Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 10 (1.2.1894)
- Date
- 1894-02-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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167 vor die Alternative, ob wir es mit dem einen oder dem anderen halten oder verderben wollen. Und wenn sich der Gottesbund, der zwischen Gott und jeder treuen Menschenseele waltet, darin manifestirt, daß dieselbe Gott und nicht daS geräuschvolle, imponirende Weltleben fürchtet, daß sie vor jenem und nicht vor diesem sich beugt, so ist es die Thora im Munde der Sterblichen, die diese heldenmüthige Hingebung zu Wege bringt. „Mein Bündniß besteht mit ihm: das Leben und der Friede! Ich stelle sie ihm als Gegenstand der Furcht hin, er aber fürchtet mich, und vor meinem Namen beugt er sich. Das ist die Thora der Wahrheit, die in seinem Munde lebt" u. s. w. (Malaechi, C. II, V. 5, 6. Aber die Thora, nicht nach ihrem gewöhnlichen Wortsinn, sondern erklärt und verklärt von dem Geiste der Weisen und ihrem deutenden Worte, wie ihn in unübertroffener Meisterschaft Raschi's Commentar als Fassung um die kostbare Gottesperle fügt. Was gibt es Größeres, dem Menschen mehr Jmponirendes, als das große Universum, das uns alle umfängt, als der Boden, der uns trägt, als der Himmel, der sich über uns wölbt, als diese ganze Umgebung, in der wir unser Dasein verbringen, an die wir mit unserem Wohl und Weh durch zahllose, lausenden von Fäden geknüpft sind? Was kann es Interessanteres, Wichtigeres geben, als die Entstehung und Entwickelung dieses ganzen Universums kennen zu lernen, wie sie uns in den ersten Blättern der Thora geschildert wird? Rasches erste Bemerkung zur Thora leitet mit dem ganz selbstverständlichen Gedanken ein, es gäbe noch etwas Bedeutungsvolleres als das große, in seinem Entstehen hier geschilderte Weltganze. Viel wichtiger als die Gesetze, nach denen Himmel und Erde entstehen und bestehen., als die Gesetze, nach welchen Sonne und Mond ihre Bahnen gehen, der Wassertropfen steigt und fällt, die Pflanze keimt und verwelkt, sei doch für uns das Gesetz unseres eigenen Lebens, nach dem wir unseren Wandel in Gottes Welt zu vollziehen haben, damit hätte die Thora eigentlich beginnen müssen, mit der ersten Pflicht, deren Erfüllung das Gottesvolk auf Erden zu einem solchen Volke macht, rrnnn nt* S'nnn1? -pst irn t*b pmr di ~>dn ■nüyjff rutwn mso tonp oib nin tcnnno .'dt mPK-pn nns oyö noi Wenn die Thora aber dennoch damit nicht beginne, so stehe sie nichtsdestoweniger auch mit der Reihenfolge, welche sie einhält, im Dienste dieser Wahrheit. Um den Boden, auf dem das Gesetz Gottes an den Menschen einst zur Verwirklichung kommen soll, als Gottes-Erde zu documentiren, dafür mußte Gott uns zuerst als Weltschöpfer gelehrt werden, bevor wir ihn als unseren Gesetzgeber kennen. In Wirklichkeit sei die ganze Welt mit dem Menschen nur ins Dasein gerufen, um dieses Gesetz zu verwirklichen u. s. w. Braucht es mehr, als diese und ähnliche Wahrheiten, wie sie uns hier auf Schritt und Tritt begegnen, unseren Kindern zu eigen zu machen, um sie unverlierbar für das Judenthum zu gewinnen? Nach dem mp» btt iviSD, nach dem einfachen Wortlaut kommt erst die Welt mit ihren Ansprüchen und dann erst die Thora mit den ihrigen. Nach der Auffaffung unserer Weisen, die Raschi's Kommentar volkstümlich gemacht hat, steht das ganze Universum im Dienste der Wahrheiten, welche unsere Thora ausmachen, kann es somit keinen Gegensatz zwischen der Offenbarung Gottes in der Gestaltung der Welt und der Gottesoffenbarung in der Thora geben. Jeder solcher Gegensatz ist nur ein scheinbarer und muß mit dem endlichen Sieg der Thorawahrheit enden, für deren Realisirung die Welt lediglich geschaffen wurde. — Und das alles wird nicht docirt, nicht im Frag- und Antwortspiel auswendig gelernt und geprüft, sondern das alles ergibt sich von selbst, wie die Luft, die wir athmen, sobald wir unsere Kinder Thora lehren, nach der Methode, wie es unsere Altvorderen seit undenklichen Zeiten gethan. — Dann mögen wir ohne Erröthen die Bitte, ohne Verzagtheit die Hoffnung täglich neu in Worten kleiden, bevor wir unser Tagewerk beginnen: D'jnnn ,v vtddV utoptp 'n ton pa nDmn yaa otny »»m now mm iojt mmn iront* 123^3 db^t lrmnii nnD*1 HIN pnb yw ab ]vrb nbw 33^>3 nsy^i uwn rwy^i .n^N3^ „Segen und Preis unserem Gott, der uns zu seiner Ehre geschaffen und uns von den Irrenden geschiedcn (welche das zeitliche Leben den Ansprüchen der Thora voranstellen), indem er uns die Thora der Wahrheit gegeben und dann erst das Leben der zeitlichen Welt in uns gepflanzt hat. — Er möge unser Herz mit seiner Thora eröffnen, (daß die Thora auch uns das erste sei, woran das Herz hängt), indem Er in unser Herz die Liebe zu Ihm und Furcht vor Ihm legt, um Seinen Willen zu Ihun und Ihm zu dienen mit ganzem Herzen, damit wir uns nicht vergeblich abmühen und (unsere Kinder) nicht zur Bestürzung geboren haben." Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Wiesbaden, 29. Jan. Herr Rabbiner Dr. S. Süskind, der frühere langjährige Rabbiner der