Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 5 (15.1.1894)
- Date
- 1894-01-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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- Aleppo 1× ep/1047811
- Eutin 1× ep/1044530
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74 durch Colonisation einen festen, ständigen Zufluchtsort für ihres Glaubens wegen verfolgte, heimathlos und e x i st e n z l o s gewordenen Glaubensgenossen zu schassen, und dem jüdisch-polnischen Auswandererstrom ein bestimmtes, segenreiches Feld zu schaffen. Wie nolhwendig ein derartiges Colonisationswerk ist, das haben die Ereignisse der letzten Jahrzehnte zur Genüge bewiesen. Immer und immer wieder, wie erst kürzlich, kamen ihres Glaubens wegen verfolgte und heimathlos gewordene Glaubensgenossen in die traurige Lage ruhelos von Land zu Land wandern zu müssen, weil kein Staat ihnen Unterkunft und Schutz gewähren will. Solche Zustände und Ereignisse sind eine Schmach und eme harte Anklage für das Judenthum als Religionsgemeinschaft. Derartigen traurigen Ereignissen ein für allemal ein Ende zu bereiten kann und muß der alleinige Zweck jüdischer Colonisationsbestrebungen sein. Und zur Erreichung dieses Zweckes werden einst auch die Bestrebungen der Zloniften ihr Theil beitragen, wenn sie auch jetzt aus edler Begeisterung für religiöse Ideale Phamomen oder gänzlich werthlosen Zielen nachjagen; in diesem Sinne bleibt die Zionsbewegung die „Hoffnung auf die Zukunft". Bevor ich den Artikel schließe, muß ich noch der Colonien des Baron Hirsch gedenken. Eine große Anzahl der russischen Juden sind aus Argentum nach der alten Heimarh zurückgekehrt, schwere Fehler sind von Seiten der Dtrcclion begangen worden. Hoffen wir, daß die zur Zeit auf den Colonien des Barons in Argentina sich aushaltenden russischen Juden den brauchbaren Stamm füreinige Ackcrbaucolonien abgcben werden. Vielleicht gelingt es mir auch im Laufe der Zeit Herrn Baron Hirsch mit seinen reichen Mitteln für die Fiuancirung eines großen, practischen und sachverständig geleiteten Colonisations-Unternehmens zu gewinnen. Ein derartiges großes und lebensfähiges Wik financirt zu haben ist auch eine ehrenvolle und ruhmreiche Aufgabe und That. Daß die reichen Geldmittel, der gute Wille und das mitleidige, hülfsbereite Herz zur erfolgreichen colonisatorischen Thätigkeit nicht genügen, dürfte Herr Baron Hirsch nun selbst erkannt haben. Qui vivra — verra, die Zukunft wird's lehren. Zum Schluffe habe ich noch die traurige Aufgabe einem der größten Colonisatoren und Afrika- Forscher, dem von deutschen Juden herftammenden Dr. Emin Pascha, alias Isidor Schnitzer, einige Worte des Nachrufs zu widmen. Dr. Emin Pascha ist aus seinem letzten Zuge nach den Hinterländern von Kamerun von Afrikanern ermordet worden. Groß als Eolonisator, ein Genie als Organisator, furchtlos, mit eiserner Willensj kraft ausgestattet, war Dr. Emin Pascha nur als Truppenführer und Befehlshaber zu gutmüthig, so daß es ihm nicht gelang, sich den unbedingten Gehorsam seiner Soldaten zu verschaffen. Aus dieser Unfähigkeit Eutin Pascha's sich den Gehorsam seiner Soldaten in allen Lebenslagen zu erzwingen, ergaben sich für ihn die traurigsten Konsequenzen; seine Gefangennahme durch seine beiden revoltirenden Infanterie-Bataillone. siine gewaltsame Entführung aus der Acquatorial-Provinz durch den amerikanischen Abenteurer Stanley sind die Folgen jenes Characterfehlers von Dr. Emin Pascha. Abgesehen von dieser Characterschwäche war Dr. Emin Pascha einer der größten und ruhmvollsten Afrikaforscher und Colonisatoren, die jemals gelebt haben; Ehre seinem Angedenken! Wenn nun auch Emin Pascha dem Judenthume vollständig fremd gegenüber stand, so ergiebt sich doch aus seinem Auftreten der uns mit froher Hoffnung erfüllende Schluß, daß dem jüdischen Stamme die Anlagen, die Coloniften und Erforscher fremder Erdtheile besitzen müssen, in hohem Maaße eigen ist. Literarischer Bericht. mjN anno Agadischer Comrnentar zum Pentateuch. nach einer Handschrift aus Aleppo zum ersten Male herausgegeben und mit Erläuterungen versehen von Salo mon Bub er, Wien 1894, A. Fanto 2 Theile XVII und 192 und 208 S. Der unermüdliche Buber überhäuft uns mit den Geschenken seines bewuudernswerthen Fleißes. Kaum war die große und so sehr verdienstvolle Arbeit die Edition des Midrasch-Tehillim vollendet, als uns die kritische Ausgabe des Midrasch Samuel und Midrasch Mischle übergeben wurde. Die genannten Werke erschienen bet den bewährten Rom in Wilna und jetzt versendet in gleich vorzüglicher Ausstattung der Verlag von A. Fanto in Wien tum Midrasch Agadah. Man glaubt fast, daß eine Offizin nicht im Stande sei, mit der Aibeilssreud gke.'l Bubers Schritt zu halten. Herr Abraham Lick in Preßburg hatte auf seinen Reisen eine sehr interessante, bis jetzt noch unbekannte Mtdraschsammlung in Aleppo gefunden und angekauft. Buber hat diese Handschrift von ihm erworben, um sie durch Edition allen Kennern zugänglich zu machen. Der Herausgeber nennt die Sammlung Midrasch-Agadah, weil sich darin viele Stellen finden, die Raschi zur Thora unter dem Namen Midrasch-Agadah anführt. Es ist nicht ganz ausgeschlossen, daß wir in diesem Werke den von Nascht so oft citirten Jesod schel R. Moscheh Hardarschon vor uns haben. Zwar fehlt darin Manches, was von Raschi, Tofaphot und Andern im