Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 12 (8.2.1894)
- Date
- 1894-02-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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197 j 360 angenommen. Dazu kamen noch 24 Juden mit dem Privilegium erster Elaste und obendrein zählt noch die Behörde 113 Fehlende von den Juden!! Petersburg. Bezüglich des Rechts der Israeliten, Immobilien zu erwerben, hat der Senat folgende Verfügung getroffen: Da der Jmmobilien- Erwerb den Israeliten in allen Gegenden gestattet ist, wo ihnen ein beständiges Wohnrecht zusteht, so können diejenigen Juden, welche bis zum 2. Oktober 1858 bei Gemeinden angeschrieb.n sind, die sich 50 Werst von der westlichen Grenze befinden, auch dort Immobilien erwerben, da sie durch jene Anschreibung ein beständiges Wohnrecht erlangt haben. Petersburg, 25. Januar. Der von Geheimrath Pobedonoszew vor wenigen Tagen dem Kaiser- Alexander III. unterbreitete Rechenschaftsbericht für die Jahre 1891 und 1892 übertrifft an Interesse alle seine Vorgänger. Der diesjährige Bericht ist eine Anklageschrift gegen alle Nichtorthodoxen, gegen die politische Gesinnung der gebildeten Elasten, gegen die rationalistischen Secten und gegen jede Aufklärung im Reiche, namentlich wird diesmal über den Katholizismus und Protestantismus scharf hergezogen, die für Rußland eine große politische Gefahr, und mit aller Macht zu bekämpfen seien. Ueber die mosaische Lehre und über den Einfluß der Juden auf die Moralität der orthodoxen Bevölkerung fällt Pobedonoszew ein milderes Urtheil. Der Einfluß der Juden auf die Orthodoxie und auf die Moral der Rechtgläuben sei weniger gefährlich als jener des Katholicismus und des Protestantismus; doch müsse die Regierung auch über die Juden wachen. . . . Dagegen erblickt der Bericht im Islam und im Buddhismus eine Gefahr für die Orthodoxie und für Rußland. „Der Islam", führt der Rechenschaftsbericht aus. „hat während der letzten Zeit das Haupt erhoben; in den ander Wolga und am Ural liegenden Provinzen treibt der Islam ein wüstes Spiel, indem er alle dortigen Stämme an sich reißt." „Der Buddhismus, der seinen Hauptsitz in Transkaukasien hat, ist ebenfalls haßerfüllt gegen die Orthodoxie." Die unter dem Namen „Altgläubige" bekannten Sectirer bezeichnet der Bericht als „eine klaffende Wunde im nationalkirchlichen Leben Rußlands". „Alle Abzweigungen dieser Secte", erklärt der Bericht, „sind durch gemeinsame Feindseligkeit zur Orthodoxie vereinigt". Nachdem der Bericht dieses Bild entworfen, schließt er mit dem Hinweise darauf, daß der „Heiligste Synod" alle Mittel anwenden werde, um diese Uebel zu beseitigen. Bei dem ungeheuren Einflüsse, den Ober-Procuror Pobedonoszew ausübt, sind diese Ausführungen des Rechenschaftsberichtes mit neuerlichen Verfolgungsmaßnahmen gegen die Nichtorthodoxen gleichbedeutend. Pobedonoszew hat die Nichtorthodoxen im Reiche als „politisch" gefährlich geschildert, so daß die Folgen dieser Schilderungen sich demnächst einstellen dürften. Alles selbstverständlich im Namen Gottes! England. London. Welche Erfolge eine gehörig organsirte Wohlthätigkeitsaction erzielen kann, beweist der jüngst ausgegebene Rechenschaftsbericht des Bekleidungs-Comites jüdischer Damen. Das Comite constituirte sich im November 1892 unter dem Vorsitze von Mrs. Leopold de Rothschild und besteht aus 37 Mitgliedern. Dasselbe bezweckt die Vertheilung von Kleidern an Arme in den Schulen, Wohlthätigkeitsanstalten 2c. Die erste Versammlung fand im Januar 1893, die folgenden im April und October desselben Jahres statt und ergaben gegen 20,000 Kleidungsstücke, welche auch bereits zum größten Theil zur Verthcilung gelangten. Einzelne Eomite-Damen hatten über 1000 Kleidungsstücke gesammelt. Das sind gewiß schöne Beweise für den Eifer der Sammlerinnen, aber auch für die Opfcrwiüigkcit der Spender. London. Herr Oberrabbi Dr. Adler predigte am vorigen Sabbat in der „New West End Synagogue" über das Thema der gegenwärtig herrschenden Noth unter den unbeschäftigten Arbeitern und gab vortreffliche Winke den jüdischen Arbeitsgebern sowohl als den Arbeitern vorzüglich mit Hinweis auf die strikte Befolgung der Gebote unserer heil. Religion. Amerika. New-Aork. Die vor einigen Tagen abgehaltene Jayresversammlung der Mitglieder des Mount Sinai-Hospitals war sehr zahlreich besucht, und wurden die Berichte des Präsidenten und der übrigen Beamten mit großem Interesse entgcgengenommen. Während des verflossenen Jahres wurden über 5000 Applikationen um Aufnahme in die Heilanstalt gemacht, von welchen 3225 gewährt wurden, 66 mehr als im Vorjahre. Die Gesammteinnahmen beliefen sich auf 142,393 Dollars, wovon 49,975 Dollars durch jährliche Beiträge aufgebracht wurden, die übrigens einen Rückgang von 1245 Dollars aufweisen. Die Gesammtausgaben betrugen 111,572 Dollars. Das Vermögen der Gesellschaft mit Ausschluß der Gebäulichkeiten und Einrichtung beträgt 227,162 Dollars. Die Arbeiten für Einrichtung eines neuen Hospitals mit größeren Räumlichkeiten, wofür bereits freiwillige Beiträge bis zu einer halben Million Dollars gezeichnet sind, mußten zeitweilig der Geschäftsklemme