Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 10 (1.2.1894)
- Date
- 1894-02-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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-W*'-.' ilL.H- W»»ayi»ji*^,|«l’«^~*V*-».UW>^JI -'C’r-'.- " — 161 sozialen Partei, unter gleichzeitiger Ntederlegung aller seiner Aemter. R. Speyer. 19. Januar. Die hiesige Synagoge, an welcher im letzten Jahre umfangreiche Restaurationen vorgenommen, wurde wiederum am vergangenen Samstage unter besonderen Feierlichkeiten eingeweiht. Die hiesige Gemeinde war die erste, welche den gemischten Chorgesang mit Orgelbegleitung in ihrem Gotteshause einführte! Speyer. Worms, Mainz, wo ist Euer alter Ruf geblieben? L. Aurich, 27. Januar. Der heutige Sabbat war für unsere Gemeinde ein Tag von ganz unvergleichlicher Bedeutung. Es galt vornehmlich dem Abschiede unseres hochverehrten Rabbiner Dr. Fink, welcher einem ehrenvollen Rufe zur Uebernahme des Bezirksrabbinats Zwittau folgt. Mit hochgespannten Erwartungen sahen alle der Abschiedspredigt entgegen, allein dem hochbegabten Redner standen diesmal Worte und Töne zur Verfügung, welche selbst diese weit übertrafen. Ausgehend von dem Spruche nsT p'ist aisn £ano beleuchtete er zunächst an der Hand der ersten Hälfte die hervorragendste Tugend unseres gel. Kaisers: die Gerechtigkeit in warm empfundenen Worten. In der zweiten Hälfte des Vortrages legte Herr Dr. Fink an der Hand des zweiten Gliedes jenes Ausspruches der Gemeinde nochmals die Giundgedanken seiner Wirksamkeit ans Herz. Das waren Töne, von solch packender Gewalt, von solch einziger Weihe, daß deren Eindruck noch lange Zeit nachklingen wird. Die Wirksamkeit des Herrn Dr. Fink konnte nur den schönsten Abschluß finden. Er hat es verstanden, sich in hiesiger Gemeinde zu verewigen und sein Name wird in deren Mitte stets mit Segen genannt werden. Möge die Zukunft in seinem neuen Wirkungskreise sich zu einer recht glücklichen gestalten: das ist der Wunsch, der hier in allen Herzen lebt. Rheinbischofsheim, 19. Januar. Heute hatte unser Veteranenverein die traurige Pflicht, einen Kameraden zu Grabe zu tragen. Moses Kahn, 36 Jahre alt, diente beim 4. bad. Infanterie-Regiment Nr. 112 und war ein treues Mitglied unseres Vereins. Er hinterläßt eine trauernde Wittwe und vier erwachsene Kinder. Er war ein braver und ehrenhafter Mann. Der Verein gab dem Dahingeschiedenen mit umflorter Fahne das Geleite zur letzten Ruhestätte. Aus dem Elsaß. Die vor zwei Jahren begründete Unterstützungs- und Pensionskasse für Wtttwen und Waisen der Rabbiner erfreut sich, nach dem uns vorliegenden zweiten Jahresbericht, dank der bereitwilligen Beisteuer zahlreicher Wohllhäter aus allen Theilen des Reichslandes sowie wohlwollender Unterstützung der Regierung, eines glücklichen Gedeihens. Sie besitzt bereits ein Vermögen von 14616 Mk. Die Regierung gab einen Zuschuß von 2000 Mk. Von Präsident Lanz in Mühlhausen gingen 2000 Mk. ein, außerdem noch 2000 Mk. für die zu gründende Versorgungskasse für Wtttwen und Waisen der Vorsänger. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie», 25. Jan. (Israelitische Handelsreisende in Rußland.) Wie wir vor Kurzem berichteten, hat der Oesterreichisch-ungarische Exportverein in einer Eingabe an das Ministerium des Aeußern auf die Thatsache hingewiesen, daß mehrere österreichischeHandelsreisende israelitischer Confesston, welche im Aufträge hiesiger Jndustriefirmen Rußland bereisen wollten, von der Polizetdirektion in Warschau verhalten wurden, das Land sofort zu verlassen, ohne das Innere Rußlands betreten zu dürfen. Das Ministerium wurde gebeten, dahin zu wirken, daß den österreichischen Staatsangehörigen ohne Unterschied der Confesston der Aufenthalt in Rußland bewilligt werde. Hierauf hat nun das Vereinspräsidium vom Ministerium eine vom 28. v. M. datirte Zuschrift erhalten, worin unter Anderm gesagt wird: „Die Beschränkungen, welchen in Rußland der Eintritt und der Aufenthalt fremder Israeliten unterworfen sind, beruhen auf gesetzlichen Anordnungen. Ein vertragsmäßiger Anspruch darauf, daß diese Beschränkungen gegenüber Israeliten österreichisch-ungarischer Nationalität keine Anwendung finden sollen, vermag nicht erhoben zu werden. Das Ministerium des Aeußern befindet sich daher nicht in der Lage, dem Einschreiten Folge zu geben; es ist übrigens gerne bereit, wie dies auch bisher geschehen ist, in einzelnen Fällen von besonderer Rücksichtswürdigkeit dem Ansuchen um Bewilligung eines zeitlichen Aufenthaltes in Rußland seine Unterstützung bei der kaiserlich-russischen Regierung nach Thunlichkeit angedeihen zu lassen." Wien, 28. Jan. Der galizische Reichsrathsabgeordnete Dr. Bloch hat an den Justizminister einen offenen Brief gerichtet, dem folgender Thatbestand zu Grunde liegt: Vom k. k. Bezirksgericht in Stantslau wurden die jüdischen Mehlhändler Fischl Wundermaun und Moses Tennenbaum wegen Ehrenbeleidigung und Uebertretung zu vierzehn und sieben Tagen Arrest verurtheilt. Das ^-Urtheil wurde begründet mit dem Satze, daß die jüdische Frechheit und Raffinirtheit seit ^einiger L Zeit, alle Grenzen der Geduld überschreite, so daß es zieme, einmal mit einer empfindlicheren Strafe ihre Gefährlichkeit für die andersgläubige Bevölkerung zu kennzeichnen. Dr. Bloch lenkt die Aufmerksamkeit des Justizministers auf die Begründung und sagt, die Gesammtheit der jüdischen Bevölkerung Stanis-