Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 6 (18.1.1894)
- Date
- 1894-01-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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W ffMMWWWWWWWWWWWM WWWWMSWWM?? ^-WMW 91 Feuilleton. Im Wahne des Glücks. (5. Fortsetzung.) Von seinen Gedanken erfüllt, war er immer vorwärts schreitend von der Zeil in eine Seiten- Straße eingebogen und stand nun am Ufer des Maines. Da zuckte in ihm ein Gedanke auf. Schnellen Schrittes begab er sich in die S.- straße; dort kannte er einen edlen Mann; es war derselbe, der Max an ihn empfohlen hatte. Das Glück wollte ihm günstig; er fand den vielbeschäftigten Arzt gerade zu Hause und empfing herzlichen Willkomm. „Die Herrschaften, die Sie suchen, wohnen weit von hier, in einer prachtvollen Villa der Eschersheimer Landstraße; ich werde morgen früh bei ihnen Vorfahren und Ihren Besuch ankündigen." Dankend wollte fich Südländer entfernen, doch da hatte er nicht mit der Gastfreundschaft des Hauses gerechnet. Erst spät kam er in sein Hotel. Und doch konnte er kaum erwarten, bis die Nacht und der Vormittag vorüber waren. Jetzt, da er vor seinem Ziele stand, hatte eine brennende Ungeduld fich seiner bemächtigt. In der Frühe, nach der Synagogenzett, brachte ihn verabredungsgemäß der Sohn des Arztes in eine jüdische Familie, dort konnte er wohnen und speisen; die Leute waren streng fromm. Es war eine Eigenheit Südländers, daß er es nicht liebte, im Hotel zu essen. Noch bevor es auf den Thürmen der Stadt 12 Uhr geschlagen, fuhr der Professor an der Villa Berkheim's vor. Erstaunt betrachtete er das prächtige Gebäude, dessen Außenfayade schon ein kleines Kunstwerk war. Das Herz Südländers pochte; sollte der nächste Augenblick schon die entscheidende Wendung seines Lebens bringen? Mit hastigem Handgriff faßte er in den Ring, der aus vergoldetem Löwenmaule heraushing. Die elektrische Glocke ertönte, die Thüre sprang auf. Alles Marmor, Alles Gold, ein prächtiger Anblick; Südländer begann auf dem weichen Teppich emporzuftetgen. Doch die Laute, die er jetzt hier vernahm, paßten wenig zu der Vornehmheit dieses Hauses. Es war eine zänkische Stimme, scharf, in hohen Tönen, deren Besitzerin offenbar wett im Osten zu Hause war. „Was?" schrie die Bettlerin, daß es weit durch das ganze Haus gellte, „mir geben Sie eine Mark? Die Tochter vom reichen Banquier Berkheim will mir nur eine Mark geben?" „Liebe Frau, wenn Sie in jedem Hause eine Mark erhalten, können Sie reichlich zufrieden sein!" entgegnete eine sanfte und liebevolle Stimme, deren weiche Laute den Professor höchst angenehm berührten. Discret blieb er stehen, um diese Scene nicht zu stören. „Wie heißt? In andern Häusern!" schrie wüthend die Stimme der polnischen Bettlerin, „bin ich denn 'e Schnorrerin von der gewöhnlichen Sort? Der Herr Birnzweig hier hat mir gegeben zwei Mark und Sie schämen fich nicht, mir eine Mark anzubieten? Ist das Ihre Wohlthättgkeit, ist das Ihr Anstand?" Die Frechheit der Bettlerin empörte Südländer; gern wäre er dazwischen getteten, wenn er nicht gefürchtet hätte, daß eS der jungen Dame unangenehm wäre. Sie würde ja selbst die nöthigen Worte finden, solche Frechheit zurückzuweisen. Wie erstaunte er aber, als er die junge Dame ohne eine Spur von Erregung sagen hörte: „Ich gebe Ihnen dies nicht für Papa, sondern nur von mir, aus meinem eignen Taschengeld. Gehen Sie hinüber tn's Comptoir, dort werden Sie jedenfalls noch einmal eine Gabe erhalten." Die Bettlerin entfernte sich brummend, ohne ein Wort des Dankes. In Südländer jubelte es auf. Wenn dieses herzensgute Mädchen mit der sanften Stimme die Tochter des Hauses war?! Im Augenblick war er die Treppe oben und stand vor ihr. Nur von seinen Gefühlen getrieben, ohne die gesellschaftlichen Förmlichkeiten zu beachten, sagte er mit seiner klangvollen Stimme: „Wie gut Sie find, mein Fräulein." „Sie machen sich über mich lustig!" entgegnete diese ungezwungen, „nicht wahr, es war recht häßlich von mir, daß ich der armen Frau nicht nochmals etwas gab, es thut mir jetzt auch schon recht leid. Ich möchte sie zurückrufen." Südländer war gerührt und betroffen von diesen Worten; welche Herzensgüte, die es vermochte auch in diesem Falle sich selbst Unrecht zu geben. Er erinnerte fick, daß er sich noch nicht vorgestellt hatte. „Professor Südländer", sagte er. „Helene Berkheim", entgegnete sie einfach, „Tochter des Hauses." Dieses Mädchen war ihm schon symphatisch gewesen, ehe er ste erblickt hatte, bei ihren schönen Worten von vorhin, war es ihm warm ums Herz geworden, und doch konnte er sich eines befremdlichen