihm entgegenstehenden Redakteurs Blumenthal aus Zülpich boten nichts Erwähnenswerthes. Der hiesige Herr Pastor wie auch der Herr Vikar hatten Gelegenheit genommen, in ihren Predigten entschieden dagegenzu warnen, solchen Versammlungen beizuwohnen, die nur darauf berechnet seien, den Haß gegen Andersgläubige zu schüren. Es verdient das Vorgehen unserer Geistlichkeit alles Lob und zeugt von echt christlicher Nächstenliebe. Tropparr. Ein Referat, betreffend die Genehmigung der Satzungen des Franz Josef Rettungshauses in Olbersdorf, rief eine bemerkenswerthe Diskussion hervor. Türk bemängelte den Passus der Satzungen, nach welchem nur katholische Zöglinge in der Anstalt Aufnahme finden. Hier sei eine Abänderung nothwendig, denn das Rettungshaus sei eine öffentliche Anstalt, eine Art Volksschule, also auf den Principien der Reichsvolksschulgesetzgebung basirend. Doch mögen jüdische Kinder davon ausgeschlossen sein, denn diese seien nicht besserungsfähig. Auf diese judenfeindlichen Auslassungen erwiederte Dr. Haase: Türk habe seinem Liebltngssporte huldigend, nicht unterlassen können, den Juden Eins zu versetzen, indem er sie als nicht besserungsfähig bezeichnet. Es gehe doch nicht an, daß die Juden, welche unsere Mitbürger sind, welche dieselben Lasten tragen, derart behandelt werden; sie haben dasselbe Anrecht wie alle Anderen. Türk beantragte hierauf eine Resolution des Inhaltes, daß außer katholischen noch Angehörige evangelischer Confesston im Rettungshause Aufnahme finden sollen. Dr. Haase empfahl, diese Resolution dem Landesausschusse zur Prüfung und späteren Berichterstattung zuzuweisen, Dr. Menger stellte den Abänderungsantrag, an Stelle der' Worte: „evangelischer Confesston", „anderer (beziehungsweise: nicht katholisch:r) Confesstonen" zu setzen, denn man könne entweder nur confessionell oder interconfessionell sein. Die Resolution Türk wurde mit dem Abänderungsantrage des Dr. Menger dem Landesausschusse zugewiesen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie«. Am 27. Januar verschied im Alter von 83 Jahren der um die Förderung von Kunst und Kunstindustcie in unserem Vaterlande hochverdiente Geheime Rrth Graf Edmund Zichy. An der Gründung des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus in Wien nahm der verblichene Graf regen Antheil; er betheiligte sich an der ersten Gründungsversammlung vom 14. Mat 1891 und an der conftituirenden Versammlung vom 1. Juni 189 i, und mit gerechtem Stolz zählte ihn der Verein seither zu seinem Ehrenpräsidenten. Wiederholt trat Graf Zichy den gemeinschädlichen Elementen muthig entgegen, welche den Frieden in der Bevölkerung stören und aus nationaler oder conftssioneller Engherzigkeit Zwietracht zu stiften bemüht sind. Erst vor wenigen Monaten schloß er eine Ansprache, welche er aus Anlaß des fünfundzwanzigjährigen Jubiläums der Kunstgewrrbeschule an den Protector Herrn Erzherzog Rainer richtete, mit folgenden denkwürdigen Worten: „Ich schließe mit einem Wunsche: Durch fünfundzwanzig Jahre herrschte hier Friede, und die Pest unseres Jahrhunderts der Religions- und Nationalitätenhader, fand hier keinen Eingang. Möge es in den nächsten fünfundzwanzig Jahren auch so bleiben!" Wien, 8. Febr. Der Ausschuß des niederösterreichischen Landtages lehnte den Antrag des Antisemiten Schneider, das Schächten nur nach vorheriger Betäubung zu gestatten, ab, nachdem Referent Noske dargelcgt hatte, daß die dem Schächten imputirte Grausamkeit nicht vorhanden sei und man überdies vom Standpunkte einer freien Religions- Übung gegen eine solche Einschränkung schwere Bedenken tragen müsse. Lember?, 6. Febr. (Landtag). Meruuowicz stellt einen Antrag, welcher auf intensivere Beaufsichtigung des jüdischen Religions-Unterrichtes in den öffentlichen Schulen abzielt; er ergeht sich dabei in versteckten Ausfällen gegen die Juden, wobei er die bekannten Schlagworte der Wiener Antisemiten in ziemlich ungeschickter Weise zur Anwendung bringt. — Diese Verdächtigungen gaben