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Der Israelit · 1894-02-08 · Heft 12 (8.2.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 12 (8.2.1894)
Date
1894-02-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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199 Der reiche Börsenspekulant hielt um die jüngste Tochter Berkheims an. Zugleich machte er dem Vater den Vorschlag eines großen, gemeinsamen Geschäftes, bei welchem sich ungeheure Summen verdienen lassen sollten. Es war eine gewagte Spekulation. Letzteres lehnte Berkheim sofort ab, da er prinzipiell nicht spekulirte; seine Geschäftsgrundsätze waren ebenso wie die seines Lebens, nüchtern und solid. Ebenso hätte er den anderen Antrag Lilienthals zurückgewiesen, denn sowohl dessen Persönlichkeit als dessen Geschäftsgebahren mißfielen ihm gründlich. Doch er wagte cs nicht, sich mit dem reichen und einflußvollen Manne zu Überwerfen. Er sagte ihm nur, er wolle seiner Tochter in dieser Beziehung keine Vorschriften machen; er möge sich selbst um das junge Mädchen bewerben und wenn sie ihn erwählen würde, so habe er ja immer noch Zeit, mit dem Vater darüber zu reden. Ltlienthal begnügte sich einstweilen mit diesem Bescheide. Alle diese Dinge gingen während der ganzen Woche dem Banquier durch den Kopf, und doch fand er in dem Drang der Geschäfte keine Zeit gründlich darüber nachzudenken. Zwar hatte er einmal mit seiner Frau darüber gesprochen, doch diese hatte erklärt, Feodora sei die Jüngere und anstandsgemäß müßte doch erst Helene heirathen, die Jüngere vor der Netteren fortgebcn, das würde sie niemals thun, was würden da die Leute dazu sagen? Und dann sei Feodora noch so jung. Man könne es ihr gar nicht übel nehmen, wenn ein so schönes Mädchen sein Leben ein bischen genießen wolle, ehe es heirathete. Auch mit Onkel Daniel hatte der Banquier darüber geredet und dieser Mann, der von der Ruhe seines Arbeitszimmers aus schärfer und klarer sah, als der Banquier, der in dem brausenden Gewühle des Lebens stand, der alte Mann hatte Berkheim einige kleine Züge mitgetheilt, die er an Feodora wahrgenommen und deren Kenntnißnahme den Banquier tief verstimmten. Der Sabbat war herangekommen, und an diesem Tage spannte sich Berkheim vollständig von den Geschäfte aus, er vermied es gefltffentlich, auch nur etwas zu denken, was mit seinem Alltagsleben zusammenhing. Desto stärker quälten ihn heute die Gedanken über Feodora und deren Zukunft. Das Mittagsmahl war eingenommen. Da der Banquier über Unwohlsein geklagt, hatte man es schneller als sonst beendigt. Jetzt lag Berkheim auf dem Sopha, auf dem er am Sabbatnachmittage zu schlafen pflegte, aber diesmal fand er keinen Schlummer. Ein tyatkräftiger Mann von schnellem Entschluffe, war ihm jedes lange Grübeln und quälende Nachsinnen über einen Gegenstand peinlich und seiner Naturanlage gänzlich zuwider. Wäre es nicht das Beste, wenn er sich mit Feodora gründlich und ohne Zeugen aussprechen würde. Er wollte als liebevoller Vater mit ihr reden und er war überzeugt, daß das Herz seines Kindes sich seinen innigen Bitten nicht verschließen würde. Er wollte ihr sagen, wie sehr er sie liebe, wie ihm aber unsere heilige Religion über alles gehe, er wolle sie anflehen, nicht mehr mit dem Grafen zu verkehren. Er selbst wollte ihm dann bedeuten, daß er das Haus des Banquiers meiden möge. Auch über Lilienihal wollte er mit ihr sprechen und ihr abrathen, diesem Manne ohne Grundsätze ihr Leben zu widmen. Schnell sprang Berkheim vom Sopha auf und eilte die Stufen hinauf zu Feodora's Zimmer. Er wollte eintreten ohne anzuklopfen, er wollte sie überraschen, er wollte einmal sehen, wie seine jüngste Tochter die Sabbatnachmittage zuzubringen Pflegte. Er drückte auf die Klinge, das Zimmer war verschlossen, aber ein eigenthümlicher penetranter Duft, wie ihn brennende russische Cigaretten auszuströmen Pflegen, drang ihm entgegen. Wer mochte hier rauchen am Sabbatnachmittage? Es war doch sonst keine männliche Person im Hause außer dem Diener, den er gerade eben erst über den Vorplatz des Souterrains hatte gehen sehen. Eine heiße Blutwelle stieg dem Banquier zum Kopse. Mit einem Sprunge war er an der Nebenthür, die zu Feodoras Schlafzimmer führte. Diese war offen; durch die lang gewohnte Gepflogenheit, in der sie bisher Niemand gestört hatte, waren die beiden Damen in Sicherheit etngewiegt worden. Sie hatten vergessen die^Thüre zu verschließen. Schlafzimmer und Wohnzimmer waren nur durch eine Portiöre getrennt. Der Banquier riß dieselbe auseinander, doch der Anblick, der sich hier ihm bot, ließ sein Blut zu Eis erstarren. Auf einem Schaukelstuhl am Fenster lehnte Feodora, eine Cigarette in der Hand, aus der sie eben eine große Dampfwolke gezogen, die sie bet dem Anblick des Vaters von sich stieß. Fräulein Pinne saß ihr gegenüber, mit einer weiblichen Handarbeit beschäftigt. Die beiden Damen hatten die Schritte des

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