Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 6 (18.1.1894)
- Date
- 1894-01-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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7?! so durchgeführt wird, entziehen sich die Berichte über dieselbe selbstverständlich der Oeffentlichkeit und wird sich demnach auch nicht bestimmen lassen, inwieweit sich jene drei jüdischen Thetlnehmer an der Verschwörung vergangen haben. Jedenfalls haben auch diese den religiösen Boden unter sich verloren, und so sieht man immer mehr und mehr, welche Früchte der religiöse Jndifferentismus zeitigt. Um so schmerzlicher ist der Verlust, den das Judenthum mit dem Htntritte glaubensstarker Männer erleidet. Einen solchen haben wir erst gestern in der Person deS Kreisrabbiners Herrn Moses S ch i f f m a n n, der im 83. Lebensjahre gestorben ist, zu Grabe getragen. Der Dahingeschiedene wirkte, nachdem er die philosophischen Studien an der Prager Universität, nachher die Rabbinatsschule in Preßburg absolvtrt hatte, als Rabbiner zuerst in Miskowitz, dann in Wotkttz, zum Kreisrabbtner für den Berauner Kreis ernannt, wurde ihm vom Ministerium die Bewilligung erthetlt, seinen Wohnsitz in Prag zu nehmen. Der Verblichene ward wegen seines bescheidenen und wohlwollenden Wesens allenthalben hochgeschätzt. Mit ihm ist der vorletzte Kreisrabbtner in Böhmen auS dem Leben geschieden. Das Leichenbegängniß gestaltete sich zu einer eminenten Trauermanifestation. Am Sarge deS Dahingeschiedenen widmete diesem im tsr. Badhofe Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner Dr. E h r e n f e l d in schwungvoller und geistreicher Rede einen ergreifenden Nachruf, in der Germania- Halle aus dem neuen israel. Friedhofe hielten Angesichts der Bahre, die Herren Rabbiner Dr. Tauber und S. Königsberg aus Beneschau und schließlich Herr Lehrer M. Zimmer aus Bernau Trauerreden, die fünf Viertel Stunden in Anspruch nahmen. An demselben Tage wurde auch Frau Sara Petschett, eine durch Gottesfurcht und humanitären Sinn ausgezeichnete Frau zur Erde bestattet. Sie hatte das Alter von 67 Jahren erreicht. Rußland. Petersburg, 8. Dez. Bei uns in Rußland ist, wie die Oesterr. Wochenschr. meldet, der Familienname „Goetz" und namentlich nur unter Juden sehr verbreitet. Mir selber ist ein Dutzend recht gelehrter Talmudisten unter genanntem Namen, wie auch ein Herr Goetz, welcher die Universität in Petersburg beendet hat und der vielleicht im Stande ist, auf dem Gebiete der Gelehrsamkeit mit Herrn Assistenten und Oberarzt „Goetz" zu wetteifern, sehr gut bekannt. Ich habe nie über den Ursprung dieser ganz schlichten jüdischen Familie nachgedacht, und erst nach dem Erscheinen deS „intereffanten Briefwechsels" in Ihrem geschähen Blatte habe ich eine genealogische Forschung in den vermoderten Papieren unseres Gemeindearchivs unternommen und es gelang mir, daraus klar zu ersehen, daß der Familienname „Goetz" oder „Goetze" schon seit einigen Jahrhunderten unter Juden existirt und daß der Stammvater dieser weitverzweigten Familie Christ war, welcher, in Deutschland wohnend, aus eigener Ueberzeugung sich zum Judenthume bekehrte; um aber die liebevolle Behandlung der frommen und menschenfreundlichen Dominikaner und anderer weichherziger Orden nicht in Anspruch zu nehmen, begab er sich nach Rußland, wo er den Namen „Goetz" (pj) d. h. Ger Zedek, annahm. Möglich, daß ein Urahn des Herrn Assistenten und Oberarztes wieder zu der Mutterkirche übergangen ist und den ihm angeerbten Namen „Goetz" nicht wechseln wollte und nur einen einzigen Buchstaben hinzufügte, um doch den vorigen Namen etwas zu verändern. Ich habe diese mühsame genealogische Forschung unternommen und sie an's Licht gebracht, um erstens dem Herrn Assistenten und Oberarzt seine Herkunft zu zeigen und zweitens unseren Glaubensgenossen welcher sich den Namen „Goetz" erfleht hat, zu versichern, daß dieser Name ebensoviel jüdische Elemente als „Smul" enthält. Asien. Indien. Der jüngst erschienene Bericht über die Volkszählung des Jahres 1891 enthält folgende Mittheilung: Abgesehen von den Haupt-Handelsstädten Bombay und Calcutta bestehen hier noch zwei jüdische Colonien an der Westküste. Obschon die Zeit ihrer Gründung unbekannt ist, sind sie doch ohne Zweifel von hohem Alter. Die beiden jüdischen Gemeinden bestehen aus sogenannten weißen und schwarzen Juden. Erstere sollen sich stets von einer Verheirathung mit den Töchtern deS Landes fern gehalten haben, letztere aber den Mischehen zum Opfer gefallen sein. Auch in Aden befindet sich eine Ansiedelung dieser schwarzen jüdischen Handelsleute, welche einen nordarabischen Dialekt sprechen. Die Gesammtzahl der Juden unseres Landes beträgt ungefähr 17,200, von welchen 10,500 in Bombay, 2800 in Aden, 1300 in Cochin und 1450 in Calcutta wohnen. Die übrigen leben zerstreut in den verschiedenen Handelsorten oder dienen in der Armee. Diese letzteren haben neben der Sprache auch viele Gewohnheiten der sie umgebenden Maratha-Bevölkerung adoptirt, sind aber den Grundsätzen ihrer Religion treu geblieben. Dasselbe ist auch der Fall bei den Juden in Cochin. > vermischtes. < Das Vermögen deS Unterstützungs-Vereins für die iSrael. Lehrer Rheinlands «. Westfalens ist im letzten Jahre auf 77,000 Mark gestiegen, so daß die Unterstützungsquote erhöht werden konnte.