Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 6 (18.1.1894)
- Date
- 1894-01-18
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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47 J^vyv -^5^^ pathien würde eine solche Kolonie sich in den Angen der gesammten jüdischen Glaubensgenossenschaft erringen können, als diejenigen, welche man jedem Streben nach ehrlicher Existenz zollt. Aber solche Bestrebungen scheitern eben alle Tage, solche Privatunternehmungen gehen allenthalben und zu jeder Zeit zu Grunde, ohne dass irgend ein Anderer sich veranlasst sieht, der „verkrachten Gründung“ hilfreich unter die Arme zu greifen. Ganz anders liegt die Sache, wenn es sich um eine Kolonie in Palästina handelt. Die ersten Ansiedler palästinensischer Kolonien handelten, wie wir dargethan haben, keineswegs im Aufträge der Gesammtheit, aber dennoch entsprach ihr Schritt einem Gedanken, der schon seit achtzehn Jahrhunderten tief Wurzel gefasst hatte im Judenthume, er entsprach einer Idee, die unsterblich lebt in diesem Volke; instinktiv wurden die ersten Kolonisten als Pioniere des ganzen Judenthums angesehen. Sie zu unterstützen, sie zu fördern in ihrem Fortkommen, sie aufzuhalten, wenn sie zu fallen drohten, musste somit geradezu als eine heilige Pflicht, als ein Gebot Gottes erscheinen. Der Unterschied zwischen Ost und West, zwischen Palästina und Amerika, trat besonders markant hervor zu Anfang des Jahres 1884. Von der Existenz der amerikanischen Kolonien, welche um diese Zeit in’s Leben gerufen wurden, nahm man in weiteren Kreisen kaum Kenntniss, ihr Schicksal liess das grössere jüdische Publikum gleicheiltig, und nur Wenige wissen, wie viel solcher Kolonien überhaupt je bestanden, wie viele noch bestehen, und auf welche Weise die anderen ihr kurzes Leben beendet haben. Als man dagegen mit der Gründung der ersten jüdischen Kolonie in Palästina begann, da wurde zugleich in das Geistesleben der sieben Millionen Juden Polens und Rumäniens ein neues Element eingeführt, jenes Ereigniss stellt einen neuen Gährungsstoff dar, dessen Funktion es ist, die Masse in ihren tiefsten Tiefen aufzuwühlen und Idem äusseren und inneren Leben des osteuropäischen Juden neue Form und neuen Inhalt zu verleihen. Dieses konnte man unverkennbar um ebendieselbe Zeit, nämlich um das Jahr 1884, wahrnehmen. Damals nämlich sahen sich die rumänischen Kolonisten in Galiläa und die von Jerusa- 1 em ausgezogenen Juden inPessach-Tikwah zu einem öffentlichen Aufrufe genöthigt, in welchem sie ihre Glaubensgenossen in der ganzen Welt um Hilfe baten. Kaum war der Ruf zu den festgeschlossenen jüdischen Massen im Osten gedrungen, als sich ihrer auch schon eine tiefgehende Erregung bemächtigte, wie sie seit dem Jahre 1840 sich nie wieder gezeigt hatte im jüdischen Volksthume, seit jener Zeit der grossen Blutbeschuldigungen in Damaskus. Die Discussion in den hebräischen Zeitungen, in den Synagogen und Bethäusern, der Verkehr auf der Strasse und in den Familien, Alles concentrirte sich jetzt um die Angelegenheiten der Kolonisten, sie bildeten und beherrschten das ganze Tagesgespräch, das Tagesinteresse. Wenn mau jetzt die fieberhafte Thätigkeit betrachtet, welche sich gegenwärtig bei uns zu Gunsten der russischen Flüchtlinge entfaltet, so gewährt das nur ein schwaches Abbild von dem, was damals in Russland geschah. Als die ersten Unterstützungsgelder nach Palästina abgingen, und als man das Schicksal der Kolonisten für die nächstligende Zeit gesichert zu haben glaubte, da fing man an, allenthalben ständige Vereine zu bilden, die ihrerseits wieder zu einem grossen, über ganz Russland sich verbreitenden Gesammtverein der „Zionsfreunde“ zusammentraten. (Fortsetzung folgt.) •p- —— Was giebt es in Palästina auf dem Markte im Januar?*) --**>*H>——=3#***-- Fragt man hier im Winter den Einkäufer, was es auf dem Markte gebe, so lautet die Antwort gewöhnlich: mafisch, nichts. Doch hat in Palästina selbst im Winter jeder Monat seine besonderen Erzeugnisse, die natürlich zu Markte gebracht werden. Im Januar werden namentlich die Knollengewächse zeitig, nämlich die Rüben, die Rettige. die gelben und die rothen Rüben. Die Rüben, aus denen man in Deutschland das kleine Kraut zu bereiten pflegt, werden *) Aus „Das he i i i ge Lau d“. in Palästina in Essig und Salz eingemacht und als Salat verspeist. Die Araber nennen diese Rüben lift. Die Rettige haben in Palästina w^isse oder weissblaue Farbe und bilden eine Pfahlwurzel, meistens von bedeutender Grösse. Die Araber verzehren das Kraut roh und als Salat, aber auch die Wurzel, jedoch ohne Pfeffer und Salz. Rettig darf zu dieser Jahreszeit bei keiner Mahlzeit fehlen, oftmals besteht dieselbe auch nur aus Rettig und Brod. Die Araber nennen den Rettig fidschl. Eine Eselsladung