Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 6 (18.1.1894)
- Date
- 1894-01-18
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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- Die Kolonisation Palästinas. Ackerbau ln Palästina. (IV. Fortsetzung.*) Die in der Nähe ansässigen württemberger „Temler“, die auch im heiligen Lande ihrer judenfeindlichen Regungen und Neigungen sich nicht entschlagen konnten, hatten nämlich den Ansiedlern auf Befragen den Rath ertheilt, auf einem Berge nach Wasser zu graben, und vertrauensselig hatten diese den argen Rathschlag befolgt. Damit war wieder ein Versuch, aus eigener Thatkraft die gegebene Lage aufzubessern, misslungen, und tiefbekümmert durch all’ diese Enttäuschungen gaben sich die Kolonisten ihrer Niedergeschlagenheit hin. Hoffnungslos und muthios, Hessen sie sich nun dazu Hinreisen, die SciiUld an den erlittenen Misserfolgen sich gegenseitig beizumessen. So brachen dann bald Zwistigkeiten und Unruhen unter ihnen selbst aus, und schon war man im Begriffe, die Ansiedelung ganz und gar aufzugeben, den Boden, der so mit Undank lohnte, auf dem man so viel Mühsal, so viel Unheil erduldet, gänzlich zu verlassen. Doch in diesem Augenblicke kam Hilfe von der gesummten jüdischen Glaubens- und Stammesgemeinschaft, die, zerstreut in der ganzen Welt, durch einmüthiges Handeln, durch that kräftiges Eingreifen der Kolonisationsidee auf palästinensischem Boden von Neuem belebte. § 4. Rettung der palästinensischen Kolonien. Die „Zionsfreunde“. Mit wohlbedachter Absicht haben wir bei der wenig erfreulichen Geschichte der ersten jüdischen Ackerbau-Kolonien in Palästina etwas lange verweilt. Diese Betrachtung sollte uns einerseits unsere eigene Schwäche kennen lehren, sodann aber wollten wir an ihrer Hand beweisen, dass jenes Kolonisationswerk durchaus nicht dem Willen der jüdischen Gesammtheit entsprach, dass, ganz im Gegentheil, nur Wenige es einsahen, wie gerade von solchen Unternehmungen eine glückliche Wendung in der Geschichte des jüdischen Volkes mit Sicherheit zu erwarten steht. Wäre die Theilnahme für die Idee, das heilige Land mit jüdischen Kolonisten zu besiedeln, weiter verbreitet gewesen, hätte man sie allgemein getheilt, wie wäre es dann mög- 8. Nr. 490. lieh gewesen, dass so bittere Früchte zur Ernte reiften, wie in Ris ch on-Lezion und Pessach- T i k w a h , dass so arge Missgriffe Vorkommen konnten, wie die eben geschilderten! Hätte man sonst wohl hören können, dass Leute ausziehen, um eine Ackerbau-Kolonie in’s Leben zu rufen in einem fernen Lande, dessen Klima sie gar nicht kennen, dass sie dann dem arglistigen Rathe Gehör schenken, nach einem Brunnen auf der Bergspitze zu graben? Zu dieser völligen Unkenntnis der elementarsten Dinge, mit welcher Pflanzer vertraut sein müssen, gesellte sich noch ein weiterer, sehr unheilvoller Defect: man kannte auch die Eigenart der Leute nicht, in deren Mitte man sich niederliess. Man war nicht im Geringsten vertraut mit den Gesetzen des Landes, mit den Gepflogenheiten seiner Behörden und den Bestrebungen seiner Regierung, man wusste nichts von den Sitten und Gebräuchen seiner Einwohner, der Araber. Letzteren hätte man sonst nicht so unverhältnissmässig hohe, die vorhandenen Mittel erschöpfende Preise bewilligt beim Ankäufe von Grund und Boden, man wäre auch sonst nicht so leicht mit ihnen in Konflikt gerathen. Unter solchen Umständen würden die von Juden in Amerika angelegten Kolonien schon im Entstehen wieder zerfallen. Gleich nach den ersten Misserfolgen würden sich die Ansiedler nach den nächstgelegenen Städten zurückziehen, und nur zu rasch und zu gern ihrem Wunsche, Landwirth zu werden, entsagen; sie würden es versuchen, ihr Brot als „Pedlar“ zu verdienen. Selbst aber, wenn ihnen — wie es ja bei den Kolonisten in Palästina der Fall war — jede Rückkehr zur alten Beschäftigung abgeschnitten wäre und sie überdies, durch irgendwelche seltsame Geschmacksrichtung bestimmt, um jeden Preis danach ringen wollten, als argentinische Bauern zu leben, so würden sie eben zu Grunde gehen, ohne dass Jemand ihnen eine Thräne nachweinen würde. In den Augen ihrer Glaubensgenossen würde eine solche argentinische Kolonie nichts Anderes sein, als ein Privatum ernehmen, in’s Leben gerufen von Leuten, die für sich und ihre Angehörigen eine Existenz schaffen wollten. Keine anderen Sym-