Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 11 (5.2.1894)
- Date
- 1894-02-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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180 mit diesem herrlichen, hoffnungsvollen Weibe in das Grab. Sie entstammte der Familie Zeitlin in Leipzig; ihr Großvater, R. Josua Zeitlin, war der Spender fürstlicher Wohlthätigkeitsakte für Palästina. Die Verklärte genoß eine vortreffliche Erziehung: ihr Wissen überragte weit das Durchschnittsmav gebildeter Frauen. Dazu traten selten treffliche Charaktereigenschaften. In Sturm und Hitze eilte sie in die entlegensten Wohnungen; wo eine arme Braut war, sammelte sie, wo eine Thräne zu trocknen war, war Frieda Blume nt hal bereit, sie zu trocknen. Ihr frommes Gebet im Gotteshause war sprüchwörtlich geworden. Da nahte das Verhängniß. Sie schenkte einem Sohne das Leben, und der Sohn wurde ihr ein „Ben oni“, ein Kind des Schmerzes; nach mehrtägigem Fieber entschlief die herrliche Frau. Ein Zeugniß von der Verehrung, deren die Entschlafene sich erfreute, legte die Beisetzung ab. Viele Tausende folgten, ohne Unterschied des Ranges und Bekenntniffes, der Bahre. Der trauernde Gatte rang sich im Sterbehause, anknüpfend an das 6. Kapitel des Jesaia, Worte erschütternden Wehes ab. Von auswärts waren erschienen der von der Gemeinde berufene Rabbiner Dr. Rosenthal aus Breslau, ferner Rabbiner Dr. Cohn aus Kattowitz, Rabb. Dr. G o l d s ch m i d t Königshütte, Rabb. Dr. Löwen thal-Tarnowitz, Rabbiner Dr. Klopfst ein-Beuthen, Rabbiner Dr. Kra kauer- Leobichütz. Auf dem Friedhofe, wo die Gemeinde der Todten einen Ehrenplatz zugewiesen, sprach Rabb. Dr. Ros ent hal in ergreifenden Worten, sodann Namens des oberschlesischen Rabbinerverbandes Rabb. Dr. Krakauer und im Namen der Freunde und Verehrer der Dahingeschiedenen Rabb. Dr. Goldschmidt. Kein Auge blieb thränenleer, als man die sterblichen Reste des unglücklichen jungen Weibes in den Staub bettete Doch sie wird im Kreise ihrer Wirksamkeit nicht vergessen werden, und so oft wir treffliche jüdische Frauen nennen werden, die ihrem Gatten, ihrem Nebenmenschen eine Zierde und Ehre gewesen, wird der Name von Frau Rabbiner Dr. Frieda Blumenthal in Ehren genannt werden. Oesterr.-Ungar. Monarchie. K Prag, 23. Januar. Gestern fand in der Aula der hiesigen deutschen Universität in feierlicher Weise die kromotio sub auspiciis imperatoris unseres Glaubensgenossen Herrn Carl Sohr zum Direktor der Rechte statt. Nachdem der Kandidat unter den üblichen Feierlichkeiten vom Rektor der Universität zum Licentiaten und sodann zum Doktor der Rechte promovirt worden war, übergab ihm Sr. Exc. der Herr Statthalter im Namen Sr. Majestät einen kostbaren Brillantring mit den Initialen und der Krone des Kaisers. Im Laufe der letzten zwanzig Jahre ist Herr Dr. Sohr der dritte Jude, dem diese hohe und seltene Auszeichnung zu Theil wurde. Vor ihm waren es der bereits verstorbene Advokat Dr. Kind und der nunmehrige außerordentliche Professor des Bergrechts an der Prager deutschen Universität Dr. Frankl. In Weinbergen, dem jüngst. Vororte Prags, ist die Frage des Synagogenbaues acut geworden, so zwar, daß die Zeit nicht mehr gar so fern ist, in welcher sich dort ein prachtvolles isr. Gotteshaus erheben wird. Der Bau desselben ist mit 150,000 Gulden prälimintrt und für denselben sind bereits Baupläne und Bauprojecte von dem rühmlichst bekannten Architekten und Baurathe Wilhelm Staßny in Wien eingelaufen, die bereits Gegenstand der eifrigen Berathung des Vorstandes der israel. Gemeindevertretung von Weinbergen sind. Bet dem Umstande, daß jener Vorort 6000 jüdische Seelen zählt, wird auch eine Synagoge, deren Raum für 2000 Personen berechnet ist, geradezu Bedürfniß, nur soll man sich schon heute davor hüten, dem Baumeister nach Vollendung des Baues einen Prozeß anhängig zu machen, wenn sich nachher Herausstellen sollte, daß anstatt 2000 Personen keine hundert hineingehen würden. Eine so traurige Erfahrung macht man jeden Freitag beim Abend- und Samstag beim Morgengottesdienst fast in allen hiesigen Synagogen mit Ausnahme des Tempels, der sich eines ziemlich zahlreichen Besuches erfreut. Da'clbst findet seit einigen Wochen über Anordnung der hiesigen Cultusgemeinde Repräsentanz an jeden Sabbat (in der Mittagsstunde) ausgenommen einen etwa aus denselben fallenden Ferialtag, ein mit Exhorte verbundener Gottesdienst für die israel. Mittelschüler statt, bei dem auch von den Religionslehrern der verschiedenen Gymnasien und Realschulen, und zwar jeden Sabbat von einem andern, die Predigt gehalten wird. Wir haben jetzt in Böhmen, Dank einer Mtuisterialverordnung, als einer Reliquie aus der Taaffe'schen Aera, Lehrer, die mehr Rabbiner sein wollen, obgleich viele von ihnen nicht einmal über das Alpha rabbinischen Wrssens hinweg sind. Es ist kaum zu glauben, daß sich die österreichische Negierung jemals dazu entschlossen hätte, etwaigen Mangel an katholischen Priestern durch von Nachweisen allgemeiner Bildung dispensirten Lehrer, die bar jedes theologischen Wissens sind, wett zu machen. Mit den Juden konnte man sich schon einen solchen Vorzug gestatten/ dafür hält man uns ja für eine bevorzugte Rasse. Wenn man von den Geistlichen kein jüdisches Wissen verlangt, welchen Anspruch kann man da an die Laien und insbesondere an die Jugend stellend Es wird, wenn es