Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 9 (29.1.1894)
- Date
- 1894-01-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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142 hier folgen. Es ist die Wiedergabe eines Aufsatzes von I. Lawrence-Hamilton, der ein bekannter, englischer Arzt sein soll und der in der englischen Zeitschrift „Public Health“ erschienen ist. — Wir kennen weder den Verfasser noch das Blatt, vor allem wissen wir nicht, ob das Letztere, irgend welche Beachtung verdient und dieselbe seitens unserer englischen Glaubensgenossen gefunden hat. und ob vielleicht eine Entgegnung auf diese Auslassungen bereits erfolgt ist. Jedenfalls sollte die ganze gebildete Presse gegen diesen Mißbrauch des Vertrauens Protest erheben, den doch jeder und besonders ein im Namen der Wissenschaft das Wort führender Autor beansprucht, der in einer solchen Angelegenheit öffentlich Stellung nimmt. Der Artikel ist uns aus der „Thier-Börse" bekannt, welche ihn in ihrer Nummer vom 17. Januar bringt. Zur Orientirung für den Leser laffen wir unsere Entgegnung in Form von Anmerkungen folgen: Zur Schächtfrage i« England. Die englische Zeitschrift „Public Health“ brachte vor einigen Tagen einen höchst interessanten Aufsatz von dem bekannten englischen Arzt I. Lawrence-Hamilton, worinder gelehrte Forscher die Verwerflichkeit des Schächtverfahrens vom physiologi'chen Standpunkt aus nachweist. Er schreibt: „Persönliche Beobachtungen in Schlachthäusern und physiologische wie pathologische Untersuchungen in Versuchs laboratorien haben mich von drei Dingen überzeugt: I. Daß die jüdische Schlachtmethode in hohem Grade grausam und unbeholfen ist und besonders geeignet, das Fleisch zu verderben und seine Zersetzung zu beschleunigen. 1) II. Daß die jüdische Fleischschau ein Pofsenspiel und die jüdischen Fleischschauer im Vcterinärwesen, in der mikroskopischen Untersuchung u. s. w. ganz unwissend sind. 2) III. Daß das Fleisch der Thiere, welche vor der Entblutung durch Stirnschlag betäubt worden, etwas weniger Blut enthält als das der geschachteten Thiere, weshalb dieseauch etwas früher in Fäulniß übergeht als das erstere. 3) Ta bei der jüdischen Schlachtprozedur die Thiere vor dem Entbluten nicht betäubt werden, so leiden sie eine, doch so leicht vermeidbare, Todesangst und Qual. 4) Vor einigen Jahren hatte ich die Beobachtungen, die ich in einem jüdischen Schlachthause gemacht, ausgeschrieben. Ich führe daraus an, was ich über die jüdische Methode, Kälber zu schlachten, damals niedergeschrieben habe. An die Hinteren Beine des Kalbes wird ein Strick befestigt, an welchem das arme Vieh plötzlich in die Höhe gezogen wird. Nach dieser scheußlichen Prozedur schneidet der Schächter dem geängstigten Thiere die Gurgel nebst den benachbarten Gefäßen ab. Das Thier hat noch Bewußtsein und zittert über den ganzen Leib, während es langsam verblutet. Ich habe gesehen, daß solch' ein Kalb sich oftmals im Kreise herumgedreht hat. Mit der Uhr in der Hand habe ich, bis der Todeskampf beendigt war, 7 Minuten gezählt. Wenn Thiere durch übermäßige Anstrengung erschöpft sind, scheint das Blut dicker zu werden, was wahrscheinlich in einem größeren Feuchtigkeitsbedürfniß der Gewebe seinen Grund hat. Die Erfahrung lehrt uns, daß Thiere, die gejagt, gequält und geängstigt wurden, weniger Blut geben als die, welche in Rnhe und in vollständiger Empflndungslostgkeit nach erfolgter Betäubung getödtet werden, denn Zellgewebe und Blut von sehr aufgeregten und abgematteten Thieren sind in einem anormalen Zustand. Darwin und andere Forscher haben nachgewiesen, daß Angst und Schrecken ebenso wirken wie Schmerz und übergroße Anstrengung. Neuere Untersuchungen zeigen ferner, daß Angst und Schrecken den Stoffwechsel in anormaler und schädlicher Weise steigern und eine schädliche Wirkung auf die chemischen Umwandlungen in den Geweben des lebenden Thieres haben. Durch einen geschickten, kräftigen Schlag auf das Großhirn wird das Thier plötzlich bewußtlos und empfindungslos gemacht. Dadurch wird der abnorme oder krankhafte Stoffwechsel vermieden, welcher im Blut und im Gewebe von Thieren vorkommt, die unter Qualen und bei Bewußtsein sterben, wie es beim Verblutungstod nach dem Schächtsystem, das die Betäubung vor dem Halsschnitt nicht zuläßt, der Fall ist. Bei Thieren, welche langsam und qualvoll sterben, tritt frühzeitig die Todesstarre im Fleische ein, die dann schnell wieder verschwindet, was eine beschleunigte Zersetzung der Gewebe zur Folge hat. In der Abhandlung über „die Aueßerungen der Gemüthsbewegungen bei Mensch und Thier" hat Darwin die physischen Wirkungen der Furcht und des Schreckens ausführlich besprochen. Ebenso hat Dr. A. C. Farquharson in seiner Arbeit über „Ptomoine (Leichengifte) und andere animalische Alkaloide" viele Beispiele von Fieber- und anderen Krankheitserscheinungen gesammelt, die durch Angst, Quälerei u. f. w. hervorgebracht werden." 5) 1) Wenn es den Gegnern des Schächtens gelingt, irgend eine gewöhnlich erst von ihnen entdeckte „Autorität" zu Ungunsten des jüdischen Schlachtverfahrens aufzutreiben, so vergessen sie in ihrer Freude darüber gewöhnlich ganz an die 'nach Hunderten zählenden Autoritäten, ohne Gänsefüße, welche ihr Urtheil zu Gunsten des Schächtens abgegeben haben. Für sie fängt die Autorität erst mit der Verwerfung des Schächtens an als vollwerthig zu gelten, mit diesem Geschmack soll hier jedoch nicht gerechtet werden. Auch mit dem Geschmack nicht, der das Schächten grausam und unbeholfen findet. Das kann die ehrliche subjective Ansicht eines Mannes sein, der sich durch äußere sinnliche Eindrücke in seinem Urtheil bestimmen läßt. Eine solche Geschmacksrichtung ist deßhalb auch schwer zu ändern — selbst wenn sie nur aus Mitgefühl für die Opfer des Schlachtens und nicht aus Animosität gegen die Schächter beruht. Aber zu sagen, daß die jüdische Schlachtmethode besonders geeignet sei, das Fleisch zu verderben und seine Zersetzung zu beschleunigen, das ist eine Behauptung, die durch aktenmäßig festgestcllte Thotsachen als der Wirklichkeit nicht entsprechend constatirt ist. Sollen wir die Veterinäre und