Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 10 (1.2.1894)
- Date
- 1894-02-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448412-2448421--37897-2485982- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
160 dann liegt es nicht in unserer Hand, diesem Haß ein Ende zu machen. Dann müssen wir unser Schicksal wie seit Jahrtausenden Demjenigen anheim stellen, zu dessen Ehre wir uns dem Haß unserer Umgebung aussetzen. Unsere Feinde und unsere Freunde begegnen sich in dem uns zu ertheilenden Rath: „Stellt eure absonderlichen Gesetze ab, dann seid ihr die Unsrtgen Hat der Judenhaß diejenigen verschont, die diesen Rath befolgt haben? Hat er sie gerade nicht noch tiefer verletzt als die Treugebliebenen, indem er ihnen bei jeder Gelegenheit vorhält, sein Kampf gelte gar nicht den orthodoxen Juden, die treu zu ihrer Sache stehen, sondern den Modejuden, die ihr Judenthum verleugnen? So schlecht sich dieser Rath und seine praktische Befolgung bewährt hat, so gut hat sich die Mahnung erwiesen, die Gottes Wort nach der Deutung der Weisen in unserem Wochenabschnitt gerade an die Befolgung der Spetsegesetze knüpft, ifcwn xb neiD mw 'b p\-in t£Hp ’twxi Dnx nn rvEfici nfoa 'Lipvv nnmsi irtcmp Dnx ox . oarx ix^ dx'i 'b „Als Männer eines heiligen Berufs verbleibt ihr mir, wenn ihr Fleisch, das dem Felde verfallen, terepha ist, nicht genießet. Bleibt ihr heilig und enthaltsam hinsichtlich des als Terepha und Nebela Verworfenen, so gehört ihr mir, und wenn nicht, so gehört ihr nicht mir." Vor die Alternative gestellt, zwischen diese alte Mahnung unseres treuesten, mächtigen Freundes und zwischen die Rathschläge unserer modernen Freunde, kann für uns die Entscheidung nicht zweifelhaft sein. Unsere Feinde und Freunde versuchen unsere Tugenden als Fehler zu stempeln. — Es wäre nicht nur schlecht, sondern auch thöricht, diesen Winken zu folgen. Man würde unsere Fehler niemals als Tugenden honoriren. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Frankfurt a. M-, 18. Jan. Der Vorstand des Vereins „Mekor-Chajtm" macht uns darauf aufmerksam, daß der uns zugegangene und in Nr. 8 unseres Blattes zum Abdruck gebrachte Jahresbericht inkorrekt sei und Iheilwcise Unrichtigkeiten enthalte. Der Bericht des Vorstandes in der Generalversammlung betonte — im Gegensatz zu der uns gewordenen Mittheilung, — die Nothwendigkeit, die neu eingeführten literar.-historischen Vorträge trotz des großen Anklangs, die sie gefunden, in engen Grenzen halten zu müssen, um das eigentliche statutengemäß vorgeschriebene Feld der Vereinsthätigkeit und die Pflege des Thorastudiums in engerem Sinne, nicht aus den Augen zu verlieren. Auch wurde in diesem Jahresberichte die Einreihung eines regelmäßigen -jny sn-io-Schiur unter der Leitung des Herrn Rabb. Dr. Breuer n hervorgehoben, welcher sich eines stets steigenden Zudranges erfreute, leider aber durch das längere Unwohlsein des verehrten Dozenten unterbrochen werden mußte. Berlin, 23. Jan. In der am 21. Januar stattgehabten Sitzung der Repräsentanten entspann sich eine längere und sehr lebhafte Debatte bet der zur Sprache gekommenen Stiftung des verstorbenen Geh. Medizinalrath Cohn. Nach der Bestimmung des Erblassers sollen die Zinsen'seines 400,000 M. betragenden Vermögens zur Ausbildung von Handwerkslehrlingen jüdischer Konfession verwendet werden, doch dürfen die aus der Stiftung unterstützten Lehrlinge nur am Neujahrs- und Versöhnungsfeste von der Arbeit entbunden werden. Herr Rechtsanwalt Ttktiu legte die Gründe dar, welcher den Ausschuß, an den man die Angelegenheit verwiesen, bewogen hatten, trotz dieser Bestimmung sich für die Uebernahme der Stiftung zu erklären. Diese Gründe gipfelten in der Erkenntniß, daß unter den heutigen Verhältnissen eine Sabbatruhe für den späteren selbstständigen Handwerker doch unmöglich wäre, und daß man es daher nicht verantworten könnte, im vollsten Widerspruch mit den Erfahrungen und Erfordernissen des praktischen Lebens eine solche Summe zurückzuweisen, mit welcher so viel Wohlthätiges geschaffen werden könnte. Diesen Standpunkt vertrat auch der Kommissar der Opposition gegenüber, die aus den Herren Leonh. Sachs, Löwenberg, Leichentritt, Hei!- mann, Simon und Oppenheim bestehend, den religiösen Standpunkt betonte: die Heiligung des Sabbats sei die Grundveste der jüdischen Religion. Die namentliche Abstimmung ergab aber nichts destoweniger >3 Stimmen für und sechs gegen die Annahme. (Also die Mehrheit der Repräsentanten der Berliner Synagogengemetnde sanctionirt die öffentliche Entweihung des Sabbat. Dieser Beschluß bezeichnet so recht deutlich die religiöse Zerfahrenheit in dieser Gemeinde. Und die Repräsentanten dieser Gemeinde geben sich alle Mühe, der Welt glauben zu machen, sie marschirten an der Spitze der jüdischen Gemeinden Deutschlands. Durch diesen und andere Vorfälle verliert die Vertretung dieser Gemeinde in der Hauptstadt auch den allerletzten Rest ihres Einflusses auf auswärtige Gemeinden, und dies mit vollem Recht. Red.) Leipzig, 27. Jan. Der Antisemitenfübrer Erwin Bauer erklärt seinen Austritt aus der deutsch-