Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 9 (29.1.1894)
- Date
- 1894-01-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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'■ --i >.-',«^ i w. ■ p^a.33in"i 143 Physiologen namentlich aufführen, welche das Gegentheil behaupten? Wer sich von ihnen belehren lassen will, kann sie in Ehrmann: „Thierschutz und Menschentrutz" ausführlich Nachlesen. — Um aber die Kühnheit dieser Insinuation ermessen zu können, möge hier in Kürze auf wenige verwiesen werden. — Büchner: „Für die Haltbarkeit und das schöne Aussehen des Fleisches ist Schächten die beste Methode." (Ehrmann: S. 47.) Müller: „Auch hat man die Wahrnehmung gemacht, daß durch plötzliche Unterbrechung der Herzthätigkeit das Blut schneller zur Gerinnung kommt und daß solche Thiere niemals ordnungsmäßig verbluten. Das Fleisch bleibt dunkler und geht namentlich an heißen und gewitterschwülen Tagen schneller in Fäulniß über." (ibiä. S. 145.) Falls Herrn Lawrence-Hamilton Fachmänner der ehrsamen Metzgerzunft mehr als solche der physiologischen Wissenschaft impouiren, so wollen wir ihm noch Folgende vorführen: Erklärung der Metzgermeister von Köln. Die Unterzeichneten kölnischen Metzger christlicher Konfession erklären hiedurch aus Grund langjähriger Beobachtung und Erfahrung, daß das Fleisch rituell geschachteter Thiere sich in Folge des reichlichen Blutausflnsses im Sommer 1—2 Tage länger konserviren läßt, als das nach andern Schlachtmethoden getödteter Thiere. Köln, den 3. November 1884. Th. Sch Ute, Heinrich Jnvern, Jean Weber, Theod. Hergarten, Eonr. Monheim, Hubert Schaaf, Phil. Krrch, Jos. Schassroth. Erklärung der Metzgermeister von Karlsruhe. Die Unterzeichneten christlichen Metzger Karlsruhes erkiäreu hiemit, daß sie den älteren Schlachrmethoden den Vorzug vor den neueren (Bouterolle und Schnßmaske) geben. Obwohl der hiesige Thierschutzverein Prämien aus die Verwendung der Schlachtmaske setzt, wird dieselbe nur ganz vereinzelt benutzt, weil sie sich als unpraktisch und mit vielen Qualen für die Thiere verbunden gezeigt hat. Für das gute Aussehen und die bessere Haltbarkeit des Fleisches empfiehlt sich das Schächten, weil bei diesem Schlachtverfahren die Thiere am vollständigsten ausbluren. Karlsruhe, 2. Januar 1885. Philipp Stetter, Hugo Bösch, Louis Schneider, Jul. Morlock, Andreas Dratz, Gust. Dietr ch, Wilh. Hofsmann, Aug. Scherer, Hugo Melder, Wilh. Erxleben, Fried. Jos. Bott, Fried. Geyer, August Dennig, Karl Dittus, Hermann Hecht, Michael Kern. (ibid. S. 62) 2) Die jüdischen Fleischschauer, das sind die autorisirten Schächter, haben auf die Kenntniß der Veterinärwissenschaft und der mikroskopischen Untersuchung niemals Anspruch erhoben. Wenn Herrn Lawrence-Hamilton aber durch seine Brille die jüdische Fleischschau als Possenspiel erscheint, so rathen wir ihm, sie ein wenig abzulegen und die Abhandlung seines verstorbenen Collegen: Dr. Henry Behren o nachzulesen: „The Connumicability to Man of Dieseases from Animais used as Food“, die er erst widerlegen müßte, bevor er sein Poffenspiel weiter aufrecht halten könnte. Wenn ihm das nicht genügt, empfehlen wir ihm die stattliche Reihe von Schriften ähnlicher Tendenz, welche Chief Rabbi Dr. Adler am Ende seiner kürz ich erschienenen Abhandlung: Sanitation as Taught by the Mosaic Law, aufgezählt hat. Genügt dem guten Mann auch das erdrückende Material dieser Werke nicht, dann ist ihm nicht zu helfen. 3) Gipfelt in derselben unwahren Behauptung, wie sub 1. Um nicht, wie Herr L. H., bereits Gesagtes noch einmal zu sagen, sei auf das sub 1) Bemerkte verwiesen. 4) Daß das Schächten mit keiner, jedenfalls aber nicht mit einer größeren Todesangst und Qual verbunden ist, als alle sonst üblichen Schlachkmethoden bezeugen die Gutachten von mehr als 100 Koryphäen der Wissenschaft mit Ausnahme des Herrn Lawrence-Hamilton. 5) Seinen Haupttrumpf behält sich Herr L. H., wie routinirte Spieler, für zuletzt auf, indem er die Namen Darwin und Farquharson mit seinen höchsteigenen Aeußerungen verquickt. Herr H.-L. sagt nun nirgends, daß diese beiden Gelehrten je ein Sterbenswörtchen über oder gar gegen das Schächten geschrieben haben. Aber es wäre schon möglich, daß Jemand morgen die Publikation des Herrn H. L. etwa so wtedergibt: Herr L. H. hat sich sehr entschieden gegen das Schächten ausgesprochen auf Grund physiologischer und pathologischer Untersuchungen und der Forschungsresultate von Darwin, F. rc. Ein ähnliches Taschenspielerkunststückchen hat ein deutscher Don Quixote versucht, indem er den gefeierten Namen Du-Bois-Reymond unter die Schächtgegner schmuggeln wollte. — Es ist ein Verdienst der Ehrmann'schen Schrift diesen Schwindel entlarvt zu haben. (Vgl. S. 63.) So kleinlich und verwerflich diese Mittelchen sind, so sollte man sich doch nicht die Mühe verdrießen lassen, allen diesen Winkelzügen zu folgen und sie öffentlich in der englischen Presse bloßzustellen. um die Menschen, die solcher Kampfesweise fähig sind, der gebührenden Beachtung zu überantworten! Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Berlin, 20. Jan. Zu einer frisch-frommfröhlichen Holzerei kam es vorgestern in einem