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Der Israelit · 1894-01-25 · Heft 8 (25.1.1894) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 8 (25.1.1894)
Date
1894-01-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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125 nisterium bewirkt hat, daß den russischen Juden der Eintritt nach Egypten untersagt wurde, besteht noch immer auf ihrem Verlangen und verhindert dadurch die Zurücknahme des diesbezüglichen Reaierungserlasses. Der liberale Minister will mit Freuden das Emiqrantenverbot aufheben, wenn Mittel herbeigeschaffi werden, um den Ankommenden die erste und unentbehrlichste Hilfe leisten zu können. Frankreich. Paris, 18. Januar. Wie wir in unserer vorigen Nummer bereits kurz berichteten, hatte der hiesige Vertreter der „Frankfurter Zeitung" eine längere Unterhaltung mit Herrn Baron von Hirsch. Das genannte Blatt berichtet darüber wörtlich: Der Name des Baron Hirsch ist in der neuen Polemik über den Fall Arnim wieder genannt worden. Nach dem Tode des Grafen Arnim ist er der einzige lebende Zeuge in der Frage der Börsenspekulation, welche der ehemalige Pariser Botschafter in Gemeinschaft mit dem Baron Hirsch gemacht haben soll. Seine Aussage ist also von Werth. Der Baron hat sie mir mit jener Lievenswürdigkeit zur Verfügung gestellt, die Alle Jene zu rühmen wissen, welche mit ihm persönlich in Berührung gekommen sind, was nicht eben leicht ist. Der Baron äußerte sich zunächst folgendermaßen: „Urber den Fall des Grafen Arnim habe ich Ihnen wenig zu sagen. Alles, was ich darüber weiß, ist in einem Briefe enthalten, den ich dieser Tage auf Wunsch des Grafen Arnim-Schlagenthin an diesen geschrieben und worin ich die Anschuldigungen des Herrn Hans Blum betreffend die angeblichen Börsenoperattonen, die der Graf Arnim in Gemeinschaft mit mir ausgeführt haben soll, als lächerliche Erfindungen hingestellt habe. Es wundert mich, daß der Sohn des Grafen diesen Brief noch nicht veröffentlicht hat. Ich habe den Graf Arnim kaum gekannt, habe ihn zwei oder drei Mal in befreundeten Salons gesehen und habe stets nur oberflächliche gesellschaftliche Berührungspunkte mit ihm gehabt. Es erstaunt mich, daß ein ernster Mann Beschuldigungen der erwähnten Art, für die jeder Schatten eines Beweises fehlt, Glauben schenken kann." Damit war die erste Frage erledigt. Auf die zweite Frage: „Wie steht es mit dem großen Werk der jüdischen Kolonisation?" antwortete der Baron Folgendes: „Man hat in der letzten Zeit erzählt, die Kolonisirungsversuche mit Juden seien ins Stocken gerathen. Das ist absolut unrichtig. Die erzielten Resultate sind zufriedenstellend, sogar mehr als das: sie sind überraschend gute. Das Werk wird fortgeführt und geht, meiner Ueberzeugung nach, einem sicheren Erfolge entgegen. Freilich sind zahlreiche Schwierigkeiten zu überwinden. Das Merkwürdige ist aber daß die Schwierigkeiten sich nicht da zeigen, wo wir sie erwartet haben, und daß sie sich wieder auf einer Seite, wo wir sie nicht erwartet haben, hindernd in den Weg stellen. Um es mit einem Worte zu sagen: Die Hindernisse kommen nicht daher, daß die Juden sich nicht zum Ackerbau geeignet zeigen. Freilich, die Experimentirung in dieser Richtung war keine leichte. Es handelt sich darum, die guten und arbreitsamen von den schlechten Elementen zu sondern; denn nur ein mit den ersteren angestellter Versuch ist beweiskräftig. Aber die Sonderung des Weizens von der Spreu ist eine gar mühevolle Aufgabe. Erschwert wurde ihre Lösung noch durch die Vorgänge nach den russischen Judmaustreibungen. Die Masse der Auswanderer ergoß sich über Deutschland und Oesterreich. Die dortigen Comites wurden wett über ihre Kräfte in Anspruch genommen. Und aus Berlin, aus Frankfurt, aus Wien wandte man sich an mich mit der Bitte, ich sollte einen Theil der russischen Auswanderer in unseren Kolonien aufnehmen. Ich sagte zu, stellte aber zur Bedingung, daß die Comites mir nur die besten Leute zuwetsen sollten — gesunde und arbeitskräftige Männer und Frauen, die das ernstliche Bestreben hätten, sich im Schweiße ihres Angesichts eine neue Existenz zu gründen. Die Comites scheinen nun meinen Wunch nicht immer befolgt und sich vielmehr bestrebt zu haben, die Auswanderer, deren Unterbringung ihnen Sorge machte, Hals über Kopf loszuwerden. So kam es, daß in die Kolonien ein unglaubliches Bevölkerungs Ragout importirt wurde. Neben denen, die wirklich ihre Hände rühren wollten, gab es viel elendes Bettelvolk, gab es Abenteurer aller Art, die sich unter dem Schutze der durch die Massenbewegung eingerissenen Verwirrung eingeschlichen hatten und die oft w.der Russen, noch — Juden waren. So haben wir in unserer argentinischen Kolonie einen sieben Schuh großen Kerl gehabt, der sich dort zwei Jahre lang aufhielt und sich durch allerlei unnütze Streiche lästig machte. Als man ihm endlich ein wenig näher auf den Leib rückte, gestand er zunächst, daß er gar kein Jude sei. Er habe viel unter russischen Juden gelebt und sich ihre Sprache und ihre Gebräuche auf diese Weise angeeignet. Nun frug man ihn, was er eigentlich in der Kolonie zu suchen gekommen sei. Ja, meinte er, er sei Russe und leide an Rheumatismen. Sein russischer Arzt habe ihm gesagt, das russische Klima sei seinem Leiden schädlich; er solle eine Seefahrt unternehmen und nach dem Süden gehen. Um diese Verordnung kostenlos durchzuführen, habe er sich in die argentinische Kolonie transportiren lassen. Natürlich kaufte man dem heilungsbedürftigen Kolonisten ein Retourbtllet und spedirte ihn schleunigst

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