Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 5 (15.1.1894)
- Date
- 1894-01-15
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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■.y1 "!'>- WWi.»u-'iu.><m*VHHKKMSWGWW? WMPMMMHWW 8 Ist das alles historisch wahr, ist es jüdisch? Das dürfen die Schüler alles aus einem christlich-konfessionellen Buch lesen, nimmer mehr aus einem Lesebuch für jüdische Schulen. Die Behauptung, ungeeignete Lesestücke ausgeschieden zu haben, ist also mindestens nur theilweise richtig; Herr Bl. will aber auch die ausgeschiedenen durch passende ersetzt haben. Wohlan, sehen wir uns diese Lesestücke einmal an, zählen wir sie vor allem! Es sind unter 387 Nummern gerade 9, die in einem Lesebuch für christliche Schulen fehlen dürften, so groß ist gewöhnlich die Anzahl der Stücke, die sich in christlichen Lesebüchern nur auf das Weihnachtsfest beziehen. Zählen wir die 7 im Anhänge sich befindlichen Gedichte dazu, dann haben wir 16 oder den 24. Theil aller Lesestücke. Das nennt Herr Bl. eine Bearbeitung sür jüdische Schulen. In der von Em. Hecht geschriebenen Vorrede des Lehr- und Lesebuches v. Hästers v. I. 1856 für jüdische Schulen heißt es schön und richtig: „. . . Dann mußte ich das Buch mit spezifisch-jüdischen Ideen auftreten lassen, dem allgemeinen humanistischen Stoffe einen positiv jüdischen zugesellen und endlich auch gewissermaßen für die Emancipation der rabbinischen Geisteserzeugnisse zu pädagogischen Zwecken sorgen".das von Hecht ausgearbeitete Buch hat aber auch — trotz der theilweise auch in ihm vorhandenen obengerügten Mängel ein durchaus jüdisches Gesicht, wenn ich auch nicht gerade die dort getroffene Stoffauswahl empfehlenswerth finde. Herr Bl. hat sich groß gezeigt im Einreißen, nicht im Aufbauen. Er hat sich dabei „von den Grundsätzen leiten lassen, die gegenwärtig maßgebend (?) sind." Ausgelassen hat er das zeitgemäße Stimmungsbild. „Ein Passahfest von A. Meißner", ausgelassen ferner, „R. Amnon zu Mainz". Gerade diese, wenn auch sagenhafte Erzählung würde einen bleibenden, alljährlich verstärkten Eindruck auf das kindliche Gemüth machen. Ausgeschieden wurde das herrliche „Zionlied" von Hallevi; ferner „Religionslehren aus den Schriften einiger jüdischen Gelehrten des Mittelalters" „Aussprüche jüdischer Weisen", die Uebersetzung verschiedener Psalmen, die Gedichte, die sich auf Sabbath und Festtage beziehen. Seit dem Erscheinen jenes Lesebuches, an dem auch Bl. mitgearbeitet hat, sind 35 Jahre dahingegangen. Neue Männer haben von sich reden gemacht, neue Werke haben die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen, manches mustergiltige litterarische Erzeugnis ist in den jüdischen Wochen- und Zeitschriften er schienen, welches in ein jüdisches Lesebuch aufgenom« men zu werden verdient. Dieser Zeitraum und sein Leben und Streben besteht für Herr Bl. nicht. Wo ist bes herrlichen Montefiore im ganzen Buche gedacht? In der Vorrede heißt es: „An Reichhaltigkeit dürste dennoch das vorliegende Buch wohl kaum etwas zu wünschen übrig lassen. Gestützt auf eine langjährige Erfahrung, hege ich nunmehr die Hoffnung, daß das Buch in seiner gegenwärtigen Einrichtung geeignet ist, die Stelle voll und ganz auszufüllen, die der Titel ihm anwetst." Stolz lieb ich den Spanier! Soweit das Urtheil sich auf die Arbeit der christlichen Herausgeber Häster und Richter bezieht, unterschreibe auch ich es; sollte Herr Bl. seine eigenen Verdienste um das veränderte Lesebuch im Sinne haben, so erlaube ich mir, ihm diese abzmprechen. Denn er hat Gutes ausgeschieden, ohne anderes Gute neu aufzunehmen und hat Schlechtes und Unrichtiges stehen lassen. Die Beweise hiefür werde ich später erbringen. Und nun noch einmal zum Vorwort. „Außerdem habe ich, um den inneren Werth des Buches zu erhöhen gesucht, die nachbiblische Geschichte in einem 4 Bogen umfassenden Anhang beigegeben. Wo es die Zeit nicht gestattet, die jüdische Geschichte in einer besonderen Stunde zu behandeln, kann füglich der gegebene Stoff als Lesestoff benutzt und so zum geistigen Eigenthum unserer Jugend werden." Herr Bl. glaubt nun etwas besonders Hervorragendes durch die Beigabe des Anhangs geleistet zu haben. Sehen wir uns den Anhang näher an. Ich sage, das Blumenfeld'sche Lesebuch, besonders der Anhang, lehrt Unrichtiges, ist sprachverderbend, verletzt das jüdische B ewußt sein und zerstört die Liebe zur jüdischen Religionsgemeinschaft. Ja, der Anhang gerade, der den inneren Werth erhöhen soll, untergräbt, die Anhänglichkeit an das Judeuthum. S. 538. Nr. 12. In „Religiöser geistiger Zustand der mittelalterlichen Juden," heißt es: „Doch auch die Schattenseiten können nicht verschwiegen werden. Die Leiden erzeugten heimliche Ränke, machten sie feigherzig, furchtsam, mißtrauisch, hinterlistig, bewirkten ihre Geneigtheit zu schändlichem Wucher und Uebervortheilung, zu Unredlichkeiten und Betrügereien, denn Geld war das einzige Rettungsmittel von Noth und Gefahr, das Mittel zu Macht und Ansehen zu gelangen und selbst die Regierungen liebten es, wenn sie sich mästeten mit fremdem Gute, um sie dann desto besser abschlachten zu können." Halt! um vor Wut und Wehmuth zugleich ob solcher Thorheit nicht vergehen zu müssen. Muß nicht angesichts solcher Unvernunft die Schamröte auf dem Gesicht aller jüdischen Leser sich zeigen? Haben unsere antisemitischen Feinde je Schlimmeres uns ins Gesicht geschleudert? Vor 35 Jahren ist dieser Satz geschrieben worden, und noch lautet er so. Er ist in dieser Allgemeinheit grundfalsch. Denn nicht