Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 12 (8.2.1894)
- Date
- 1894-02-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Feuilleton 1-8 halber eingestellt werben. (Die Verwaltung eines jüdischen Hospitals sollte aber in erster Linie dafür Sorge tragen, daß die Kranken rituell zubereitete Kost bekommen, was zur Schande der Verwaltung bisher nicht geschehen ist. Red.) -£• Vermischtes. < Brieg, Rbg. Breslau. Am Mittwoch den 31. Januar ' feierte das Banquier Böhm'fche Ehepaar im Kreise seiner Angehörigen, die aus Nah und Fern herbeikamen, das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Das Jubelpaar ist noch recht rüstig und erfreut sich der besten Gesundheit. Der würdige Jubilar, Vorsitzender des Repräsentanten-Collegiums und Stadtverordneter, ein 'TUT cy’N in des Wortes edelster Bedeutung und seine Gattin, eine rDlitfn nt£W, seit Jahren Vorsteherindes Frauenvereins,genießen in allen Bevölkerungsschichten unserer Stadt, ohne Unterschied des Standes und der Konfession, die größte Liebe und Verehrung. Es war geradezu ein Dt£71 ttflTp, die freudige Theilnahme wahrzunehmen, die sich dem Jubelpaare in der erfreulichsten und rührendsten Weise von allen Ständen kund gab. — Um 41/* Uhr erschien die Gemeinde-Vertretung in Begleitung ihres Predigers als Depwation im Hause des Jubelpaares. Nachdem Herr Prediger Pionkowski eine ergreifende, auf alle Anwesenden sichtlichen Eindruck machende Ansprache an das Jubelpaar gehalten, in welcher er des Jubilars hohe Verdienste um unsere Stadt und Gemeinde feierte, des Jubel' Paares gemeinnütziges Leben und Wirken, seine thätige bewährte Menschenliebe und opferfreudige Wohlthätigkeit hervorhob, überreichte er dem Jubelpaare die von Sr. Majestät dem Kaiser übersandte Ehejubiläums-Medaille nebst einem huldvollen Schreiben. Im Anschluß hieran brachte Herr Rentier Altmann ein Hoch auf unseren allergnädigsten Landesherrn aus, woraus Herr Banquier Eckersdorff im Namen der Gemeinde-Vertretung dem Jubelpaare eine künstlich ausgestattete Adresie übergab. Behörden und Vereine, Deputationen und Private wetteiferten förmlich in der Bezeugung ihrer Theilnahme durch Adressen, kostbare Blumenspenden und dergl. Nachdem der Herr Jubilar in der ihm eigenen launigen Weise für die ihm erwiesenen Ehrenbezeugungen seinen Dank ausgesprochen, Alles ihm Erwiesene in seiner seltenen Bescheidenheit als nicht verdient erachtend, begann das Mahl, dem nun wacker zugesprochen wurde. Da waren alle Stande vertreten; immer neue Gratulanten strömten herbei, immer neue Beweise der Liebe und Verehrung wechselten miteinander ab. Es war ein erhebendes Fest, das dem würdigen Jubelpaare von Neuem den Beweis brachte, welcher Hochachtung und Werthschätzung es in unserer Stadt sich erfreut. — Möge ihm noch ein recht langer, gesegneter Lebensabend beschieden sein! O diese Juden! In Hlubocep (wo ein jüdischer MDr. viele Jahre Gemeindevorsteher war) etablirte sich ein nichtjüdischer Arzt, Herr Dr. Merhant. Derselbe hatte einen Streit mit einem Smichower Arzte und es nahmen mehrere Aerzte aus diesem Anlaß Stellung gegen Dr. M., indem sie seine Handlungsweise in der,Mr. Politika" rügten. Herr Dr. M. erklärt nun aber wieder öffentlich, mit bedeutungsvollem Gedankenstrich, der Smichower Arzt sei Jude und das ist dann also selbstverständlich ganz was Anderes. Er wirft auch dem Smichower Arzte die jüdische Handlungsweise vor, daß er die Arbeiter dreier Fabriken unentgeltlich behandle und obendrein ihnen die Arzneien schenke. Ist das doch ein hartherziger Mensch, dieser jüdische Arzt — und eine solche Unmenschlichkeit sollte nicht bestraft werden? — Im Mahne des Glücks. (12. Fortsetzung.) 4. Kapitel. Die Entdeckung. Die sonderbare und etwas schroffe Antwort, die Professor Südländer dem Banquier Berkheim gegeben hatte, als dieser sich bei ihm damit entschuldigte, er könne dem Willen seiner Frau und Tochter nicht widersprechen, hatte einen tiefen Eindruck ans den Banquier gemacht. War es schon so weit mit ihm gekommen, daß Jeder, der zum erstenmal sein Haus betrat, sofort einsehen mußte, der Hausherr sei so unbedeutend, daß er vollständig dem Willen seiner Frau und Tochter unterworfen wäre? Das mußte anders werden. Berkheim begann über seine Frau zu rcflectiren; schlecht und böse war sie gewiß nicht, auch war er überzeugt, daß sie von Herzen fromm war; aber eitel war sie, kurzsichtig und thöricht. Wohin sollte der Verkehr mit dem Grafen führen? In dem Hause Berkheims verkehrten fast gar keine Nichtjuden, außer einigen Herren, mit denen er zusammen in Aufsichtsräthen saß. Der Antisemitismus hatte es verschuldet, daß jüdische und christliche Kreise sich immermehr von einander abschlossen. Was wollte der Graf in dem Hause, in dem man nur Leute, die nicht zu seiner Gesellschaftsklasse gehörten, finden konnte? Liebte er Feodora? Oder war er etwa ein Mitgiftjäger, der, weil er selbst verarmt, auf das reiche Heirathsgut der Banquierstochter spekulirte? Sollte seine Frau oder Feodora ernstlich an eine Verbindung mit dem Grafen denken? Das war ja nicht möglich, von seiner Frau war er dessen überzeugt. Es schmeichelte ihr jedenfalls nur, daß ein solch vornehmer Herr, ihrem Kinde den Hof machte; bei ihr war sicherlich nichts anders als diese thörtchte Eitelkeit im Spiele. Aber Feodora? Berkheim mußte sich eingestehen, daß er sein Kind nicht genügend kannte, um ihre Meinung zu wissen. Er machte sich bittere Vorwürfe, daß er über seinen vielseitigen Geschäften fein Familienleben so sehr vernachlässigt hatte. Ein Besuch Liltenthals gab ihm noch besondere Veranlaffung, über diese Dinge nachzudenken.