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Der Israelit · 1894-02-05 · Heft 11 (5.2.1894) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 11 (5.2.1894)
Date
1894-02-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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18S die erfreuliche Lhatsache Hinweisen, daß die fortschreitende Entwicklung unserer Schule und die schönen Erziehungs¬ und UnterrichtSerfolge, zu den besten Hoffnungen berechtigen. ES ist dies für uns um so tröstlicher, da wir seiner Zeit bei Gründung der Institution in dem uns von vielen Seiten begegnenden Zweifel, Jndifferentismus und Antipathie wenig Ermuthigung finden konnten. Unablässiges Bestreben und der sich allmählich verbreitende gute Ruf unserer Schule haben den Kreis der edlen Gönner wohl erweitert, aber leider noch immer nicht in dem Maße, wie es die Förderung eines gedeihlichen Unterrichtes und der Fortbestand der Schule bedingen, zumal wir momentan genöthigt find, ein den hygienischen Anforderungen entsprechendes Schullokal zu bauen, was uns enorme Kosten macht. Unser Verein verfolgt den Zweck, die Jugend in die hebräischen, vorzüglich talmudischen Wissenschaften einzuführen und dies auch solch armen Kindern zu ermöglichen, für deren Verpflegung wir sorgen müffen. In würdiger Erwägung dieses uns vorgestreckten Zieles und mit Rücksicht auf die uns zur Verfügung stehenden sehr spärlichen Mittel, sehen wir uns bemüßigt, an unsere theueren Glaubensgenofien, die flehentliche Bitte zu richten, dieser edlen Humanitären Aufgabe fördernd sich an die Seite zu stellen. Wir bitten zu beherzigen, daß die zur Verbreitung der Talmud Thora gebotene Unterstützung eine Wohlthat ist, welche, wie keine zweite, dem Wohlthäter ein dauerndes, segenreiches Andenken sichert. Wer die Jugend hat, dem gehört die nächste Generation. (Wie uns Herr Bezirks-Rabbiner Ehrenfeld mittheilt, treiben sich in verschiedenen Gegenden Deutschlands und Oesterreichs zwei Bachurim herum, die mit gefälschten Schriftstücken und Siegel des vorgenannten Vereins Spenden für denselben sammeln. Es wird gebeten, dieselben im Betretungsfalle anzuhalten.) Leipzig, 30. Jan. Die „Neue Deutsche Zeitung", das Hauptorgan der deutschsozialen (antisemitischen) Partei, stellt ihr Erscheinen ein. Der Grund soll in finanziellen Schwierigkeiten liegen. (Redakteur des Blattes war der dieser Tage aus der Partei ausgetretene Erwin Bauer.) Bei dem letzten OrdeuÄfeste erhielt Geheimrath Prof. Dr. Pringsheim den Rothen Adlerorden dritter Klasse, Geheimrath Prf. Dr. Cohn in Breslau und Prof. Dr. Herm. Cohen, in Marburg den Rothen Adlerorden vierter Klaffe. Herr Louis Oppe in Mühlhausen in Thüringen ist zum Provinziallandtagsabgcordneten für diese Stadt gewählt worden. Ferner ist Herr Gerichtsaffeffor Dr. Rosenstock zum besoldeten Stadtrath in Mühlhausen gewählt und als solcher seit Oktober 1893 dort angestellt. Derselbe wird auch wahrscheinlich jetzt dort zum zweiten Bürgermeister gewählt werden, da der bisherige zweite Bürgermeister seit dem 1. Januar pensionirt ist und Stadtrath R. viel Sympathien in Mühlhau'er Bürgerkreisen besitzt. Hilden, 27. Jan. (Antisemitisches.) In welcher Weise Agitatoren der antisemitischen Partei auftreten, um für ihre Sache Propaganda zu machen, beweist wieder ein Vorfall, der sich vorgestern in einem hiesigen Restaurant abspielte. Kommt da ein Herr aus Düfieldorf, schnüffelt in den auf den Tischen liegenden Zeitungen herum und frägt den Wirth, als er nicht findet, was er sucht, ob er denn die „Deutsch-Nationale Zeitung" nicht auflege. Auf die verneinende Antwort des Wirthes und dessen Bemerkung, daß es hier in Hilden keine Leser für dieselbe gäbe, machte er seinem Aerger darüber Luft und wandte sich, als der Wirth sich entfernen mußte, an den einen ihm wohl harmlos scheinenden Gast mit der Frage, ob er denn die Zeitung nicht halte. Dieser erwiederte ihm nun mit lächelnder Miene, daß eS ihm ganz gleichgültig wäre, ob fein Nebenmensch Christ, Türke oder Jude sei, er laffe Jedem seinen Glauben und solle man ihn auch nur ungeschoren lasten. Damit kam er aber schlecht bei dem Herrn Agitator an, denn aufbrausend bemerkte dieser darauf, es müßten in Hilden nur dumme Leute geben, wenn die „Deutsch Nationale Zeitung" nicht einmal hier gelesen würde und, als ihm geantwortet wurde, daß Hilden gar kein Feld für die Antisemiten wäre, erging er sich selbst soweit, dem Gaste zuzurufen, „und wenn eS nicht anders geht,-dann richten wir ein Blutbad an und Sie als Judenbeschützer sollen dann mit dran." Das mutz ihm nun doch wohl selbst etwas zu stark aufgetragen vorgekommen sein, denn gleich nach diesem Trumpf hielt er es für das gerathenste, fich seitwärts in die Büsche zu schlagen. — Der Typus eines Antisemiten: Großes Maul, kleines Gehirn und beispielslose Unverschämtheit. Prag, 22. Januar. In Pilsennetz wurden Sonnabend Nacht die Fenster sämmtlicher von Juden bewohnten Häuser zertrümmert. In Warschau starb Rabbi Jacob Landau. Sohn des berühmten verstorbenen Rabbi Abraham Landau aus Czechanow. R. Jacob war Rabbiner in Czechanow, lebte dann längere Zeit in Jerusalem und kehrte wieder nach Rußland zurück. Nach der „Hazephira" war er ein hervorragender Talmudist und wahrhaft frommer Mann. Die spanisch-portugiesische jüdische Gemeinde zu Montreal feierte dieser Tage ihr 125. Gründungsfest. Sie ist die fünfte auf nordamerikanischem Boden errichtete Gemeinde. Ihr gingen die Gemeinden New-Iork, Newport, Savannah und Charleston voraus. Der erste Ansiedler war der Proviantmeister Aaron Hart. Dr. H. Pereira Mendes hielt am Gründungstage eine Predigt, welche ein Muster von Kanzelberedtsamkeit genannt werden darf. Warschau, 28. Januar. Zwei Mordthaten, die in den letzten Tagen an jüdischen Familien im russischen Reiche verübt wurden, halten die Gemächer in unserer Gemeinde in voller Aufregung. In Chotin wurde eine ganze Familie, aus acht Köpfen bestehend, in der grausamsten Weise abgeschlachtet. Die Mörder befinden sich schon in den Händen der Justiz. In dem Dorfe Marinpol bei Witabsk wurden wieder die j-bischen Familien Abrahamo witsch und Mayersohn, im Ganzen siebzehn Personen, in der Nacht von Bauern ermordet und ihres Geldes beraubt, deren Häuser wurden dann in Brand gesteckt. Die verkohlten Leichen boten einen grauenhaften Anblick dar. Von den Mördern wurden acht festgenommen. Der Judenhaß macht eben die Menschen zu Bestien. Berichtigung. In der „Literarischen Umschau", Nr. 8, habe ich irrtümlich die Form ’1,n^ als die einzig richtige in der Bedeutung „Jüngling", erklärt; ich dachte jedoch nicht an Deuter. 32, 25, wo sich auch i1»-1? in dieser Bedeutung findet. 8. Feuilleton. Im Mahne des Glücks. (11. Fortsetzung.) Es klopfte an die Thür. Fräulein Pinne meldete ihrer jungen Herrin den Professor und zog fich bet seinem Eintritt diskret zurück. Das ernste, in altdeutscher Art ausgestattete Empfangszimmer, aus dem die breiten goldenen

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