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Der Israelit · 1894-01-29 · Heft 9 (29.1.1894) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 9 (29.1.1894)
Date
1894-01-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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•mj .vj1 ' m. ,, " 'Wir •■',' »^7- ,»'-,|HJj 144 Wiener Cafö in der Friedrichstraße, nahe der Weidendammer Brücke zwischen dem Zahnarzt Dr. L. und einem Agitator der antisemitischen Partei, Kaufmann K. aus Charlottenburg. Dr. L.» welcher zwar jüdisch aussieht, jedoch kein Jude ist, saß gegen 5 Uhr früh mit einem Bekannten i dem bezeichn neten Lokal, in welchem sich auch Herr K. befand. Der letztgenannte erging sich in ausfälligen Redensarten gegen die Juden, wurde schließlich persönlich gegen den Zahnarzt, der, als K. unter dem Ruf „Juden raus" auf ihn deutete, seinerseits aufsprang und dem Beleidiger eine Ohrfeige versetzte. Später kam es zwischen den Beiden nochmals zu einer Schlägerei, die sich, als Dr. L. fortging, auf der Straße wiederholte. Ein hinzukommender Schutzmann sistirte schließlich die beiden Kämpfenden für Antiuud PhilosemitiSrnus nach der Revierwache in der Elsasserstraße, wo sich der Kaufmann als Rcichtags Abgeordneter bezeichnet haben soll. Wie der „Vor wärts" erfährt, kandidiere Herr K. bei den letzten Reichtagswahlen für die antisemitische Partei und ist in seinem Privatleben der Herausgeber eines christlichen Geschäfts-Adreßbuches. Berlin, 25. Jan. Die Petitionskommission des Reichstags hat heute die Petition wegen Prüfung der jüdischen Geheimgesetze berarhen. Der Referent Dr. Frhr. v. Langen nahm au, daß der Schuläian Aruch noch heute für die Juden gelte und für die jüdische Gesetzgebung in religiöser Beziehung maßgebend sei. Er erklärt sich für eine staatlichautoritative Uebersetzung behufs Aufklärung der Juden und befürwortet, die Petition an den Reichs kanzler zur Berücksichtigung zu überweisen. Korreferent Boigtherr verteilt den Standpunkt, daß dir richtige Uebersetzung des Schulchan Aruch noch heute eine strittige Frage sei. Die Kommission beschloß die Hinzu,^Ziehung eines Regierungskommissars wegen der Wichtigkeit der Sache. Breslau, 22. Jan. Die „Breslauer Zeitung" schreibt: Die Verleumdungssucht der Antisemiten kann mau nirgends besser als in der antisemitischen Presse kennen lernen. Vor uns liegt eine Nummer des „Antisemitischen Generalanz." in Berlin. Die ersten Artikel dieses sauberen Blättchens strotzeu geradezu von verleumderischen Beleidigungen. In erster Linie giebt Finanzminister Miguel die Zielscheibe für die antisemitischen Giftspiele ab. In einem „Herrn Miguels Familie" überschriebenen Artikel werden aller.t durchsichtige Andeutungen an den Umstand geknüpft, daß ein Dr. jur. Miguel in den Aufsichtsrath der Stärke- Zucker fabrik-Akliengesellschaft vormals C. A. Köhlmann gewählt worden ist. Mit dieser Wahl wird die Uebertragung von Staatsliefernngen an diese Fabrik und die Erhaltung der Zucke: Prämien in Zusammenhang gebracht. In einem anderen Artikel wird bezüglich des Prozesses gegen die Antisemiten Plack-Podgorski und Schwennhagen behauptet, daß diese beiden Biedermänner dem Ftnanzminifter einen Vergleich angeboten hätten, wonach sie unter anderen auf eine weitere Darlegung der früheren Gründnngsgeschäfte des Finanzminifters verzichten wollten. Der letztere hcibe sich auch anfangs sehr geneigt gezeigt, diesen Vergleich anzunehmen, doch sei plötzlich von einer anderen Stelle innerhalb der Regierung auf eine Fortführung des Prozeffes gedrungen worden. Wir sind fest überzeugt, daß jede Silbe dieser Behauptungen aus der Luft gegriffen ist. wir sind aber ebenso überzeugt, daß den antisemitischen Verleumdern das Handwerk gründlich gelegt werden muß, wenn mit derartigen Preßerzeugnissen nicht in den Köpfen der Massen eine höchst bedenkliche Verwirrung angerichtet werden soll. — Ein dritter Artikel beschäftigt sich mit der Abstammung des Regierungspräsidenten Prinzen Handjery. Es wird behauptet, daß die Familie desselben im vorigen Jahrhundert in Konstantinopel zur Zunft der Schlächter gehört habe, daß der Vater des Prinzen mittellos nach Preußen gekommen sei und sich hier als „Prinz" vorgestellt habe, und was dergleichen Albernheiten mehr sind. Und alle diese Dinge werden lediglich deshalb erzählt, weil Prinz Handjery den Erlaß des Grafen Eulenburg seinen Landräthen in Erinnerung gebracht hat. Wir haben gelaubt, uns einmal ausnahmsweise mit dem antisemitischen Schmutz etwas näher beschäftigen zu müssen, weil die antisemitische Kampfcsweise in ihrer ganzen Verwerflichkeit selten so offenkundig in die Erscheinung tritt wie in dieser einen Nummer des Berliner Antisemitenblattes. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Der Vicepräsiderrt der Israelitischen Cultusgemeinde, Gemeinderath Gustav Simon, erkrankte am kl. dss. Mts., nachdem er noch kurz vorher einer Vorstands-Sitzung präsidirt hatte, in sehr bedenklicher Weise, er konnte dem Leichenbegängnisse der Frau tcs Oberrabbiners Dr. Güdemann nicht mehr anwohnen und war auch nicht mehr im Stande das Kondolenzschreiben, welches der Vorstand der Cultusgemeinde an deren Oberrabbiner gerichtet hat, mit zu unterfertigen. Dank der göttlichen Vorsehung und der aufopfernden Fürsorge, welche die behandelnden Aerzte Professor Oser und Dr. Wachmann dem Kranken zu Thci! werden ließen, trat am 15. ds. eine günstige Wendung in dem Befinden des Erkrankten ein, welcher bald eine entschiedene Besserung folgte, so daß derselbe anfangs dieser Woche das Krankenlager verlassen konnte.

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