Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 9 (29.1.1894)
- Date
- 1894-01-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXV. Jahrgang, jft s Der Israelit. tta Kentrat-Organ für das orthodore Iudentßum. Begründet von Vr. Lehmann in Makrz. Montag, den 29. Januar 5654 (1894). Leitender Artikel. Wie s gemacht wird. Berlin, 28. Januar. Das Fälschen der öffentlichen Meinung, nämlich um zunächst ein Gruseln vor dem Schächten und dann ein Schächt-Verbot zu Wege zu bringen, das möge hier an einem drastischen Beispiele gezeigt werden. Wir machen darauf allerdings zunächst unsere Glaubens- und Schicksalsgenossen in England aufmerksam. Aber die Schächtcalamität ist heute international, sie hält mit ihrem Erzeuger, dem Antisemitismus, gleichen Schritt. Es gibt kein Land in Europa, dessen jüdische Bürger nicht alles Interesse daran hätten, jeden Fortschritt dieser künstlich erzeugten Epidemie mit Aufmerksamkeit zu verfolgen. Verboten de jure und de facto ist die Schechita heute in Sachsen. Verboten de zure, aber de facto noch in Kraft bestehend, ist sie in der Schweiz, wo aber jeder Tag dem zu Recht bestehenden Verbot auch die Ausführung bringen kann.*) Der Antrag, ein Schächtverbot zu erlassen, liegt gegenwärtig dem deutschen Reichstag für ganz Deutschland und dem österreichischen Reichsrath *) Nach unseren Informationen dürfte das Schweizerische Schächtverbot in den 22 Kantonen nicht zu gleicher Zeit und nicht in gleicher Weise in Kraft treten. Obwohl das Schächtverbot von Seiten des Bundes resp. des gesammten Volkes ausgeht, so ist doch bei der großen Zahl von Kantonen, die dem Schächtverbot nicht zugestimmt haben und bei der Freiheit und Selbstständigkeit der einzelnen Kantone bei Handhabung ihrer internen Angelegenheiten, ein generelles Inkrafttreten des Schächtverbotes in allen Kantonen nicht sofort wahrscheinlich. — So gewiß es nicht an einzelnen übereifrigen Kantonen fehlen wird, die das Verbot möglichst früh in Kraft wissen wollen, so wird es auch andere geben, bei welchen das Gegentheil der Fall ist. Red. für die gelammte österreichische Monarchie vor. In Rußland scheint die augenblickliche Gefahr beseitigt oder doch zurückgedrängt zu sein, Dank dem gegenwärtig hier weilenden Hofrath Dr. D embo, dessen großen Erfolge zur Erhaltung der Schechita bereits von berufenerer Seite in diesen Blättern wiederholt betont wurde. Aber wenn wir an die Bemühungen, die zur Beseitigung der Gefahr nothwendig waren, denken, so zeigt sich uns, wie überaus bedrohlich die Verhältnisse gewesen sein müssen. — Es fehlt nicht an untrüglichen Anzeichen, daß die Gegner des Schächtens in Rußland nicht müßig sind; mögen ihre Pläne wie bisher auf unabsehbare Zeit den Mann finden, der in der Lage ist, sie zu vereiteln! Wir wollen uns heute ein wenig mit dem Stand der Schächtangelegenheit in England befassen. Die Agitation gegen das Schächten ist daselbst schon ca. 40 Jahre alt und läßt sich bis Anfangs der fünfziger Jahre zurück verfolgen. Neuerdings haben eifrige Thierschützer die Hilfe der Gerichte gegen die angebliche Grausamkeit beim Schächten angerufen. Das waren allerdings nur sporadische Erscheinungen, aber wer weiß, wie's gemacht wird, sieht hier die Endpunkte einer von langer Hand vorbereiteten Agitation, die hier genau nach dem Muster arbeitet, wie es in anderen Staaten geschehen ist, in welchen Stimmung gegen das Schächten gemacht werden sollte. Der Centralsitz der ganzen gegen das Schächten gerichteten Bewegung ist Berlin. Die Seele derselben ist Herr Be ring er, Redacteur der „Thierbörse", welche unter der Flagge des Thierschutzes die Verdächtigung gegen die Schechita besorgt. In diesem Blatte wird natürlich nur die öffentliche offizielle Propaganda besorgt. Was hinter den Kulissen geschieht, entzieht sich meistens der Kenntniß. Ein Pröbchen für die Art und Weise der öffenltchen Propaganda gegen das Schächten möge