Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 12 (8.2.1894)
- Date
- 1894-02-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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105 wiederholt entschieden Stellung gegen sie genommen haben. Aber die von dieser „alten Schwärmerei" Erfüllten, können ruhig ihre Vaterlandsliebe neben diejenige des Herrn Rechtsanwalt Lehmann stellen; sie haben den Vergleich nicht zu fürchten. „Mögen Katholiken und Resormirte auf „deutschem Boden noch lateinisch und französisch „beten; dem Deutschen jüdischen Bekenntnisses „kann die hebräische Sprache nicht mehr die Ge- „betssprache der Zukunft sein." Wir brauchen über diese Zumuthung katholischer als der Papst zu sein, kein Wort weiter zu verlieren. Der große Theil des deutschen Volkes besteht aus Katholiken und Reformisten. Wenn diese ihre nichtdeutsche Gebetssprache nicht hindert gute Deutsche und wackere Bürger zu sein, so denken wir, daß bei den Juden recht ist, was bei den Nichtjuden als billig gilt. Die bisherigen Proben dürften genügen, um darzuthun, daß die Deutschen jüdischen Bekenntnisses nach dem Herzen des Herrn Rechtsanwalt Lehmann reif für jeden Antisemitenbund sind. — Es ist gut, daß durch Vortrüge, welche diese discreten Interne ausplaudern, die ganze Welt erfährt, was von Leuten dieses Schlags zu halten ist. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 3. Febr. Der „Voss. Ztg." wird geschrieben: Der freisinnige Schriftsteller Arn-Perls ging in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag durch die Bettealliancestraße seiner Wohnung zu, als ihm ein ihm befreundeter Zahnarzt im Gespräch mit einem auderen Mann begegnete. „Guten Abend", lieber rief Herr Perls dem Zahnarzt entgegen, worauf dessen Begleiter Herrn Perls zurief: „Halt die Schnauze, verfl.Jude!" Herr Perls verbat sich ruhigen Tons diese Rohheit, der Begleiter des Zahnarztes setzte jedoch seine Beschimpfungen fort, und als der Herr Perls darauf erklärte, eine solche Sprache nicht dulden zu wollen, versetzte ihm der Antisemit mit seinem Stock einen so heftigen Schlag auf den Kopf, daß Hut und Brille des Herrn Perls in weitem Bogen davon flogen. Vergebens suchte der Zahnarzt den Schläger abzuwehren, aber noch nt 11 befriedigt, ließ dieser einen zweiten wuchtigeren Hieb auf den Ueberfallenen niedersausen. Blutüberströmt vermochte sich Herr Perls nur mit Mühe aufrecht zu erhalten und wurde mit klaffenden Kopfwunden von dem Zahnarzt nach der Sanitätswache 19, Planufer" gebracht. Dort wurde ärztlich festgestellt, daß eine kleine und eine große, etwa 4 Zentimeter tiefe Kopfwunde geschlagen worden waren, die letztere unmittelbar neben der Schläfe. Der Verüber dieser Heldenthat ist Inhaber einer Weinstube in der Leipziger Straße. Es wird gegen ihn kriminell und zivilrechtlich vorgegangen werden. Berlin. 4. Febr. „Das jüdische Geschäftstalent" lautet die Spitzmarke der im Stöcker'schen „Volk" veröffentlichten Notiz, nach welcher ein Neffe des jüdischen Professors Pappenheim einen „deutschen" Kaufmann, welcher von dem genannten Proftssor Loose der Fichte-Kindergarten-Lotterie zum Vertrieb erhalten, um das Loos geprellt hatte, auf welches der Hauptgewinn gefalleu war. Der Schlußsatz lautet: „Interessant wäre es, festzustellcn, wie der Judenjunge am 21. Dezember 1893 wissen konnte, daß auf Nr. 6280 der Hauptgewinn gefalleu sei, während die Liste erst am 22. Dezember herauskam. Eine Berliner Vereinigung nahm sofort nach Erscheinen der Notiz genaue Ermittelungen vor und stellte die Thatsachen fest: 1) Herr Professor Pappenheim ist nicht jüdischen Glaubens; 2) Herr Professor Pappenheim har überhaupt keinen Neffen; 3) der Hauptgewinn ist auf das von einem Arbeiter erworbene Loos gefallen. Hiernach ist der Werth dieser Mittheilung des amisemitischen Preßorgans zu ermessen. Biebrich, 25. Januar. Herr Dr. S. Bär hat anläßlich seines 50jährigen Dienstjubiläumtz als Religionslehrer den Kronenorden 4. Klaffe erhalten. I. Hamburg, 1. Febr. Der Neue Hamburger Thierschutz-Verein hielt am vergangenen Dienstag, den 30. v. M. im Patriotischen Gebäude dahier seine Generalversammlung ab. Aus den langen Berichten hierüber, die in den hiesigen Zeitungen enthalten sind, will ich den Lesern des „Israelit" nur mittheilen, daß sich besagter Verein, der sich für eine in Basel eingeführte „Schlachtschußmaske" begeistert, von Neuem versuchen wird, wie cs in dein Bericht wörtlich heißt, „das bisherige quälerische „„vor den Kopf schlagen"" der Thiere durch die obige Methode zu verdrängen." Unter das Material, das Sie zu Gunsten der Schechita sammeln, möge auch dieses Faktum registrirt sein. O eft e r. - U n g ar. Monarchie. Wien, 36. Januar. Der niederösterreichische Landtag führte eine bewegte Debatte über die Petition um Aufhebung des internationalen Saatenmarktes zu Wien. Die Antisemiten erhoben gröbliche Beschuldigungen gegen die Juden. Der geistliche Abgeordnete Scheicher sagte, in Oesterreich