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Der Israelit · 1894-01-18 · Heft 6 (18.1.1894) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 6 (18.1.1894)
Date
1894-01-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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89 dings bestätigt, daß er die Aeußerung, Ahlwardt habe Recht, nicht gethan habe, daß er sich aber unmöglich darauf einlassen könne, jede solche Behauptung eines anonymen Zeitungsartikels zu widerlegen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. K. Prag, 15. Januar. Meinen letzten Bericht schloß ich mit dem Hinweis auf den hierzulande immer mehr um sich greifenden Jndifferentismus. Daß dieser bereits acute Formen anzunehmen beginnt, dafür spricht folgende Thatsache. Vor mehreren Tagen nämlich haben hier drei dem Judenthum angehörtge junge Männer ihren Austritt aus demselben angemeldet und sind zum Katholicismus übergetreten. Einer derselben, Juris Doktor, ist der Sohn des vielbeschäftigten, woblhabenden Advokaten W., der zweite ein Mediziner, dessen Vater der gutsituirte Kaufmann I. und der dritte ein in der Fabrik seines reichen Vaters S. thätiger junger Mann. Nachdem kein greifbares Motiv vorhanden war, das jene drei junge Leute zum Religionswechsel veranlaßte, weder materielle Nothlage oder Berufsgründen, am allerwenigsten aber Ueberzeugung sie über die Klinge springen ließen, so sind jene Schritte jedenfalls nur auf die sich in den Abtrünnigen verkörperten Erzichungsresultate zurückzuführen. Mit diesen sieht es aber auch hier in den meisten wohlhabenden Familien sehr traurig aus, die Irreligiosität feiert in denselben ihre Orgien, dagegen nimmt die Vornehmthuerei zu, verbunden mit dem Bestreben, Alles, was jüdisch heißen könnte, abzustreifen, nicht einmal der Schein wird gewahrt und die Anmaßung geht bei Tage bloß, der Umgang mit Juden wird gemieden, dagegen werden die christlichen gesellschaftlichen Kreise aufgesucht, in denen man sich, obschon mit scheelen Augen angesehen, etnntstet und sich allmählich ganz und gar vom Judenthum entfernt. Es bringt demselben die Apostation charakterloser Ueberläufer genau genommen mehr Nutzen wie Schaden, weil es von unlauteren Elementen gereinigt wird und es nicht wie bet anderen Religionen auf die numerische Stärke, nicht auf die Qualität, sondern auf die Festigkeit des alten unerschütterlichen Banners des Judenthums und auf seine Qualität ankommt. Symptomatisch bleiben jedoch immerhin für unsere Zeit und für die religiöse Richtung, die in so vielen jüdischen Familien eingeschlagen wird, die verhältnißmäßig in den letzten Jahren zahlreich erfolgten Uebertritte; sie liefern auch den Beweis, daß den Fahnenflüchtigen der Antisemitismus in die Glieder gefahren ist. Nachdem dieser jedoch in Böhmen bet weitem nicht solche Dimensionen wie in anderen Ländern angenommen hat, was wohl davon herrühren mag, daß sich die beiden Volksstämme fortwährend in den Haaren liegen und ihnen wenig Zeit und Spielraum übrig bleibt, sich auch mit den Juden zu beschäftigen, so sind solche traurige Erscheinungen, als welche die hier erfolgten Uebertritte von Juden zum Christeuthum angesehen werden müssen, um so beklagenswerther. Der Antisemitismus tritt hier, wie gesagt, nur sporadisch auf, er wird zwar gezüchtigt, aber er gedeiht nicht überall, weil er keinen rechten Boden findet. ES gibt zwar einzelne Blätter, namentlich in der Provinz, welche nichts unversucht lassen, um auch der „Schmach unseres Jahrhunderts" das Wort zu reden und für sie Propaganda zu machen. Allein ihre Expectorationen scheitern an dem gesunden Sinn einer intelligenten Bevölkerung. So betreibt unter Anderen schon seit Jahren, aber mit wenig Erfolg, das in den „Weinbergen" einem Vororte Prags, erscheinende ischechische Wochenblättchen „Tscheske-Zajmy" den Antisemitismus, welches pochend auf das objektive Strafverfahren und allenfalls aucy auf die nachsichtsvolle Auffassung der Delikte seitens der Geschworenen bisher unbeirrt und unentwegt sein schmähliches Handwerk trieb, in jeder Nummer die Juden beschimpft und begeifert, mit einem Worte in Aufreizung gegen dieselben das Höchste leistet. Nun sind in Folge des bereits seit mehr als vier Monaten über Prag und Umgebung verhängten Ausnahmszustandes auf die Dauer derselben auch die Geschworenengerichte suspendirt, weßhalb die eines Vergehens oder Verbrechens durch die Presse angeklagten Redacteure fortan vor ein Ausnahmsgegericht gestellt werden. Ein solches Schicksal erreichte kürzlich den Redacteur obgenannter antisemitischer Zeitschrift Jaromir Hüscheke, der sich wegen gehässiger Ausfälle gegen die Angehörigen der jüdischen Religionsgenossenschaft und direkter Aufreizung zum Haffe und Verachtung g'gen dieselben zu verantworten hatte. Der öffentliche Ankläger beantragte die geheime Durchführung der Handlung, welchem Anträge der Gerichtshof, trotzdem der Angeklagte dagegen opponirte, auch stattgegeben hat. Nach durchgeführter Verhandlung wurde derselbe, zumal er eingestand, den Artikel selbst gelesen und in Druck gegeben zu haben, zu einer Woche Arrest mit einem Fasttage verschärft, verurtheilt. Heute begann gleichfalls vor einem Ausnahmssenate, diesmal sechsgliedrigen, die Schlußverhandlung gegen 77 Mitglieder des E'eheimbundes „Omladina." Leider befinden sich unter diesen Verschwörern auch drei Israeliten, was umso beklagenswerther ist, als t>ie Juden in Oesterreich volle Ursache haben, sich unter dem Scepter eines so hochherzigen und vorurtheilsfreien Monarchen glücklich zu fühlen. Nachdem die Verhandlung, welche voraussichtlich drei Wochen in Anspruch nehmen dürfte, geheim psp

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