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Der Israelit · 1894-01-25 · Heft 8 (25.1.1894) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 8 (25.1.1894)
Date
1894-01-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXV. Jahrgang. Seilage ju JSs 8 Des „Israelit". Literarische Umschau. 8. Die Geschichte der Arithmetik hat durch die Arbeit des Herrn Prof. G. Wertheim „Die Arithmetik des Elia Misrachi" (Wiffensch. Beil, zum Programm der Realsch. der isr. Gern. (Philantropie, zu Frankfurt a. M. 1893) eine erfreuliche Bereicherung erfahren. Der einstige Oberrabbiner von Konstantinopel lebt als talmudtfcher Schriftsteller noch im Gedächtniß der Gegenwart, namentlich ist es sein Supercommentar zu Raschi, der ihn unter die berühmten Forscher rangirt; daß er aber auch in der Mathematik ein Meister gewesen, das ist von der Gegenwart so ziemlich vergessen; sein Sepher dami8xar, das 8 Jahre nach seinem Tode erschienen (1534) gehörte zu den Seltenheiten und ist im Buchhandel wahrscheinlich so gut wie nicht vorhanden. Allerdings gebührt Steinschneider das Verdienst auf Anfrage des Mathematikers Baldassar Boncompagni in Rom auf Misrachi hingewtesen und eine Stelle aus seinem Werke veröffentlicht zu haben, allein die Kunde von diesem Mathematiker muß doch nicht allen Fachgelehrten geworden sein, da neuere maßgebende und gewissenhafte Forscher in geschichtlichen Ueberbltcken von der Existenz eines Misrachi nichts verrathen. Der Verfasser gibt hier nun eine klare Analyse das Sepher üLwiZpar und bei seiner umfassenden Kenntniß von der Geschichte der Mathematik weiß er uns mitzuthetlen, an welche Vorgänger Misrachi sich anlehnt, weiß Quellen und Parallelstellen zu der Beispielsammlung anzugeben, so daß der Inhalt uns mehr bietet, als der Titel verspricht. Nach dieser Arbeit, die nicht wie Steinschneider eine umgrenzte kleine Stelle auszteht, sondern das Ganze uns vor Augen führt, wird auch die Kunde von diesem Mathematiker, der zu der Zeit lebte, als durch die Umwälzungen auf geistigem Gebiete, die Wissenschaft neue Triumphe feierte, in die Kreise eindringen, die am ersten berufen wären, seinen Namen und seine Werke zu kennen. Und wenn jetzt kein Verf. einer Geschichte der Mathematik Misrachs Name in seinem Werke ferner übergehen wird, so ist es das Verdienst des Verfassers der vorliegenden Arbeit dem einstigen Oberrabbiner zuKonftanttnopel die historische Ehre erworben zu haben, die ihm gebührt. — Eine recht fleißige und gediegene Arbeit hat D r. Heinrich F l e s ch mit der Herausgabe und Bearbeitung der „Borajtah von der Herstellung der Stiftshütte" (Hamburg. A. Goldschmidt) geliefert. Allerdings liegt diese Borajtah schon in drei Ausgaben vor, aber die Münchener Handschr., die hier benutzt ist, ist bis jetzt noch nicht herangezogen worden, und der Werth der vorliegenden Arbeit liegt hauptsächlich in der Uebersetzung und den wissenschaftlichen Bemerkungen, die ste begleiten. Unter „Landhebe" (S. 12) sind keineswegs die Abgabe an Priester u. s. w. zu verstehen, die auch Jerusalem zu gute kamen. eS sind die 48 Städte, welche die Leviten, resp. auch die Priester erhielten, hdk ist nicht die Länge des Vorderarms bis zur Spitze des Mittelfingers, sondern der ganze Arm. Bei allen Völkern wurden die Glieder den Längenmaßen zu Grunde gelegt; so ist „Elle" ursprünglich der Arm, der Ellenbogen, wo die Elle oder Arm sich biegt. Daß die Rabbiner auch für na* „Arm" als Grundbedeutung nahmen, bezeugt der Midrasch, der nno« rin r6rm Ex. 2, 5 als „sie streckte ihren Arm aus" auffaßt. Sollte im hebr. Text S. 6 nicht vielleicht statt Hs, das Wort "ids zu lesen sein? — Der stets rege und getstesfrische Rabbiner D r. W. F e i l ch e n f e l d hat uns wiederum mit einer neuen Gabe erfreut: „Das Hohelied inhaltlich und sprachlich erläutert" (Breslau 1893. Koebner.) Besitzen wir auch in dem Hohenliede eine Allegorie, so ist es jedoch unumgänglich nothwendig den einfach wirklichen Sinn zu erfassen. Ohne diesen erkannt zu haben, schwebt die allegorische Deutung in der Luft, es ist nichts Greifbares da, an welchem die Deutung ihren Halt fände, mit allgemeinen Redensarten, das Lied stelle das Verhältniß von Israel zu Gott da, wäre nichts gesagt. Wer die Geschichte der Btbelexegese kennt, weiß wie viel Gedankenarbeit schon verwendet wurde, den einfachen Sinn zu erfassen, scheinbar Unzusammenhängendes in Zusammenhang zu bringen, die einzelnen Verse richtig zu gruppiren, den plötzlichen Wechsel der Rede zu erklären, abgesehen von manchen lexikalischen Schwierigkeiten, die dieses Buch dem Ausleger bietet. In alter Zeit war es Abraham Jbn Esra, welcher den einfachen Sinn zu ergründen suchte, in neuer unter den hebräisch schreibenden Exegeten Malbim, der das Lied in Scenen eintheilte und von neueren christlichen Exegeten, wie Ewald, der in dem Hohenliede das älteste Drama zu erkennen meinte, beeinflußt zu sein scheint. Das vorliegende Werk zerfällt in 10 Theile. In den ersten gibt der Verf. eine gedrängte Uebersicht über den gegenwärtigen Stand dieser Frage und stellt die zwei Hauptansichten über den Grundgedanken des Liedes einander gegenüber, ohne sich für eine der beiden entscheiden zu können. Während die Einen in Sulamit eine von Salomo im Harem gefangene Hirtin erkennen, die

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