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Der Israelit · 1894-01-18 · Heft 6 (18.1.1894) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 6 (18.1.1894)
Date
1894-01-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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,r 86 knüpft — und dann erst die rationelle Auffassung, wie sie der einfache Wortsinn ansspricht." Es scheint demnach, als ob unsere großen Weisen in der That einer Lehrmethode das Wort redeten, welche die gewöhnliche nüchterne Auffassung nichts weniger als systematisch bezeichnen muß. Unsere Weisen müssen demnach in Wirklichkeit den Kindern zuerst die ganze Gemara und die heilige Schrift nach der Erklärung der Midraschim betgebracht haben, ohne sie den einfachen Wortsinn zu lehren. Ein anderer nach derselben Seite hin auffallender Ausspruch betr. des Jugendunterrtchtes findet sich im Talmud Traktat Berachoth, fol. 28 b. — wo Rabbi Elieser seinen Schülern ans Herz legte: jvjnn jo oa\n iyjn „Haltet euere Kinder zurück von Higejon." — Dieses Wort erklärt Raschi als eine zu hingehende Beschäftigung mit der heiligen Schrift, andere erklären es als: Beschäftigung mit den anderen W>ssenschaften. Es kann hier selbst nach dieser zweiten Auffassung sich nicht um eine Verpönung der Wissenschaften an und für sich handeln, sondern nur um Einführung der Kinder in dieselben. Rabbi Elieser hat ja nicht seinen Schülern, sondern nur deren Kindern die Zurückhaltung vom Studium anderer Wissenschaften empfohlen. Diese letzteren standen ja zu jeder Zeit gerade als Hilfsmittel zur Erfassung und Verwirklichung der Thora hoch in Ansehen. Es liegt ja auf der Hand, welchen Vorschub das Verständniß ganzer Parthien der Thora durch Kenntniß der einschlägigen wissenschaftlichen Discipline erfährt, wie z. B. die Wiffenschaft der Anatomie dem Studium der gesetzlichen Bestimmungen über Terephot zu gute kommen muß, wie die complicirten Bestimmungen der Lehre von Erubin durch mathematische und stereometrische Kenntnisse leichter verständlich gemacht werden, u. a. mehr. — Warum sollten somit unsere Kinder nicht zuerst diese Wissenschaften oder den einfachen Wortsinn der Thora sich aneignen, um so von Stufe zu Stufe zu der höheren, heiligen Wissenschaft der Thora zu gelangen? Uud denuoch redet auch in späterer Zeit der jüdische Altmeister der philosophischen Wissenschaft Rabbi Moscbeh ben Maimon der umgekehrten Reihenfolge das Wort, wenn er vor Ende des IV. Capitels seines minn ’td’ wörtlich folgt: D DT1D3 'IN") J’Nff 1D1N -ir-rnm Vt"? Nin nt?ai can^n neoi Dr6 idhd n"?nn din bv min pp mson ini&o Dna Nsvai nn aw^ rrapn y’Btsnff r6n:n naitan oner myi . Nan D^yn *»n ^iinH na „Ich sage, daß man sich nicht in den Lustgefilden philosophischer Natur- und metaphysischer Wissenschaft ergehen soll, bis man sich mit Brod und Fleisch gesättigt hat. Brod und Fleisch d. i. die Kenntniß des Verbotenen und Erlaubten und alles Hierhergehörige von den übrigen Mizwoth. Denn sie geben dem menschlichen Geist die rechte Grundlage, sie find ferner das höchste Gut, welches der Heilige gesegnet sei er zum Ausbau dieser zeitlichen Welt offenbart hat, um dadurch das Leben der künftigen Welt zu erlangen." Wenn somit die Thora das höchste aller Güter ist, sollte man nicht gerade zuallererst auf Aneignung des allgemeinen Menschlichen und zuletzt erst auf das Höchste, das specifisch Jüdische bedacht sein? Und dennoch hat R. Schelomo ben Aderet — N"atm — in seinen Teschubot besonders scharf gegen die Vertiefung in andere Wissenschaften vor erreichtem 25. Lebensjahr geeifert und in demselben Sinne hat sich ausführlich »"an ausgesprochen, worauf bereits n"d-i im Sch. A. Jore Dea Cap. 246, §. 4 hinweist. Dieser Einmüthiqkeit unserer großen Lehrer aller Zeiten, legt die Frage nach aller Veranlassung nahe, die sie wohl bewogen haben mochte für die Unterweisung in der Thora einen Weg einzuschlagen, der unserer Anschauung so vollständig entgegen gesetzt ist. Es muß jedenfalls eine hohe Autorität sein, der sie in ihrer Lehrmethode folgten, wenn sie den offenbaren Gegensatz mit den primitivsten rationellen pädagogischen Anforderungen nicht scheuten, und auf diese eigenthümliche Weise ihr Volk für die Thora zu gewinnen glaubten und auch in der That gewonnen haben. In Wirklichkeit ist es kein geringerer als Gott selber, dessen Beispiel bei der Offenbarung der Thora sie in ihrer Lehrordnung folgten. Aus Egypten hat Gott sein Volk unmittelbar an den Sinai geführt, um ihm wenige Wochen nach der Befreiung seine Thora zu offenbaren. Egypten wird uns in unseren heiligen Urkunden als das sittlich am tiefsten stehende Volk — nny unter allen Völkern der Erde geschildert. Unter diesen entarteten Chamiten schmachteten unsere Väter in hundertjährigem Sklavenloos als verachtete Ziegelbrennerhorde. Woher hätten sie auch nur einen leisen Anflug von Bildung und Gesittung oder sonst etwas aufzuweisen haben können, was sie politisch und sozial irgendwie zu ihrem Vortheil ausgezeichnet hätte! Im Talmud Joma fol. 75 b wird uns dem entsprechend in der That berichtet, wie unseren Vätern in Egypten so jede menschengesellschaftliche Veredlung abging, daß fie wie Hühner, die im Kothe ihre Nahrung suchen, nicht einmal eine bestimmte Stunde für ihr Mahl hatten, bis Moscheh sie ihnen festsetzte! pvn vn nbnna apy’ "n wn« to “idn .miyDptonV yapi ntwD na» iy .-©wo y-ipjo» ü^unna

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