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Der Israelit · 1894-02-05 · Heft 11 (5.2.1894) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 11 (5.2.1894)
Date
1894-02-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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179 drücken, wird als schwerer Verbrecher gebrandmarkt (Das. 112.) Wehe dem, der sich bereichert durch die Ausbeutung des Arbeiters, der ihn betrachtet als wäre er nur zu seinem Dienste da, als wäre er nicht sein Bruder, sein Nächster, der denselben Anspruch auf die Erde mit ihren Erträgnissen hat, wie die sogenannten Herrnleute (Jesaias 5, 8 und Jeremiah 22, 13.) Es genügt nicht nach Gesetz und Recht allein hier vorzugehen, sondern es wird mehr als das verlangt, Liebe, Menschenfreundlichkeit, Barmherzigkeit, Güte, Edelsinn und Hochherzigkeit (Baba Meziah 30, b.) Hierin gab es keinen Unterschied zwischen israelitischen und heidnischen Arbeitern. Wohl gab es auch Sklaven unter den Hebräern, aber diese durften nicht minder liebevoll behandelt werden, als die freien Arbeiter. Auch der Sklave mußte als gleichberechtigter Bruder, als Gehilfe, als ebenbürtiger Mitarbeiter des Herrn berücksichtigt werden, wie wir dies ja erst im vergangenen Wochenabschnitt haben verlesen hören. Was würden die Herrschaften von heute dazu sagen, wenn ihnen das Gesetzvorschriebe, dem Arbeiter keintanderes Menü aufzutischen, als das sie selbst genießen, keinen andern Wein den Dienstleuten zu verabreichen, als den sie selbst trinken und ihnen ein so bequemes Nachtlager zu geben, wie sie sich selbst zum Ausruhen gönnend Man würde eine solche Verordnung für überspannt halten und lächelnd darüber sich hinwegsetzen. Thatsächlich war aber dieses Gesetz in Israel in Bezug auf den Sklaven. (Kiduschin 20, a). (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 26. Jan. Das Militär-Ehrengericht des Bezirkskommandos Teltow verhandelte am 23. d. gegen den Rechtsanwalt Dr. Hertwig aus Charlottenburg. Das Vergehen Hertwigs besteht nach Ansicht der Militärbehörde in der Ueberreichung zweier Beweisanträge an den Gerichtshof im Judenflintenprozeß, durch deren Inhalt die militärischen Sachverständigen und der Kriegsminister beleidigt sein sollen. Rechtsanwalt Hertwig war zur Verhandlung nicht erschienen; das Urtheil, das auf Ausschluß Hertwigs aus dem Offizterkorps lauten soll, bedarf der kaiserlichen Bestätigung. Berlin, 26. Jan. In dem Prozeß gegen die Schriftsteller Schwennhagen und Plack Podgorsky wegen Beleidigung des Fmanzministers Dr. Miquel sind, wie die „Post" mittheilt, nun auch die Buchhändler Glöß in Dresden und Dewald in Berlin hineingezogen worden. Die strafbare Handlung des Angeklagten Plack-Podgorsky ist in der Veröffentlichung der Broschüre „Pharisäer und Heuchler. Die Stützen des Staates und die Leuchten des Parlaments" gefunden worden. Da Glöß diese Broschüre gedruckt, Dewald sie verlegt und verbreitet hat, so ist das Strafverfahren auf Grund des Preßgesetzes auch auf sie ausgedehnt worden. Hamburg, 25. Jan. Ein imposanter Leichenzug bewegte sich heute Morgen um 10 Uhr vom Glockgreßerwall nach dem israelitischen Begräbnißplatz in Ottensen. Es wurde der durch seine Wohlshäügkeit allgemein bekannte Privatier Herr H. E. Edwards begraben. Derselbe war im Jahre 18 i 6 trt Pyrmont geboren und vor vielen Jahren von England nach hier übergesiedelt. Er hat für seine zweite Vaterstadt viel Gutes gestiftet, und namentlich auch für milde Stiftungen, die in jüngster Zeit gegründet wurden (u. a. war das israelitische Altenhaus in der Luisenstraße sein Werk), namhafte Beträge hergegeben. Er übte Wohlthätigkeit in discretester Weise und vielen Nothletdenden hat er geholfen und manche Thräne getrocknet. Die Beerdigung legte Zeugniß davon ab, welche beliebte Persönlichkeit aus dem Leben geschieden ist. Denn ein aus mehr als 60 Equipagen bestehendes Gefolge gab dem Dahingeschiedenen das letzte Geleite. Es befanden sich darunter der Israelitische Gemeinde-Vorstand, sowie Deputationen verschiedener Wohlthätigkeits Anstalten und die Bewohner des altes Stiftes, sowie viele Freunde des Verblichenen. Am Grabe wurde, da der Verstorbene jeden Prunk bei der Beerdigung sich verbeten hatte, nur von einem Mitgliede der Verwaltung des Altenhauses einige Worte über den Dahingegangenen gesprochen, womit die Feier ihren Abschluß fand. In Chemnitz haben Verhandlungen der deutschsozialen Partei in Sachsen stattgefunden. Ein Antrag ging dahin, die Centrale der deutschsoztalen Bewegung von Leipzig nach Chemnitz zu verlegen. Begründet wurde dieser Antrag mit den letzten unliebsamen Vorkommnissen in Leipzig, die zum Verfall der Bewegung in ihrer Geburtsstätte geführt hätten. Dagegen mache die deutschsoziale Sache in Chemnitz so ungeheure Fortschritte, daß es nur recht und billig sei, die Leitung des Landesverbandes nach Chemnitz zu erlegen. Nach längerer Debatte wurde der Antrag angenommen. Ratibor, 31. Dezember. Ein echt jüdisches Weib, eine wahrhafte njruu nrx, haben wir am letzten Montag zu Grabe tragen müssen, Frau Rabbiner Dr. Frieda Blumenthal, die in der Lenzcsblüthe ihres Lebens, wenige Tage nach der Geburt eines Sohnes, 22 Jahre alt, in eine bessere Welt am Eingang des Sabbats abberufen wurde. Edel, fromm und gut — f .» war die Verklärtet Das Muster einer jüdischen Frau sank

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