Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 9 (29.1.1894)
- Date
- 1894-01-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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wmr. uij WM»'** v,'f* Ty.rra» * »y. 145 Die auherordentliche Verehrung, welche Gemeinderath Gustav Simon nicht nur bei den Gemeindemitgliedeni, sondern in der ganzen Stadt genießt, zeigte sich in der lebhaften Teilnahme, welche alle Kreise der Residenz für den Erkrankten an den Tag legten. Täglich langten an die Familie Simon Hunderte von Anfragen seitens der angesehendsten Familien; Mitglieder des Gemeinderathes, des Cultusvorstandes, der Handelskammer, die Funktionäre der Gemeinde-Vorstände, von Vereinen und Instituten rc. rc. erschienen täglich persönlich, um sich nach dem Befinden des Kranken zu erkundigen. Die Nachricht von der Wiedergenesung des allbeltebten und hochgeachteten Mannes hat tn der ganzen Stadt ungetheilte Freude hervorgerufen und die israelitische Cultnsgemeinde darf dem Allmächtigen besonders Dank wissen, daß er ihr das derzeitige Oberhaupt erhalten, da gerade in den schwierigen Fragen der Einbeziehungen derVororte- Gemeinden, den langwierigen Verhandlungen wegen Schaffung eines neuen Gemetndestatuts Gemeinderath Gustav Simon durch sein kluges, taktvolles Vorgehen manche Klippen überwunden und das gute Einvernehmen mit den staatlichen Behörden erhalten hat. Wir wünschen und hoffen, daß Gemeinderath Gustav Simon noch viele Jahre seiner Familie und der Cultnsgemeinde bei voller Gesundheit erhalten bleiben möge, als eine Zierde der Bürgerschaft und des Judenthums. Holland. Amsterdam. Professor Dr. Stokvis wurde von der holländischen Regierung dazu ernannt. Holland beim internationalen medicinischen Congreß, welcher in Rom abgehalten wird, zu vertreten. S y r i e n. Damaskus, 2. Januar, nobi? f>n rs 'ui ns -wx 13j. Wie unser arabisches Amtsblatt soeben meldet, wurde der auf Staatskosten in Akaba am Rothen Meere hergeftellte Handelshafen in der vergangenen Woche feierlich dem Verkehre übergeben. Akaba (zu Deutsch: das Steile), dieser heute von Arabern bewohnte Platz, ist das Ezjon Gaber der alten Israeliten, wo diese nicht nur ihre Handels-, sondern auch ihre Kriegsschiffe bauten. Schon der weise Salomo hat die Wichtigkeit des dortigen Hafens für den Handel nach Arabien und dem Königreiche Saba (xa«0 daselbst, ebenso auch nach Indien, erkannt, und scheute daher den weiten Weg nicht, um dieses Städtchen zu besuchen. Damals war Ezjon Gaber auch eine blühende jüdisch-phönicische Handelsstadt, während es heute ein armseliges arabisches Dorf ist, dessen paar Häuser an dem Abhange des Hügels hinangebaut sind, daher auch dessen Name. Die türkische Regierung hofft nun, daß nach Eröffnung des Handelshafens der Verkehr Syriens, zumal aber Palästinas, nach den Häfen des Rothen Meeres einen neuen Aufschwung nehmen werde. > vermischtes. < Wolfhagcrr, 2. Januar (Ungern verspätet). Von einem herben Schicksalsschlag wurde die in unserem Nachbarorte Nieder-Elsungen wohnhafte, bei Juden und Christen sehr angesehene und beliebte Familie Levi Möllerich betroffen. Am gestrigen Tage sollte nämlich die Hochzeit des jüngsten Sohnes stattfinden. Aber des Psalmisten Wort: nJJUD n"E UJp "QJ hat sich hier bewahrheiten sollen, der Freudentag wurde gac plötzlich in einen Tag des bittersten Leides und der tiefsten Trauer verwandelt, denn der 74jährige geliebte Vater hauchte nach nur eintägiger Krankheit am Tage vor der Hochzeit seines Sohnes seine reine, gottergebene Seele aus. Einige Stunden vor seinem Tode ließ er sich noch das □,,nn 'D geben und sagte in Demuth und Ergeb.nheit die Pflichtgebete, denn von bangen Ahnungen war sein Herz bewegt. Westen Auge könnte bei solchen herben Schicksalsschlägen frei von Thränen bleiben? Ist es doch ein nan D’isn pns in des Wortes schönster Bedeutung, der uns entrissen worden, ein Mann, der keine Kosten und Mühen gescheut, wenn es galt, etwas für Gott und seine heilige Religion zu thun. Und was er den Armen gewesen, das vermögen nur sie selbst zu schildern. Aber dafür hat sich auch an ihm des Sängers Worr erfüllt: '.1 nt na; “pT p ’D n:n indem ihm nämlich das Glück zutheil geworden, mit acht Söhnen und einer Tochter, die er zu echten CTiT erzog und die stets sein Stolz und seine Freude waren, beschenkt zu werden. Irdische Güter wurden ihm reichlich zutheil, sodaß er nie mi> Sorgen zu kämpfen hatte, und sein Name ist ein geehrter und geachteter bei allen, die mit ihm in Verbindung standen. Sein Haus war nm*V? mnc in der weitgehendsten Weise, indem er von einer Tn ntt’N im wahrsten Sinne des Wortes hierbei unterstützt wurde. — Am Grabe ergriff in Vertretung des Herrn Rabbinen, Herr Lehrer Wectheim aus Volkmarsen das Wort, um in beredter Weise das gottgefällige Leben und Wirken des Verstorbenen zu schildern. _ Daß ihm dies in der besten Weise gelungen, bewies die Rührung, die alle Anwesenden bei seinen Ausführungen ergriff. Nach ihm hielt sodann sein zweitjüngster Sohn, der aus vem entfernten Gailingen (Baden), woselbst er an der dortigen Handelsschule als Sprachlehrer wirkt, herbeigeeilt war. um mit seinen sämmtlich anwesenden Geschwistern den großen Verlust zu beklagen, eine tief ergreifende Rede. Er sprach mit thränenerstickter Stimme von dem schönen Familienleben seines Vaters, vom seinem religiösen Wirken und gedachte der Freude seines seligen Vaters T'S* das einige Band der Liebe und Einigkeit, welches alle seine Kinder stets umschlungen. Er erwähnte, daß das nn' dj dtix m cp: nci aus nc n:n feven in einer Familie so sehr zur Geltung gelangt sei, wie bei ihnen. Sodann forderte er seine Brüder auf, ^sich;am Grabe des geliebten Vaters im Geiste die Hand zu reichen zum feierlichen Gelöbnis auch ferner, nachdem ihnen die Krone ihrer Familie entristen, stets einig und s friedfertig weiter zu leben. Es schloß seine Rede mit der Ermahnung, das Andenken des teuren Entschlafenen dadurch zu ehren, daß sie in den Wegen desselben weiter wandeln. Kein Auge blieb bei dieser Rede thränenleer. Dasselbe beobachtete man, als am roti* die acht Söhne in der Synagoge vortraten, um das mp vorzutragen. — Wohl ist uns der Besten Einer entristen worden, aber oben, wo jdie Gerechten um Gottes Thron versammelt sind, wird auch er weilen