Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 10 (1.2.1894)
- Date
- 1894-02-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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hiesigen israelitischen Reformgemeinde, ist in Frankfurt a. M., wohin er sich in den Ruhestand zurückgezogen hatte, verstorben. Berlin. Am Freitag Abend hielt Herr Professor Dembo auS St. Petersburg in der phsiologischen Gesellschaft über „die verschied nen Schlachtmethoden" einen Vortrag, der die Resultate jahrelanger Studien auf diesem Gebiete in Rußland, Deutschland und der Schweiz zusammenfassend darstellte. Das Thema hatte insofern ein aktuelles Interesse, als dabei in eingehender, sachgemäßer Weise auch das jüdische Schächten der Thiere besprochen wurde, das im Augenblick zahlreichen Angriffen seitens der Antisemiten und auch einiger Thierschutzvereine ausgesetzt ist. Die qualvollsten und inhumansten Tödtungsarten, so führte der Vortragende aus, sind die mittelst Nackenstich und der Maske. Beim Nackenstich bleibt das Thier bei vollem Bewußtsein, wie eine zur Prüfung der Schlachtmethoden in Petersburg eingesetzte Kommission, der er auch angehört hatte, durch wiederholte Versuche bewiesen hat. Hunde und Ochsen fraßen nach dem Nackenstich noch ihnen dargereichtes Futter; ja ein Hund war noch bei so klarem Bewußtsein, daß er das Futter von einem Wärter, der ihn stets schlecht behandelt hatte, abwies, dagegen von einem anderen Wärter, der ihn gut behanrelt hatte, annahm. Bei Anwendung der MaSke waren durchschnittlich 4—5 Schläge erforderlich, ehe der Bolzen ins Gehirn eindrang, und auch dann schwand das Bewußtsein noch nicht, da das Rückenmark, wie die von Professor Dembo gemachte Sektion erwies, absolut nicht verletzt war. Um eine Betäubung hervorzurufen, waren bei 4000 beobachteten Fällen durchschnittlich 8—9 Schläge erforderlich. Es ist nun eine durch die Wissenschaft bewiesene Thatsache, daß Verhinderung der Blutzufuhr zum Gehirn unbedingt momentane Bewußtlosigkeit zur Folge hat. Dies wird erreicht beim Durchschneiden der beiden Halsarterien, wobei — nach höchstens 4 bis 5 Sekunden volle Bewußtlosigkeit eintritt. Demgemäß wäre die Schlachtmethode, wenn man den Ausdruck anwenden darf, die idealste, welche die Blutzufuhr zum Gehirn unmittelbar abschneidet. Einem solchen Ideal kommt am nächsten der seitens der jüdischen Schächter geübte Halsschnitt. . Eine Frage von höchster Wichtigkeit ist andrerseits die betreffs der Haltbarkeit des Fleisches. Thatsache ist, daß, je weniger Blut im Fleische bleibt, letzteres um so haltbarer ist. Prof. Dembo schlachtete 3 Kaninchen von demselben Wurf und fast gleicher Größe nach 3 verschiedenen Methoden. Das erste wurde geschachtet, das zweite nach der Berliner Methode, durch Betäubung und Halsschnitt getodtet, das dritte durch Betäubung und Bruststich. Beim ersten flössen bei einer Blutmenge im Körper von 111 Gramm 80 Gramm, beim zweiten bei 103 Gramm 50 Gramm, beim dritten bei 108 Gramm nur 30 Gramm Blut aus. Aus diesen überraschenden Versuchen geht hervor, daß deshalb das Schächten die beste Methode sei. Das haben auch etliche Berliner Großschlächter erkannt, und diese tödten ihr Vieh auf diese Weise, um dadurch ein besseres, haltbareres Fleisch zu erzielen. Die Gesellschaft schloß sich den interessanten Ausführungen des Prof. Dembo vollständig an, nur von einer Seite wurden Zweifel gehegt, ob das zum Schächten nothwendige Niederlegen der Thiere für diese nicht qualvoller und seelisch schmerzlicher sei als das Betäuben durch Kopfschlag. Dagegen erwiederte Prof. Dembo, daß von seelischen Schmerzen beim Vieh gar keine Rede sein könne nach all den Erfahrungen, die er gesammelt hätte. Ein Rind läßt sich meist vom kleinsten Jungen ohne Widerstreben ins Schlachthaus führen, wo ihm der Blutdunst entgegensteigt, wo es die Leichen seiner getödteten Artgenoffen erblickt, und wartet ohneIje'oes Zeichen der Angst oder Furcht auf den Todesstreich. Was das Niederlegen anbelangt, so hat man jetzt ganz einfache Methoden, bei denen absolut keine Qual stattfindet, und die ja auch bei kranken Thieren zwecks Heilung angewendet werden. Durch einen Kopfschlag tritt aber nie Bewußtlosigkeit ein. Daß das Thier fällt, ist kein Beweis dafür, denn es ist vorgekommen, daß Ochsen, die man schon für bewußtlos hielt, wieder aufsprangen und das größte Unheil anrichteten. Auch kranke Menschen halten die Aerzte bisweilen für bewußtlos und besprechen ihren unvermeidlichen Tod - und nachher erzählt der Kranke, daß er alles gehört hätte, nur nicht im Stande gewesen wäre, Lebenszeichen von sich zu geben. Betäubte Schweine sind wieder aus dem Siedekessel gesprungen. Selbst beim Kaninchen genügten zwei Schläge nicht — beim ersten Schlag blieb es noch bei vollem Bewußtsein — was kann man da beim Rind erwarten? Betrachtet man die Sache vom physiologischen und sanitären Geschichtspunkte, so ist das Niederwerfen und Durchschneiden der Halsarterien (die jüdische Schächtmethode) zur Zeit als die beste Tödtungsart zu bezeichnen. Rußland. Petersburg, 27. Januar. Im Gebiet von Turkestan ist die Erwerbung von Land und überhaupt von Jnzmobilien nur solchen Aktiengesellschaften oder Kompagnien mit Anthetlscheinen gestattet, die statutengemäß ausschließlich aus russischen Unterthanen christlicher Konfession, aus Richtchristen örtlicher Herkunft oder aus Eingeborenen der an Turkestan grenzenden mittelasiatischen Reiche bestehen. Di- Gesuche solcher Gesellschaften um die Genehmigung zum Erwerb von Land oder Immobilien sind durch den Generalgouverneur dem Kriegsminister vorzustellen, der seine Entscheidung im Einverständniß mir dem Finanzminister trifft. Kiew. Herr Lazarus Brodsky hatkürzlich dem hiesigen Stadtrath 1,200,000 Rubel zur Gründung einer Volksbank angeboten. Diese Volksbank soll Handwerkern von Südrußland Darlehen zu 6 Prozent auf die Dauer von 3 bis 5 Jahren bis zu 5000 Rubel gewähren. Die Bank ist, um ihre Hilfsquellen zu vergrößern, zu allen finanziellen Operationen berechtigt. Ein Viertel der Einnahme soll als Reserve dienen. Der Rest soll verwendet werden, um sehr bedürftigten Handwerkern unter die Arme zu greifen. Die Hälfte der Mitglieder des Verwaltungsraths muß aus israelitischen Einwohnern der Stadt Kiew bestehen. Die israelitischen Handwerker haben das Recht auf die Hälfte des Betrages aller Darlehen. Briefkasten der Redaction. Akiba Frey, RabbinatScandidat in Duna-Szerdshely. Ein Artikel über das berührte Thema folgt demnächst. Briefkasten der Expedition. Baden 823 Ist bei Herrn Dr. R. Siemens, Hofapotheker in Fulda erhältlich.