Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 11 (5.2.1894)
- Date
- 1894-02-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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181 so fortgeht, der Jude auch von Christen im jüdischen Wissen überflügelt werden, wenigstens wirs diese Ueberflüglung in maßgebenden Kreisen angestrebt. Das entnimmt man recht deutlich aus den Bestimmungen der neuesten erst kürzlich erschienenen Verordnung bezüglich der Erlangung des theologischen (selbstverständlich katholisch-theologischen) Doctorates. Um zu dem ersten das gesummte Bibelstudinm des alten und neuen Testaments umfassenden Rigorosum zugelassen zu werden, muß der Kandidat die Vorlesungen über die semitische Dialekte, sowie über die höhere Exegese des alten und neuen Testaments wenigstens durch je ein Semester mit gutem Erfolge besucht haben und sich der Prüfung aus diesen Fächern unterziehen. Man trachtet eben tüchtige Theologen behufs Besetzung der geistlichen Aemter zu gewinnen; für den Juden hingegen gilt das Gegentheil, und das gibt zu denken. Rußland. Petersburg, 29. Januar. Der Senat hat soeben entschieden, daß nicht nur die jüdischen Branntweinhändler en detail, sondern auch die en gros ihre Waaren nur in ihrem eigenen Hause verschleißen dürfen. England. London, 30. Januar. Nach soeben eingetroffenem Telegramm wirre, wie wir an anderer Stelle bereits berichteten, Herr Dr. M. Lern er, Prediger der hiesigen Federation of Synagogues zum Oberrabbiner der Gemeinde Altona erwählt. Obzwar die vielen Freunde dieses tief gelehrten und echt frommen Mannes bedauern, ihn aus ihrer Mitte scheiden zu sehen, so freuten sie sich dennoch mit dieser Botschaft, weil sich hiedurch dem strebsamen Manne ein neuer, größerer Wirkungskreis eröffnet. Wir können der Altonaer Gemeinde zu dieser Acguisilion gratulieren, indem sich Herr Dr. Lernen an die Reihe der berühmten Männer, welche den Rabbinatssitz dieser alten r&ip seit Jahrhunderten besetzt hatten, würdig anschließt. Egypten. Cairo Herr Gr ün b e r g, Präsident des hiesigen aschkenasischen Beni-Berith-VereineS, weilte drei Tage in Angelegenheit des Regiernngserlasses betreffs der russischen Emigranten in Alexandrien. Der Beni-Berith-Verein der letzteren Stadt beschloß gegen den Vorstand der dortigen jüdischen Gemeinde Stimmen zu sammeln, welcher eigentlich jenen famosen Regierungserlaß gegen die russischen Juden veranlaßte, indem er in seiner Engherzigkeit eigens darum bei der Regierung petiriontrte, und dieser die Rolle der Antisemiten spielende Vorstand wäre sicher gestürzt worden, wenn Baron Menasche und Ritter von Tilke, die Maßgebenden im Vorstande und die traurigen Helden dieser unjüdischen That, des Unterschriftensammelns nicht dadurch Einhalt gerhan hätten, daß sie drohten, wenn sie aus dem Vorstande verdrängt würden, sich von der Gemeinde selbst vollständig zurückzu ziehen, was allerdings der Ruin der Gemeinde wäre, denn innerhalb dieser engen Sphäre leisten sie wirklich Erhebliches. Wenn aber auch der Plan, diesen Vorstand zu stürzen aufgegeben wurde, so sind doch vier Mitglieder freiwillig aus demselben ausgetreten, darunter Herr Salom Tobt, der sich stets der zugereisten russischen Juden wohlwollend angenommen und auch sonst bei jeder Gelegenheit sein weites jüdisches H^rz bekundet. Besagte vier Mitglieder erklärten ausdrücklich, daß sie einem jüdischen Vorstande nicht angehören können, der antisemitische Tendenzen verfolgt. Am 12. Januar hätte die Ersatzwahl für diese vier Mandate statlfinden sollen, konnte aber nicht vorgenommen werden, weil die Wähler durch ihre Passivität gegen den Vorstand demonstrirten, und nicht zur Urne schritten. Baron Menasche hat vom Chacham Baschi in Jerusalem, wie von der „All. Jsr." in Paris Tadelsnoten zugeschickt bekommen, und wenn er nicht selbst bereits seine Handlungsweise bereut, so ist doch alle Aussicht vorhanden, daß der in Rede stehende Erlaß baldigst wceder aufgehoben werden dürfte, denn der Beni-Berith Verein in Alexandrien hat eine Geldsammlung eingeleitet und der Minister hat sich bereit erklärt, sobald die Mittel zur Erhaltung der Einwandernden in der ersten Zeit vorhanden sind, das Einwanderungsverbot zu widerrufen. vermischtes. R Worms. Wer heute unseren berühmten isr. Friedhof besucht, besonders den alten Theil, wird erstaunt sein, in welch geordnetem Zustande sich derselbe befindet. Biele Grabsteine, welche auf dem Boden lagen, oder schief gestanden, sind senkrecht gestellt worden, dabei wurden -eine große Zahl, die i n der Erde lagen, gehoben und zwar sind die Inschriften, die in's 15. Jahrhundert zurückreichen, vortrefflich erhallen. Mit Beginn des Frühjahrs sollen die Arbeiten fortgesetzt werden. Worms. Der erst kürzlich dahier verstorbene Herr Leopold Schefiel hat testamentarisch dem hiesigen jüdischen Hospital Mk. 1700, den Armen in Jerusalem Mk. 500, der Stadt zur Beschaffung von Kohlen für Arme Mk. 1500 bestimmt. Stei« a. Kocher. Der hiesige Einwohner > Wolf Holzer beging mit seiner Frau das Fest der diamantenen Hochzeit. Mattcrsdorf. Der Jahresbericht des Vereines Jesode- Thoras-Emetz zu Mattersoorf über das Verwaltungsjahr 5653 weist eine Einnahme von 1822 ft. auf, die bis aus 61 fl. verausgabt wurden. Mit Befriedigung können wir, heißt es im Bericht, auf