Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 7 (22.1.1894)
- Date
- 1894-01-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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10t Das Werk des Verf. hatte sich bet seinem ersten Erscheinen bald eine Anzahl von Freunden erworben, obwohl es von manchen Mängeln nicht frei war. In richtiger Würdigung des Grundsatzes, daß der Verf. eines Werkes nie mit demselben abgeschlossen hat, daß es stets etwas zu verbessern gibt, da die Forschung nicht still steht, und daß der Autor sich als der Berufene bewährt, der sich einer gerechten Kritik gegenüber nicht ablehnend verhält, sondern deren Winke sich merkt, hat der Verfasser auch hier bei der zweiten Auflage die verbessernde Hand angelegt, wenn er auch nicht allzu oft die Feder ansetzen mußte. Neu ist der Anhang, der uns Proben aus der jüdischen Litteratur bringt, eine willkommene Vermehrung, bei der wir nur bedauern, daß bei den meisten Proben die Uebersetzer nicht genannt sind. Was nun das Werk selbst betrifft, so ist nicht nur der treffliche Stil, sondern, was wahrhaft meisterhaft ist, die knappe übersichtliche Darstellung, die jedoch nichts Wesentliches übergeht, zu loben. Ferner müssen wir die Objecttvität, die der Verf. zu wahren verstanden hat, rühmend hervorheben, eine Objectivität, welche den unbefangenen Leser nur angenehm berühren kann. Von dem, was uns beim Lesen aufgefallen, möchten wir den Bericht über die Einnahme Jerusalems durch Titus in etwas besonders beanstanden. Daß Titus nicht der rührselige Eroberer gewesen, wie Josephus ihn geschildert, ist durch eine Schrift von Jacob Bernays längst erwiesen, man sollte deßhalb von der Josephinischen Tradition absehen und dem Titus keine Hochherzigkeit vindiciren, wo er keine verdient: der Tempel war nicht gegen seinen Willen angezündet worden, die Brandfackel wurde vielmehr auf seinen Befehl in denselben geschleudert. Im übrigen aber empfehlen wir das ebenso belehrende, wie unterhaltende und trotz des niedrigen Preises prächtig ausgestattete Buch allen Freunden einer anregenden und guten Lektüre. * * * Gin Gchidduch aus Liebe. Humoreske aus dem jüdischen Leben von M. Ries, Hauptlehrer. Pr. M. 1. Frankfurt a. M. 1894. I. Kauffmann. 8. Wer durch herzerfrischenden Humor eine Stunde heitern Genteßens sich bereiten will, der nehme das vorliegende Büchlein zur Hand. Hier tritt uns das gemüthliche Heim des jüdischen Hauses mit seinen frohsinnigen und biedern Menschen entgegen, das innige und sinnige Familienleben, das nur bisweilen durch einen kleinen Sturm aufgeregt wird, wenn das Elternpaar, jedes in seiner Art, das Glück des Kindes zu gründen sucht; da geräth dann der optimistisch denkende Mann, der jedem Ehevermittler unbesehen glaubt, mit der klugen, geschäftgewandten Frau, die jeden Schadchen skeptisch beurtheilt, aneinander. Aber der Sturm ist rasch vorbei. Hier haben wir Personen, dem Leben entnommen, keine Homunkeln, alles lebensgetreue Gestalten. Der alte Bran sowohl, wie seine Frau und auch die Muhme Frieda mit ihren Kindern. Ergötzlich ist der Schadchen Fuchs dargestellt, der nur das Beste seiner Nebenmenschen will, natürlich mit zwei Prozent Verdienst. Daß Sara ihr Vorhaben durchsetzt, nur aus Liebe zu heirathen, nicht aber eine geschadchente Parrhie etnzugehen, und daß die Geschichte in Breslau und einem Posenschen Landstädtchen spielt, wollen wir verrnthen, weiter aber nichts; das Uebrtge möge man in dem Buche selbst Nachlesen, das wir auf's Wärmste empfehlen. * * * ru^n mnyi nyio by dhi«'3i ü’rrn "121» D”nn niNTiyDi. Von Rabb. S. Klein in M.- Keresztes, Ungarn, Com. Bihar. Das Werk enthält rwn zu allen ganzen und halben Feiertagen und sonstigen feierlichen Anlässen und ist sowohl seines gediegenen Inhaltes, als auch seines wahrhaft klassisch-schönen hebräischen Stiles halber zu den besten in diesem Fache zu zählen. Was das in Rede stehende Werk aber noch ferner empfehlenswerth macht, ist der Umstand, daß der Verfasser *"i den Ertrag desselben zu Gunsten des Baues einer mpo in seiner Gemeinde bestimmt hat. Es ist demnach hiermit jedem Freunde und Förderer alles Edlen und Guten die günstige Gelegenheit geboten, ein doppelt edles Werk zu unterstützen. Das Werk (Laden-Preis 50 kr. oder 1 Mark) ist direkt durch den Verfasser, S. Klein, Rabbiner in M.-Keresztes, Ungarn, Com. Bihar, zu beziehen. Großwardein. I. Großb erg. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 17. Jan. Aus der dem Herrenhause zugegangenen Ueberstcht der von der Staatsregierung gefaßten Entschließungen auf Anträge und Resolutionen aus der letzten Session ist Folgendes hervorzuheben: Auf die ihr zur Berücksichtigung überwiesene Petitionen, welche eine staatliche Prüfung der jüdischen Geheimgesetze verlangen, erwiedert die Regierung: „Auf den Beschluß ist nichts veranlaßt, weil derselbe nach der Auffassung der königlichen Staatsregierung undurchführbar erscheint."