Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 7 (22.1.1894)
- Date
- 1894-01-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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m WWYWWMMMWM 109 Herr Pfarrer, daß auch nur Eines meiner Pfarrkinder sich an diesem frevlen Treiben betheiligt, ich würde mich schämen, ihr Pfarrer zu sein. Das sind goldene Worte, die dem wahren GotteSmann und echten Seelenhirten zur höchsten Ehre gereichen. Eine große Genugthuung muß es dem hochwürdigsten Herrn gewesen sein, daß seine Lehren nicht in dürres Erdreich gefallen sind, denn, wie uns verbürgt mitgethetlt worden, hat die Kelzer Bürgerschaft in der sehr erregten antisem. Versammlung durch Abwesenheit geglänzt. Für sein thatkräftiges menschenfreundliches Vorgehen sei dem hochwürdigen Herrn hiermit der wärmste Dank dargebracht und aus vollem Herzen rufen wir: „vivant sepuentes!“ Wongrowitz, 10. Jan. Vor einiger Zeit ist in Ihrem gesch. Blatte von der Gründung eines jüd. Litteraturvereins in hiesiger Gemeinde berichtet worden, dessen Tendenz sein soll, durch geeignete Vorträge die Gelstcsschätze des Judenthums, die für viele unserer Glaubensgenossen terra incognita sind, aus dem tiefen Schachte der jüd. Litteratur ans Tageslicht zu fördern, um dadurch belebend und anregend auf den religiösen Sinn einzuwirken. In den letzten Wochen hatten wir wieder Gelegenheit, drei bewährte Redner zu hören. Den Reigen dieser drei Vorträge eröffnete unser Cantor und Rabbinatsverweser, Herr Rischkowsky mit dem Thema „der Talmud." Nachdem Herr Rischkowsky ein Bild der Entstehungsgeschichte des Talmuds in kurzen Zügen entworfen, ging er zum Inhalte desselben, zu Halacha und Agada über und führte so die Zuhörer durch die Werkstätte geistigen Schaffens unserer Weisen b“i. Bei der Reichhaltigkeil des Stoffes konnte das Thema selbstverständlich in einem Vortrage nicht erschöpfend behandelt werden, weßhalb der Vortragende sich vorbehielt, in einem der nächsten Sitzungsabende die Ausführungen fortzusetzen. Mit sichtlichem Interesse folgte das Auditorium den Worten des Redners. Den zweiten Vortrag hielt Herr Lehrer Spiewkowski über „die Geschichte der Juden im Mittelalter." Es war ein ebenso düsteres als wahrheitsgetreues Bild, das uns der Vortragende entrollte, ein Bild jener finsteren Zeiten der Bekehrungssucht und der Folter, und mancher Zuhörer mag im Stillen Gott gedankt haben, in einer Zeit zu leben, die im Verhältntß zu der früheren doch noch als eine wahrhaft paradiesische betrachtet werden dürfte. Auch dieser Vortrag erfreute sich des lebhaften Beifalls der Zuhörer. Sonntag den 14. d. Mts. hatten wir das Vergnügen, Herrn Rabbiner Dr. Rosenthal aus Rogasen hier zu hören. Das Thema seines Vortrags lautete: „Agada und jüd. Geschichtsschreibung." Redner ging davon aus, wie die jüd. Geschichtsforschung ihre besondere Erschwerung besitze, weil das Institut, auf welches die Forscher sich heutzutage am meisten verlassen — das Archiv — für die jüd. Geschichtsforschung recht wenig Material aufwefft. Um so hervorragender muß die Bedeutung der „Agada" für die jüd. Geschichtsforschung sein, da diese dem Forscher, wie Redner an diversen Beispielen zeigt, wcrtdvolle geschichtliche Anhaltspunkte bietet. Die Auslegung der Agadastellen boten viel des Interessanten und Anregenden. Originell war besonders eine Halachastelle in 'dvini poin yjy n"j? ,a*o *p tfnos, worin der Herr Dr. ebenfalls eine geschichtliche Andeutung gefunden haben wollte. Lauter Beifall wurde dem Redner nach Schluß des Vortrages gezollt. — An die Rede schloß sich eine Berichterstattung des Herrn Dr. Rosenthal: Bericht über die Tagung des Centralvereins in Hannover, dem auch unser Verein sich angeschlossen und mit dessen Vertretung genannter Herr betraut worden war. — Der bisherige Verlauf der Vortragsabende giebt der Hoffnung Raum, daß unser Verein gedeihen und zu etnem religiös-regeren Leben wesentlich beitragen werde. Mögen an ihm in Erfüllung gehen die Worte: db6 nito n’DJa bj □’pnrft nöio D'otßr „Jede Vereinigung zu göttlichen Zwecken hat dauernden Bestand." nm* «tn England. Portsea im Januar. Der jüdische englische Oberstlieutenant Goldsmid hielt vorige Woche in der großen Synagoge in Manchester einen sehr interessanten Vortrag. Es war in einem besonderen. feierlichen Gottesdienste, den der Verein „Chowewe Zion" (jvs om) veranstaltete. Der Redner ermahnte die Zuhörer, die nationale Idee, d. i. den Glauben an die einstige Rückkehr unseres Volkes nach dem heiligen Lande und die Wiedererbauung des Tempels in Zion, wie von den Propheten vorher verkündigt, fest zu halten, den Kampf mit den Antisemiten fortzusetzen und ihre Rathschläge dadurch zu vereiteln, daß wir dem Judenthume treu bleiben und die Feinde Lügen zu strafen durch unseren streng religiösen und moralischen Lebenswandel, wie es unsere heilige Religion vorschreibt. Rußland. Petersburg, 17. Jan. Die „Rowostt" melden gerüchtweise, es sei die Frage angeregt worden, den Rayon, in welchem sich die Israeliten in Rußland unbeschränkt ansiedeln dürfen, zu erweitern. Libau. (Fortdauernde Juden-Auswanderung.) Unter den Lokalnachrichten des „Lib. Tgbltt." finden