Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 8 (25.1.1894)
- Date
- 1894-01-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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n m i2S rjpr. —'-- ■•'•^»wwp bringen Ile es aber Alle fertigt Der Eine führt das Kind am Stuhl, der Andere labt es längs der Wand seine Touren machen, der Dritte hält es am Rücken und der Vierte, Fünfte und Sechste versuchen es auf andere Weise, aber Alle bringen es zu Wege, ohne Studium, ohne Pädagogik, ohne irgend welche Anleitung. Was macht alle Väter und Mütter zu Gehkünstlern? Die Liebe macht die von ihr Erfüllten erfinderisch. Die Liebe zu Gott, zu der von Ihm gebotenen Lebenspflicht hat für die Unterweisung in diesem Gegenstand ihrer Liebe seit Jahrtausenden innerhalb des Judenthums dieselbe erfinderische Kraft bewährt. Deßhalb gab es auch ursprünglich keine Lehrer der Thora. Den Vätern hat Gott die Erhaltung seiner Thora übergeben. Er konnte seinem Volke mit den Worten yxA nruMn zuversichtlich seine Thora anvertrauen, nachdem die Mahnung 'n ‘n *w nanw, Gott zu lieben, vorausgegangen war. Die Liebe findet den rechten Weg, um das, wovon sie erfüllt ist, auch Anderen mitzutheilen. Daß man nach Systemen, Methoden, Katechismen und allem möglichen sonst tastet, ist ein Zeichen, daß die Liebe zur Sache fehlt, die alle diese äusseren Behelfe lächelnd von sich weist und spielend ohne sie dasjenige leistet, wohin die kühnsten Prätensionen des systematischen Religionsunterrichts nicht einmal in der Theorie sich zu versteigen wagen. Es gehörte gewiß in den tief durchdachten göttlichen Erziehungsplan der Menschheit durch die Thora, daß ihrem ersten menschlichen Lehrer die erste für jede pädagogische Thätigkeit unerläßliche Voraussetzung abgtng: die volle Beherrschung der Sprache, rwv bw wu iino mano ruw. Weil es die Gottesherrlichkett war, die aus Moscheh zum Volke sprach, konnte „unser Lehrer" Moscheh selbst auf dieses mächtige Mittel verzichten, mit dem sonst der Lehrer Geister und Gemüther für seine Lehre gewinnt. Wo uns Moscheh zum ersten Male lehrend vorgeführt wird, findet der heidnische Schwiegervater, daß die Thätigkeit für einen einzelnen Menschen zu aufreibend sei. Moscheh beruhigt ihn damit, daß die Thätigkeit weniger complicirt ist, als sie dem Schwiegervater scheine. Wohl umsteht das Volk den Führer von früh bis spät 'n tnrto, um Gott zu suchen. Den Gott suchen, den Gott lehren, deffen unersaßliches, wunderbares Walten das ganze Volk bekundete, in dessen Mitte sich Jithro hier befand, mußte diesem allerdings als die schwierigste Aufgabe erscheinen, die sterblichen Menschen gestellt werden kann. Moscheh belehrt daher seinen Schwiegervater, daß es sich hier nicht um metaphysische, transcedentale Speculationen über Gott, sondern um Momente handelt, die dem menschlichen Bewußtsein ungemein näher liegen. Gott erforschen, heiße sein Gesetz erforschen, Gott lehren, sein Gesetz lehren. Moscheh sagte: rw 'nh ’pin m »njroni vrroru Ich habe die Gesetze Goltes und seine Unterweisungen bekannt zu machen. Jithro räth: iwnn rw D'pinn m ünnx mmni. Du mußt ihnen die Gcsetze und Lehren beleuchten. Darin liegt der tiefe Gegensatz zwischen Moscheh'sund seines Schwiegervaters Auffassung. Sind Gottes Gesetze in der That Gesetze Gottes, dann muß ihre bloße Kenntniß auch ihre Anerkenntniß zur Folge haben. Dann bedürfen sie keiner Begründung und Beleuchtung. Sind sie es nicht, dann wird auch die trefflichste Begründung und Beleuchtung nicht ihre Befolgung garanttren. Werfen wir noch einen flüchtigen Blick auf diese in der Geschichte der Menschheit einzig dastehende Erscheinung eines Volkes, das inmitten der Schrecken der Wüste während 40 Jahre das Gesetz seines Gottes erlernt, um nun aus diesem Beispiel die Winke und Regeln dafür zu finden, wie wir unsere Kinder für das Judenthum, für die Thora gewinnen. Es ist doch derselbe Gott, dieselbe Thora, es sind die Enkel derselben Ahnen, es ist dieselbe Welt, die jetzt wie einst der Verwirklichung dieses Gesetzes entgegensteht. Die Uebermittelung des Gesetzes in seinen einzelnen Parthien an das Volk war der Lehrtätigkeit Moscheh's und der dafür eingesetzten Organe übertragen. Eine ungewöhnliche Förderung und Unterstützung erhielt aber diese Lehrthäligkeit durch die ganze äußere Umgebung, durch die wunderbare Gestaltung der Lebensschicksale des Volkes, durch das volle vierzig Jahre ununterbrochen andauernde Wunderwalten Gottes inmitten der verlassensten Einöde. Was der Thora, ihrer Aneignung und Verwirklichung sonst feindlich im Wege steht, sie stehe im Gegensatz zur Welt, man könne bet ihren Förderungen kein Brod, keine Verbindung, keine Zukunft finden, alle diese Bedenken waren durch die Thatsachen so wunderbar widerlegt, daß sie gar nicht auftauchen konnten. Gottes Wolke bei Tag, Gottes Feuerzeichen bei Nacht, Gottes Brod zu ihren Füßen, Gottes Trunk aus jedem Felsen, Gottes bis auf den letzten Faden ihres Gewandes sich erstreckende Fürsorge während der ganzen Wüstenwanderung, diese und zahllose andere Wunderthaten waren mächtige Mittel, die Geister und Gemüther für das Gesetz zu gewinnen, für deffen Entgegennahme und Verwirklichung sich alle diese Wunder vollzogen. Das Gedächtniß dieser Wunder festzuhalten, ihre Beziehung zur Thora, ihre Begründung, Ziel und Zweck derselben dem Verständniß zu vermitteln, ist der wesentliche Theil derjenigen Seite unserer Ueberlieferung, die den