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Der Israelit · 1894-01-18 · Heft 6 (18.1.1894) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 6 (18.1.1894)
Date
1894-01-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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94 Periode zusammen sechs, in den übrigen fünf Jahren nicht ein einziger hessischer Jude. Und wie verhält es sich mit den übrigen Delikten, an welchen die Juden hauptsächlich und verhältnißmäßig mehr als die christliche Brvölkerung bethetligt sind? Daß die größere Betheiligung der Juden an gewissen Delikten eine Folge ihrer Berufsthätigkeit ist, „weil sie vorwiegend im Handel und Verkehr beschäftigt sind und daß die den letzteren Berufszweigen Obliegenden überhaupt „durchschnittlich die höchste Kriminalität bet den Vermögensdelikten aufweisen," erwähnt wiederholt die amtliche Statistik, nach welcher z. B. die im Handel und in der Industrie Thätigen durch ihren Beruf dazu verführt werden, ,20 pCt. mehr Betrugsfälle auszuführen als die bei der Land- und Forstwirthschaft Be. schäftigten. Von den preußischen erwerbthätigen Juden find im Handelsgewerbe überhaupt beschäftigt 50,38 PCt., im Maaren- und Productenhandel 46,46 pCt.; von den hessischen Juden jedoch im Handelsgewerbe überhaupt 60.53 pCt., im Maaren- und Productenhandel 55,83 pCt. Es sind demnach von den Handel treibenden Juden in Preußen 6,00 pCt., von den mit Maaren- und Productenhandel beschäftigten Juden in Preußen 6,03 pCt. hessische Juden. Die Betheiltgung der Letzteren an den Vermögensdelikten der preußischen Juden müßte demgemäß zum Mindesten höher als 6, 0 pCt. derselben betragen, wenn aus ihr auf eine geringere Moralität der hessischen Juden geschlossen werden soll. Und wie ist das Verhältnis in Wirklichkeit? Während der ganzen Periode wurden verurteilt : in Preußen in Hessen wegen Meineides 117 Juden, 2 — 1,74 pCt. „ fahrt, falschen Eides 41 0 — 0,00 „ „ Betruges 1720 „ 95 — 5,24 „ „ Betruges im wiederholten Rückfall 0 — 0,00 „ „ Urkundenfälschung 343 „ 9 — 2,62 „ „ betrüget:. Bankrotts 110 „ . 4 — 3,63 „ „ einfachen Bankrotts 624 „ 9 — 1,44 „ Zusammen 3023 „ 119 — 3,93 „ Die hessischen Juden begehen also mindestens 2,07 pCt. weniger Vermögensdelikte als nach dem Maßstabe, den die amtliche Statistik für die Betheiligung an den Vermögensdelikten aufstellt, von ihnen zu erwarten war. — Die hessischen Juden wären also, wenn wir, wie dies ja leider auch von Juden so häufig geschieht, von Einzelnen auf die Gesammtheit schließen wollten, mcht schlechter, sondern um 2,07 pCt. besser als der Durchschnitt der Handel treibenden Juden Preußens, und um 1,08 pCt. besser als der Durchschnitt der preußischen Juden. — Die Ergebnisse der Criminal- und Berufsftatiftik für die Juden der einzelnen Bezirke Preußens resp. Deutschlands werde ich bei anderer Gelegenheit veröffentlichen; im Zusammenhänge mit obigen Ausführungen würden die Darlegung derselben zu leicht Veranlassung sein können, daß gegen die Juden eines anderen Bezirkes der Vorwurf erhoben würde, dessen Grundlosigkeit für die hessischen Juden ich durch meine Ausführungen bewiesen zu haben glaube. Es würde mich freuen, wenn dieselben zur Beseitigung dcs in jüdischen Kreisen gegen die hessischen Juden so tief wurzelnden Vorurihetls ein wenig beitragen, und in weiten Schichten der Bevölkerung die Ueberzeugung befestigen würden, daß der angebliche Zusammenhang der antisemitischen Bewegung mit dem moralischen Verhalten der Juden hier wie anderwärts nicht anderes ist als — eine conventionelle Lüge. — Zeitrrugsuachrichteu und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 12. Januar. Gegen den Redakteur Ober wind er vom „Volk" ist, wie dieses Blatt des Herrn Stöcker selbst meldet, vom Reichskanzler Grafen Cuprivi Strafantrag wegen Beleidigung gestellt worden. Die Beleidigung wird in der Aufnahme der gehässigen Erklärung des Frhrn. v. Thüngen gegen den Kanzler gefunden. Berlin, 13. Januar. Eines der Haupthetzmittel des Radauanttsemitismus ist die angebliche Thatsache, daß „so viele" Juden in Konkurs gerathen. Daß dieses Unglück indessen vor der Konfession nicht Halt macht, ja, daß es sogar in bitterer Ironie Antisemiten vom reinsten Wasser zu Schicksalsgenossen „so vieler" Juden macht, beweist die soeben erfolgte Zahlungseinstellung des sogenannten „christlich-deutschen Bazars" am Spittelmarkt 2. M-t derselben Unverfrorenheit, mit welcher diese Hochburg des Geschäftsanttsemitismus bisher seine Maaren und seinen unverfälschten Rassenhaß dem Publikum zu bieten gewagt hat. offerirt es jetzt — seinen Gläubigern einen Akkord von 25 Prozent. Ein Circular eines Herrn Bathe, der sich somit, was aus dem Adreßbuch nicht hervorgeht, als Besitzer des edlen Unternehmens vorstellt, stellt nämlich die Gläubiger vor die angenehme Wahl, entweder sich mit einem Viertel ihrer Forderungen zu begnügen, oder gegen den „christlich-deutschen Bazar" die Eröffnung des Konkursverfahrens zu beantragen. Diese Naivität dürfte denn doch selbst den antisemitischen Kreditoren über den Spaß gehen.

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