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Der Israelit · 1894-01-29 · Heft 9 (29.1.1894) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 9 (29.1.1894)
Date
1894-01-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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146 auf seine Familie herabblicken, sie beschützen und großen Lohn für seine guten Thaten erhalten. cna 72 7jjd nyDi rra nvv mnn V72 Feuilleton. Im Mahne des Glücks. (9. Fortsetzung.) Seine Ungeduld hatte ihn sehr früh kommen laffen. Er erfuhr von dem Diener, daß erst zwei Gäste anwesend. Da war es ihm peinlich schon einzutreten. Während der Ankunft der übrigen Gäste wäre es ihm doch nicht möglich geworden, Feodora allein zu sprechen. So stieg er denn zu Onkel Daniel hinauf. Das war ein stiller, gemüthlicher Raum, dort oben bei Onkel Daniel, dahin drang das Geräusch des Festes nicht. Rabbi Daniel Berkheim war ein steinalter Mann; er hatte in seiner Jugend sehr lange und gründlich bei den bedeutendsten Gelehrten dem Talmudstudium obgelegen, indessen niemals eine Universität besucht. So war es ihm denn trotz seines umfangreichen Wissens nicht geglückt, den Rabbinatsposten in einer größeren Gemeinde zu erhalten. Sechzig Jahre lang war er Rabbiner in einem kleinen bayrischen Orte und als er endlich gar zu alt und schwach geworden war, nahm er das Anerbieten seines Reffen an und fand ein Ruheplätzchen in deffen Haus. Hier saß er nun von früh bis spät in seinem Lehnstuhl und „lernte", denn trotz seiner neunzig Jahre erfreute sich der Greis noch seines ungetrübten Augenlichtes. Onkel Daniel hieß den Professor mit Freuden willkommen und dieser hörte noch ein halbes Stündchen den geistreichen Auseinandersetzungen des freundlichen Alten zu. Drunten aber füllten sich die Säle. Der eine der Gäste, die zuerst gekommen waren, war Graf Plauen. Geschickt verstand er es einzurichten, daß er mit Feodora im ersten Stockwerk des Hauses zusammentraf, noch ehe diese die im Parterre gelegenen Gesellschaftsräume betrat. Hier plauderten sie ungestört und unentdeckt; und es waren heiße Worte, die hier gewechselt wurden. Graf Plauen war wie berauscht. So schön Feodora stets auch war, in ihrer Balltoilette übertraf sie sich selbst. Und immer näher und näher rückte ihr der Graf und leise flüsterten sie von Liebe, von Glück und Zukunft. Drunten im Saale aber hatte sich schon ein anderer Freier Feodoras eingefunden, der Banquier, Herr Lllientyal. Trotz seiner Jugend, er mochte erst 28 Jahre zählen, war dieser bereits eine wichtige und angesehene Persönlichkeit unter den unsoliden Börsenjobbern und besonders unter den Spekulanten. Von Haus aus vermögend und früh selbstständig geworden, hatte er durch einige gelungene Coups sein Vermögen vervierfacht. Man bewunderte seine glückliche Hand und seine feine Spürnase und manchem jungen Börsenmann galt er als Vorbild und leuchtendes Beispiel. Man schätzte ihn aus zwei Millionen. Diese Eigenschaft ließ es ihn trotz seiner abschreckenden Häßlichkeit wagen, als Bewerber um Feodora auszutreten; und wäre der Graf nicht gewesen, Feodoras Mutter hätte sich keinen angenehmeren Freier wünschen können, trotzdem ihm der Schneider sehr kurze und schiefe Beinkleider angefertigt hatte und trotzdem sein Mund breiter war, als seine Stirne hoch. Frau Berkheim unterhielt den Gast, der ungeduldig öfter nach der Thür blickte, von der er hoffte, daß Feodora bald durch sie erscheinen würde. „Haben Sie schon gehört?" sagte Frau Berkheim. „Heute kommt auch ein ganz berühmter Professor zu mir. Er ist sehr fromm und schreibt sehr theure Bücher." „Ein Professorchen?!" entgeqnete Lilienthal. Er pflegte jedem Hauptwort die Verkleinerungsilbe anzuhängen. „Mein Mann hat sie gestern gekauft", fuhr Frau Berkheim fort „und dort haben wir sie hingestellt, damit er sie gleich sieht beim Hereinkommen. Aber theuer, sehr theuer! Jeder Band zehn Mark und elf Bände sind's, macht mit fünf Prozent Rabbat bei Baarzahlung hundertundvierzehn Mark fünfzig Pfennig. Ich bitte Sie, nur für Bücher!" „Großartig!" sagte Lilienthal. „Was will das Männchen hier in unserm Frankfurtchen?!" „Ich weiß es nicht! Vielleicht Bücher verkaufen", meinte Frau Berkheim. „Wo kauft man sonst in der Welt so theuere Bücher, als hier in Frankfurt?!" Das geistreiche Zwiegespräch wurde durch die Dazwischenkunft Helenens unterbrochen. Sie hatte sich ohne fremde Hilfe angekleidet, fein, vornehm, mit einer fast rührenden Einfachheit. Sie sah eher wie die Gesellschafterin sehr vornehmer Herrschaften aus, denn wie die Tochter dieses prunküberladenen Hauses. So schien sie denn nicht zu ihrer Umgebung zu gehören; einerseits zu fein, andererseits zu dürftig bescheiden in Kleidung und Wesen. Dem ihr verhaßten, übertriebenen Aufwande setzte sie absichtlich die größte Einfachheit gegenüber und sie war so dem entgegengesetzten Extreme verfallen. Einige Jahre in einem norddeutschen Institute hatten sie der heimathlichen Spähre

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