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Der Israelit · 1894-01-18 · Heft 6 (18.1.1894) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 6 (18.1.1894)
Date
1894-01-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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MWWMWWWMWWGWWWW > " fy '.« »\jiy» ■•r»wy w»», wr- - 8f Und ein solches Volk führt der Vater der Menschheit aus der tiefsten Barbarei an den flammenden Gottesberg und enthüllt ihm was kein menschliches Ohr je vernommen! Beweist doch ihr fortwährendes, murrendes Widerstreben gegen die Führung ihrer Führer während der ganzen Wüstenwanderung, daß auch die Offenbarung am Sinai die Spuren der egyptischen Verkommenheit, aus der sie hervorgegangen waren, nicht zu verdrängen vermochte. Wäre es da nicht den thatsächlichen Verhältnissen entsprechender gewesen, die vom Sklavenjoch Befreiten und der egyptischen Entartung Entrückten, stufenweise mit den ersten Elementen menschengesellschaftlicher Bildung und Gesittung durch Berührung mit höher stehenden Culturvölkern bekannt zu machen, als sie in der Wüste zu isoliren und ihnen ein Lebensgesetz als Ideal anzuvertrauen, das in so grellem Abstand zu seinen Trägern erschien? Und wenn der Vater und Lehrer der Menschheit dieser naheliegenden Forderung dennoch nicht entsprach, so muß dieses entgegengesetzte Verfahren in dem Wesen des Gotteswortes und dem welthistorischen Beruf seiner Träger seine tiefe Begründung haben. Die Thora, deren Wahrheit berufen ist, die Welt zu erobern, die den Kampf aufnimmt gegen Wahn und Leidenschaft, gegen die Klugheit und Thorhett der gesammten Menschheit, die Thora mußte ihre siegende Kraft erst an ihrem Volke, an Israel erproben. Der Gegensatz zwischen der Gottes-, Welt- und Lebensanschauung, wie sie die Thora lehrt und wie sie bei allen Völkern der Erde gang und gäbe war, mußte zuerst in dem Volke der Thora, in Israel, seine Verkörperung erhalten. Deßhalb war die Jsolirung Israels in der Wüste geboten. Im Verkehr und in inniger Berührung mit anderen Völkern wäre sie niemals erreicht worden. Je vollendeter die Bildung und Gesittung der Völker, um so gefährdeter wäre die Erhaltung der Eigenart Israels gewesen. Deßhalb durften sie selbst das Reinmenschliche nicht von ihrer Umgebung, sondern lediglich aus der Thora selber gewinnen. Diese Fürsorge für die treue Bewahrung des Gotteswortes drängte sogar dasjenige in den Hintergrund, was an der Thora selbst Israel mit seiner Umgebung gemeinsam hat — den einfachen Wortsinn derselben. Wenn wir es Gott danken, daß er uns auserwählt von allen Völkern, indem er uns seine Thora gab. so bezieht sich dieser Dank nicht auf die niedergeschriebene Thora, wie sie in unseren heiligen Thorarollen ruht, sondern eben auf den mündlich überlieferten, das schriftlich fixirte Wort erklärenden und verklärenden Theil der Thora. Die schriftliche Thora war von vornherein und wird von Tag zu Tag mehr und mehr Gemeingut der Menschheit. Was bis auf den heutigen Tag ausschließliches Eigenthum Israels ist, das ist seine mündliche Überlieferung der Thora. toew» n« nns mpn ms pnv '21 sdn 'ms nVt^n D'-isnn >d by "iöxjp B"ys^ min ’b hy . nw nns So lange daher die volle Wahrheit der Thora noch allenthalben auf Gegensatz und Verkennung stößt, steht uns dieser gegensätzliche, d. i. der mündlich überlieferte Theil in erster Reihe hoch und erst in zweiter Reihe findet der einfache Wortsinn der Thora die ihm gebührende Würdigung. Unsere Zeit, die von dieser seit Jahrtausenden erprobten Methode abgewichen ist und dem Kinde in erster Reihe den einfachen Wortstnn der Thora beibringt, in den meisten Fällen sich sogar darauf beschränkt, jedenfalls aber die mündliche Auslegung erst später nachhinken läßt, unsere Zeit mit ihrer auf den Aussterbeetat gesetzten Thorakunde ist eine glänzende Rechtfertigung der bewährten überlieferten Art, die Thora den Kindern zu lehren. Als daher Pharao Israel ziehen ließ, führte es Gott nicht in das Land der Philister, gerade weil es nach gewöhnlicher Auffassung das nächstgelegene gewesen wäre, sie mit einem Volke, wie es das philistäische war, in Contact zu bringen. Aus I. B. M., Cap. 26, wo Jizchak der Aufenthalt in Egypten untersagt, dagegen der in Philiftäa geboten wurde, sehen wir, wie König und Volk der Philister auf einer unverkennbar höheren Stufe standen, als Fürst und Volk in Egypten. Hier hätte sich Israel naturgemäß in ganz naheliegender Wüse die ersten Rudimente socialer und politischer Kultur aneignen können, deßhalb aber führte sie eben Gott diesen Weg — nicht. Der Krieg, den sie erfahren und und der sie zur Rückkehr nach Egypten bestimmen könne, kann wohl nicht in dem gewöhnlichen Sinne verstanden werden. Denn auch jetzt, trotz des Umwegs, den Gott Israel ziehen ließ, sprach es doch wiederholt die Absicht aus, nach Egypten zurückkehren zu wollen. Dieser Befürchtung war somit durch diese Maßregel nicht vorgebeugt. Vielmehr scheint hier die göttliche, Menschen und Völker erziehende Vorsehung den Kampf gegen denjenigen Feind vorhergesehen zu haben, den jeder in der eigenen Brust trägt. Der Abstand zwischen Egyptern und Philistern hätte genügt, um in dem Kampf gegen Gewohnheit und Leidenschaft zu erliegen. Unsere Väter hätten nicht Israeliten, sondern wieder Egypter werden wollen, wenn sie diesen Kampf auf diesem Wege hätten auskämpfen müssen. Deßhalb führte sie Gott seinen eigenen Weg, und die Lehrer Israels, die ihr Volk für die Thora gewinnen wollten, folgten treu den Spuren dieser göttlichen Er-

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